 |
|
 |
 |
 |
 |
Schulbehörde: Dilettantismus und Größenwahn
|
|
|
Schulbehörde zwischen Dilettantismus und Größenwahn
Die Führungsspitze unserer Schulbehörde liefert wieder einmal Paradebeispiele, wie Glaubwürdigkeit verspielt wird und die Arbeit in den Schulen auf einen Tiefpunkt gebracht werden kann.
Senator Lange übt sich im Herumtricksen mit Zahlen. In der Presseerklärung der BBS vom 11.9.02 erklärte er zum wiederholten Mal, beim Lehrerstellenplan werde nicht gestrichen. Gleichzeitig sollen nach offizieller Planung die am Anfang des Schuljahres 2002/2003 ausgewiesenen 13 974 Stellen auf 13 600 gesenkt werden. Erst im Jahr 2005 sollen wieder 13 900 Stellen erreicht werden. Schon in der Grundschule wird gelernt, dass bei dieser Rechnung ein Minus verbleibt, nämlich von 74 Stellen. Obwohl die Schülerzahlen bis dahin um 6000 steigen, durch Schulzeitverkürzung (Abi in 12 Jahren) und Neueinrichtung von Ganztagsschulen ein erhöhter Lehrerbedarf entsteht, werden nach bisherigen Plänen definitiv Stellen gekürzt.
Genauso plump ist das Täuschungsmanöver bei der Arbeitszeit der Lehrer. Im behördeninternen Arbeitspapier steht wörtlich: „Die Lehrerarbeitszeitkommission soll im Rahmen einer Effizienzsteigerung und zur Bedarfsdeckung einen signifikanten Beitrag an ersparten Lehrerstellen erarbeiten.“ Diese klare Zielbestimmung wird wiederum in der Presserklärung der BSB vom 11.09.02 geleugnet. Es gehe nicht um Einsparung von LehrerInnenstellen sondern um die Analyse der zeitlichen Dimensionen der Lehrerarbeit und ein „gerechtes Lehrerarbeitszeitmodell“. Aber Senator Lange wird es nicht gelingen, die LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen für dumm zu verkaufen. Das Hamburger Bildungsbündnis fordert, dass für mehr SchülerInnen mehr LehrerInnen eingestellt werden, der Mehrbedarf berücksichtigt wird und die Stundenverpflichtung der LehrerInnen gesenkt wird. Nur so kann eine gute Unterrichtsqualität erreicht werden. Nach den Berechnungen der GEW entsteht bis zum Jahr 2005 ein Mehrbedarf von 1000 LehrerInnenstellen.
Größenwahn und Dilettantismus offenbart sich bei der Ankündigung der Umstruktierungspläne für die Berufsschulen. Soll die jahrelange Reformarbeit, wie erneuerte Ausbildungsordnungen umzusetzen und neue Lernformen zu erproben, zerstört werden? Im Eilverfahren bis zum 15. Dezember zu überprüfen, ob für 48 Berufsschulen, 3000 Lehrer und 55 000 SchülerInnen eine völlig neue Struktur und Herauslösung aus der staatlichen Aufsicht sinnvoll ist, grenzt an Größenwahn. Um sinnvolle, von den Beteiligten getragene Veränderungen in einem differenzierten System zu erreichen, ist dieses dilettantische Vorgehen der falsche Weg. Die Vorsitzende der GEW Dr. Stephanie Odenwald sagt dazu: „Offensichtlich ist das Ziel, für die berufsbildenden Schulen den Ausstieg aus dem staatlichen Bildungssystem durchzudrücken. Nach den Vorstellungen der Handelskammer soll die durch Steuergelder finanzierte berufliche Bildung durch ein Institut der Wirtschaft geführt werden. In dessen Regie soll dann die Bildung der zukünftigen Arbeitnehmer liegen. Die staatliche Aufsicht soll sich auf „Gestaltungsvorgaben“ beschränken. Das halten wir für einen Verstoß gegen geltende Gesetze und mit einem demokratischen Bildungsauftrag unvereinbar. Für die berufliche Bildung gilt ebenso die staatliche Verantwortung wie für Bildungswege hin zum Abitur. In den berufsbildenden Schulen wird nicht nur auf das Arbeitsleben vorbereitet, sondern die Jugendlichen erwerben auch Kompetenzen für ihr persönliches Leben und Teilhabe an der Gesellschaft. Diese Aufgabe darf nicht den Arbeitgebern überlassen werden.“
Ilona Wilhelm Pressesprecherin der GEW Landesverband Hamburg Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Landesverband HamburgNr. 44/2002
|
nach oben
--< zurück
•--vorwärts >
↑ nach oben
|
Bildung • Schule • Beruf | Pensionäre an die Schulen?
|
|