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Hans Walden: Stadt – Wald
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Hans Walden: Stadt – Wald. Untersuchungen zur Grüngeschichte Hamburgs
740 Seiten, 60 Abbildungen (darunter zahlr. historische Karten, 9 farbige Abb.), Orts- und PersonenregisterISBN 3-934632-02-5 DOBU Verlag – Wissenschaftlicher Verlag Dokumentation & Buch, Dammtorstr. 32, 20354 HamburgLadenpreis: 39,90 Euro
Das gegenseitige Verhältnis von Stadt und Wald ist von der historischen Forschung lange Zeit wenig beachtet worden. Nunmehr wird eine umfassende Studie für den Raum der Stadt Hamburg vorgelegt, deren Darstellung vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts reicht. Sie ist als Dissertation am Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Universität Hamburg entstanden. Über Jahrhunderte war die Stadt hochgradig von den Ressourcen des Waldes abhängig – dies wird zu Beginn der Untersuchung eindrucksvoll belegt. Mit Hilfe von Schriftquellen, historischen Karten und Flurnamen lassen sich Erkenntnisse über die frühere Bewaldung in Hamburgs Umgebung gewinnen. Etliche Waldgebiete fielen der Vernichtung anheim (Hamme, Eichholz, Grindel u.v.a.), wozu konkurrierende Nutzungsinteressen ebenso beitrugen wie kriegerische Ereignisse. Die Entwicklung des Hamburger Waldbesitzes und der Hamburger Forstverwaltung wird von ihren Anfängen an nachgezeichnet. Die sich im 18. Jahrhundert verstärkenden Bemühungen, den Waldverlust zu stoppen, führten zu ersten Neuaufforstungen auch mit Nadelholz; die Trennung der Wald- von der Landwirtschaft dokumentierte sich um 1800 in der Bildung von Forstrevieren.Das Werk befasst sich mit Waldgebieten in fast allen Teilen des früheren und des heutigen Hamburger Gebiets, wobei ein räumlicher Schwerpunkt auf Hamburgs historischen Walddörfern liegt. Erstmals ist auch ausführlich nachzulesen, wie Hamburg und Lübeck seit 1420 ihre Ansprüche auf den Sachsenwald im Herzogtum Lauenburg durchzusetzen suchten. Im zweiten Hauptteil steht der Wald als Erholungsraum für die Stadtbevölkerung im Blickpunkt der Untersuchung. Die Wahrnehmung und Nutzung des Waldes als Ort des Wohlbefindens, als gesuchter Gegenort zur Stadt, setzt nicht etwa erst im 19. Jahrhundert, sondern viel früher ein. Gerade für das 18. Jahrhundert ist ein stark wachsendes Interesse an den ästhetischen und erholungsbezogenen Qualitäten des Waldes zu konstatieren. Als Kronzeuge hierfür wird der Hamburger Ratsherr und Dichter Barthold Heinrich Brockes präsentiert, der die Schönheit des Waldes in Gedichten verherrlichte und als Amtmann von Ritzebüttel ab 1737 selbst einen kleinen Eichenwald zum „Lust-Revier“ umgestaltete. Stadtnahe Spaziergehölze existierten im 18. Jahrhundert u.a. in Eimsbüttel, Flottbek und Wellingsbüttel, und auch die Reeperbahn bildete ein kleines „Lustwäldchen“. Zu einem besonders beliebten Ausflugsziel der Hamburger entwickelte sich Schimmelmanns Waldpark in Wandsbek.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts weitete sich der Waldausflugsverkehr stark aus. Durch neue, allgemein benutzbare Verkehrsmittel (Eisenbahn, Dampfschiff) wurden weitere Gebiete wie das Bergedorfer Gehölz, der Sachsenwald und die Forsten bei Harburg leicht erreichbar. Zwischen 1880 und 1925 manifestierte sich die Waldsehnsucht des Stadtmenschen in besonders ausgeprägter Weise. Gezeigt wird dies am Aufschwung der Heimatschutz-, Naturschutz- und Wanderbewegung, aber auch an der Spekulation mit waldnahen Villengrundstücken. Die Vorstellungen von den ausgleichenden und heilenden Wirkungen des Waldes fanden damals ihren Niederschlag bei der Anlage von Stadt- und Volksparks, im Gesundheitswesen, in der pädagogischen Jugendarbeit und in der Gestaltung von Friedhöfen. Wer sich für die Geschichte der Natur und der Naturwahrnehmung im städtischen Ballungsraum interessiert, auch wer sich aus dem Blickwinkel der Geografie, Botanik, des Naturschutzes oder Kulturwissenschaft dem Thema „Wald“ nähert, findet in diesem Werk ein reiches Informationsangebot.
Aus dem Inhalt
Teil I: Waldflächenentwicklung – Waldbesitz – Waldnutzung
Die waldabhängige Stadt – Auf der Suche nach den Waldgebieten der Vorgeschichte, des Mittelalters und der frühen Neuzeit – Entwicklung der Waldbesitzverhältnisse seit dem Spätmittelalter – Hamburgs Walddörfer und die Anfänge der Hamburger Forstverwaltung – Der Konflikt um den Mitbesitz am Sachsenwald – Faktoren der Waldvernichtung und Ansätze zu aktiver Waldpflege bis 1770 – Von den Zuschlägen zu den Forstrevieren (1770-1820) – Hamburgs Forstwesen vom frühen 19. Jahrhundert bis zu Waldverlusten nach dem Zweiten Weltkrieg – Die Waldgebiete bei Harburg – Forstrevier Klövensteen – Die Forsten des Kaufmanns Godeffroy
Teil II: Der Weg zum Erholungswald
Waldeslust und Lustwald, ein historischer Streifzug von der Antike bis zum 16. Jahrhundert – Das frühneuzeitliche Hamburg und der Drang ins Grüne – Der Wald in Gartenkunst und Dichtung des 18. Jahrhunderts – B.H. Brockes als Waldbewunderer und Waldgestalter – Stadtnahe Spaziergehölze im 18. Jahrhundert – Wohldorf: „Lustgehölz für die Hamburger Senatoren“ – Waldausflugsverkehr im 19. und frühen 20. Jahrhundert – Die Anfänge von Natur- und Heimatschutz – Konflikte um die Waldromantik – Wald und Volkspark – Wald für die Kranken – Wald für die Kinder – Wald für die Toten
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