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ISSN 1610-0611
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Geesthachter Atomanlagen

Sitzung der Strahlenschutzkommission zur radioaktiven Kontamination der Nahumgebung der Geesthachter Atomanlagen hat Alibicharakter:

Die relevanten Fragen werden nicht beantwortet

Berlin, Auf dem Programm der Sitzung des Ausschusses "Anlagensicherheit" der Strahlenschutzkommission in Bonn steht die Beratung zur radioaktiven Kontamination der Nahumgebung der Geesthachter Atomanlagen. Renommierte Wissenschaftler der Arbeitsgruppe von Prof. A. Scharmann (ARGE PhAM, Giessen/ Weinheim) hatten in verschiedenen Gutachten im Auftrag von IPPNW eine Belastung der Umgebung mit plutoniumhaltigem PAC-Kernbrennstoff (Mikrokügelchen) nachgewiesen.

Die aufgefundenen Partikel können nur durch einen Unfall bei Experimenten im Rahmen nuklearer Fusions-/Fissions-Forschung in die Umwelt gelangt sein. Verschiedene unabhängige Gutachter, u.a. der wissenschaftliche Geschäftsführer der schleswig-holsteinischen Leukämiekommission (Privat-Dozent Dr. F. Stevenson, Kiel), hatten den Befund in eigenständigen Untersuchungen bestätigt. IPPNW hat den diesbezüglichen wissenschaftlichen Sachstand in einer laienverständlichen Dokumentation zusammengefasst, die in der IPPNW-Geschäftsstelle angefordert werden kann ("Die Belastung der Nahumgebung der Geesthachter Atomanlagen durch Spaltprodukte und Kernbrennstoffe", Marschacht, 14.10.02, 70 Seiten)

Schon zum dritten Mal berät der Ausschuß der Strahlenschutzkommission (Vorsitzende Prof. Dietze, Christian Küppers) zu diesem Thema. Jeweils zu kurzfristig vor den entsprechenden Terminen wurde bei den ARGE PhAM-Wissenschaftlern zwecks Beteiligung angefragt. Die Wissenschaftler und IPPNW hatten bereits im Vorfeld der letzten Beratung im Mai 2002 darauf verwiesen, dass auch von Seiten der Atomaufsicht amtliche Informationen zu Ursachen und Hintergründen der radioaktiven Kontamination für die Diskussion zur Verfügung gestellt werden müssten. Insbesondere wurde um die Beantwortung der Frage gebeten, welche Experimente im Raum Geesthacht in den achtziger Jahren im Kontext der Fusionsforschung betrieben wurden und wo und wann bei den Geesthachter Atomanlagen der hierzu erforderliche Hybridreaktor beziehungsweise ein vergleichbares Gerät betrieben wurde. Diese Fragen wurden nicht beantwortet. Auch eine Kostenübernahme für die Teilnahme der Wissenschaftler an der Sitzung der Strahlenschutzkommission wurde abgelehnt.

Stattdessen erreichte IPPNW zwei Tage vor der Sitzung die Anfrage der SSK, ob nicht IPPNW die Finanzierung des Auftretens der Fachleute vor der SSK übernehmen könnte! Von den Vertretern des amtlichen Strahlenschutzes wird es inzwischen offensichtlich als normal angesehen, dass die Aufklärungsarbeiten bei einer radioaktiven Umweltkontamination von Nicht- Regierungsorganisationen übernommen werden. Sämtliche Messprogramme der letzten 4 Jahre, die die Erkenntnisse zu Geesthacht voranbrachten, wurden durch die Bürgerinitiative und durch IPPNW finanziert.

Am 14.10.02 fand in Marschacht (Elbmarsch) - gegen den Willen des Kieler Finanz- und Energieministeriums als Aufsichtsbehörde für die Atomanlagen - eine öffentliche Sitzung der schleswig-holsteinschen Leukämiekommission statt. Dort wurden die gesamten inzwischen erarbeiteten Ergebnisse im Zusammenhang vorgestellt. Weder die zuständigen Landesbehörden, noch die SSK, das Bundesamt für Strahlenschutz oder das Bundesumweltministerium haben das Angebot zur gemeinsamen Diskussion wahrgenommen.

IPPNW gedenkt nicht, Mitgliederbeiträge und Spenden für Zwecke einer amtlichen Kommission zu verwenden, deren Interesse an einer wirklichen Aufklärung der genannten Probleme bisher nicht erkennbar ist.

An einer angemessen vorbereiteten Sitzung, für die auch von amtlicher Seite die erforderlichen Informationen zur Verfügung gestellt werden, werden sich die IPPNW-Fachleute und ARGEPhAM-Wissenschaftler jederzeit gern konstruktiv beteiligen.



Dr. med. Helga Dieckmann
Dr. Sebastian Pflugbeil (Berater für Strahlenschutz)

IPPNW: Berlin den 27. November 2002:


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