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ISSN 1610-0611
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Gewalt ändern, Vertrauen schaffen

Öffentlichkeitskampagne: Gewalt ändern, Vertrauen schaffen

Das Plakat zeigt eine glückliche Familie. Vater, Mutter und zwei Kinder sitzen nahe beieinander, sie lachen, wirken vertraut. In den kommenden Wochen werden die Hamburger dieses Plakat häufiger in der Stadt sehen. Denn die Beratungsstelle „Männer gegen Männer-Gewalt“ wirbt damit in einer groß angelegten Öffentlichkeitskampagne. Unter dem Motto „Gewalt ändern, Vertrauen schaffen“ möchte die Beratungsstelle auf ihre Hilfe-Angebote für gewalttätige Männer aufmerksam machen. Denn die Wirklichkeit sieht manchmal ganz anders als auf dem Plakat aus. Für die Öffentlichkeitskampagne hat Senatorin Birgit Schnieber-Jastram die Schirmherrschaft übernommen.

Gewaltberatung nach dem „Hamburger Modell“ ist eine speziell für Täter entwickelte Arbeitsform. Bundesweit gibt es inzwischen insgesamt 13 Beratungsstellen von „Männer gegen Männer-Gewalt“. Der Ursprung liegt in Hamburg-Hohenfelde: Am Mühlendamm 66 wurde 1988 erstmalig in Deutschland die Beratung von Gewalttätern angeboten. Im vergangenen Jahr führten die Mitarbeiter dort über 1100 Beratungsgespräche und Kriseninterventionen durch. Und die Tendenz ist steigend: Durch das Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetz registrieren die drei Gewaltberater (2,25 Stellen) seit Anfang des Jahres einen zusätzlichen Nachfrage-Schub. Das Gewaltschutzgesetz bietet Frauen die Möglichkeit, gewalttätige Männer aus der gemeinsamen Wohnung verweisen zu lassen.

 


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„Gewalt ist ein männertypisches Verhalten der Konfliktvermeidung, das der Abwehr von Ohnmachtsgefühlen und Hilflosigkeit dient“, erläutert Hans-Jürgen Wielsch, Gewaltberater und Leiter der Beratungsstelle: „Männer schotten sich in Problemsituationen von der Außenwelt ab und verfügen seltener über soziale Netze, die sie auffangen. Auch suchen sie eher selten traditionelle Beratungsangebote auf.“

Das Angebot der Beratungsstelle richtet sich an Männer ab 18 Jahren. Die meisten der Ratsuchenden (ca. 48 %) sind zwischen 31 und 40 Jahren. Der Anteil sexualisiert gewalttätiger Männer beträgt jährlich ca. 12 Prozent.

Gewalttätige Männer lernen dort, ihr Verhalten in gewaltauslösenden Situationen zu verändern und den Gewaltkreislauf zu unterbrechen. Sie erleben, was sie gewinnen, wenn sie Verantwortung für ihr Handeln übernehmen: Selbstvertrauen, Lebendigkeit und Konfliktfähigkeit. Die Männer erlernen sich und ihre Grenzen wahrzunehmen. Erst das ermöglicht ihnen die Grenzen anderer und deren körperliche Unversehrtheit zu akzeptieren. Die Kommunikationsfähigkeit wird erhöht. Jetzt können die Männer Konflikte lösen, ohne Gewalt anzuwenden, sie können das werden, was sie eigentlich sein wollen: liebevolle Ehemänner und Familienväter.

Neben einem einzelfallbezogenen, niedrigschwelligen und anonymen Beratungsangebot werden auch Trainingsgruppen angeboten. Sie umfassen je 20 Sitzungen à zweieinhalb Stunden mit durchschnittlich zehn Teilnehmern. Dort wird das eigene Verhalten in Konfliktsituationen analysiert, Mechanismen, die zu gewalttätigen Handeln führen, erkannt und alternative Verhaltensweisen erprobt. Hans-Jürgen Wielsch: „In den wöchentlichen Sitzungen entwickeln die Männer eine neue Qualität von gegenseitiger Unterstützung. Sie lernen angemessenes Verhalten in Paarkonflikten und wenden es an.“

Senatorin Birgit Schnieber-Jastram: „Die Beratungsstelle Männer gegen Männer-Gewalt leistet frühzeitige Hilfestellung. Den Gewaltkreislauf zu unterbrechen verhindert Eskalation und bietet Schutz für die ganze Familie. Mit der Öffentlichkeitskampagne soll dieses Angebot möglichst vielen bekannt gemacht werden, damit jeder weiß, wohin er sich wenden kann, wenn er Hilfe braucht.“
Die Beratungsstelle erhält von der Behörde für Soziales und Familie eine jährliche Zuwendung von rund 160.000 Euro zur Finanzierung der 2,25 Beraterstellen.

Die Beratungsstelle ist montags und mittwochs von 11 bis 15 Uhr, dienstags von 15 bis 17 Uhr und donnerstags von 17 bis 21 Uhr telefonisch unter der Nummer 220 12 77 erreichbar. Beratungen finden den ganzen Tag, auch in den Abendstunden, statt.


Hans-Jürgen Wielsch, Leiter der Beratungsstelle
Anika Wichert, Pressestelle der BSF


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