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Obdachlose Menschen in Hamburg

26. August 2002 /bsf26

Ergebnisse der aktuellen empirischen Untersuchung

Obdachlose Menschen gehören zu einer Personengruppe, über die wenig Wissen vorhanden ist. Während über Menschen, die in den verschiedenen Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe leben, zumindest grundlegende Strukturdaten vorliegen, fehlen diese über obdachlose Menschen, die die Angebote nicht nutzen. Aus diesem Grund wurde im Auftrag der Behörde für Soziales und Familie und mit Unterstützung der Wohlfahrtsverbände eine umfassende Befragung von obdachlosen, auf der Straße lebenden Menschen durchgeführt.

Bei dieser Untersuchung handelt es sich in Bezug auf die Größe der befragten Personengruppe und auf den Umfang der ermittelten Informationen um eine in Deutschland bislang einmalige, repräsentative, empirische Untersuchung über obdachlose, auf der Straße lebenden Menschen. Neben grundlegenden Strukturdaten wie Geschlecht, Alter und Nationalität wurden erstmals auch wichtige qualitative Informationen über diese Personengruppe ermittelt. So wurde u.a. nach der Dauer der Obdachlosigkeit, der Nutzung von Übernachtungsangeboten, Gründe für ihre Nichtnutzung und nach gewünschten Hilfsangeboten gefragt sowie Angaben zur Einkommenssituation und zum Gesundheitszustand erbeten.

Vom 20. bis 26. März 2002 hatte der Bremer Sozialwissenschaftler Torsten Schaak die Befragung obdachloser Menschen gemeinsam mit Vertretern der Wohlfahrtsverbände, pflegen & wohnen und der Behörde für Soziales und Familie durchgeführt. Aufgesucht wurden die Befragten in insgesamt 117 Hamburger Anlaufstellen, die obdachlosen Menschen Hilfe anbieten: u.a. Tagesaufenthaltsstätten, Bahnhofsmissionen, Suppenküchen, Mobile Hilfe, Krankenstube, Drogenberatungsstellen, Hinz und Kunzt, Mitternachtsbus, Beratungsstellen, Notübernachtungseinrichtungen.
Die Befragung war freiwillig und anonym und unterlag der Kontrolle des Hamburger Datenschutzbeauftragten.



Ergebnisse der Untersuchung:1.281 Menschen gaben an, in Hamburg auf der Straße zu leben.Der Anteil der obdachlosen Frauen lag bei 22 %. Die in Hamburg auf der Straße lebenden Menschen weisen im Vergleich zu einer Zählung im Jahr 1996 eine deutlich höhere Altersstruktur auf. Stellten 1996 noch die 30- bis 40-Jährigen mit 30% die bedeutendste Altersgruppe, so sind jetzt die 40- bis 50-Jährigen mit 30 % die größte Altersgruppe.
Die durchschnittliche Verweildauer des Lebens auf der Straße lag bei 47 Monaten. Rund 32 % lebten zum Zeitpunkt der Befragung kürzer als zwölf Monate auf der Straße, 39 % zwischen einem und fünf Jahren, rund 11 % lebten seit mehr als zehn Jahre auf der Straße.
32% aller Befragten wurden im Alter von 30 bis 39 Jahren obdachlos.
Nach dem Grund des letzten Wohnungsverlustes gefragt, antworteten 41,9% mit „Ohne Kündigung ausgezogen“, 18,1% mit „Kündigung durch den Vermieter“ und 7,5% mit „Eigene Kündigung“. Eine „Zwangsräumung“ lag bei 23,6% vor.
52 % der auf der Straße lebenden Menschen gaben an, in den letzten drei Monaten keine Übernachtungsangebote genutzt zu haben. Als Gründe dafür wurden genannt, dass zu viele Menschen auf einem Raum leben, keine Einzelzimmer zur Verfügung stehen und Angst vor Diebstahl oder Gewalt.
Als besonders wichtige Hilfeangebote wurden von jeweils über 40 % der obdachlosen Menschen 1. Beratungsstellen, 2. Tagestreffpunkte, 3. Begleitung bei schwierigen Erledigungen und 4. Mobile Hilfen angegeben.
Sozialhilfeleistungen stellten mit 50% die wichtigste Einnahmequelle dar, gefolgt von Arbeitsamtsleistungen (15%) und Rente/Pensionsbezüge (rd. 6%). Acht Prozent der Befragten gaben „Betteln“ und zehn Prozent „ohne Einkommen“ an.
Die meisten obdachlosen Menschen (28,3%) gaben ihrem Gesundheitszustand die Note 3 (Zufriedenstellend). 24,7% schätzten ihre Gesundheit als „weniger gut“ (4), 15,8% als „schlecht“ (5) ein. Eine 2 (Gut) erteilten 24,8% ihrer Gesundheit und 6,5% eine 1 (Sehr gut). Grundsätzlich schätzten die Befragten in Drogeneinrichtungen ihren Gesundheitszustand schlechter ein als Befragte in Obdachloseneinrichtungen.

Eine Erörterung und differenzierte Auswertung der Ergebnisse wird zeitnah durch die Behörde für Soziales und Familie und die Wohlfahrtsverbände erfolgen. Schon jetzt kann festgestellt werden, dass die Ergebnisse der Untersuchung deutlich machen, dass die Versorgung obdachloser Menschen in Hamburg durch ein vielfältiges und differenziertes Angebot grundsätzlich gut gelingt. Allerdings hat die Untersuchung auch ermittelt, dass ein Teil der obdachlosen Menschen die vorhandenen Übernachtungsstätten nicht in Anspruch nimmt.
„Dies bestätigt unser Konzept, statt großer Einrichtungen verstärkt kleinere, dezentrale Übernachtungseinrichtungen für obdachlose Menschen zu schaffen“, erklärte Senatorin Birgit Schnieber-Jastram im Hinblick auf die geplante Neuorganisation der Wohnungslosenhilfe.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Untersuchung ist, dass es einen Teil obdachloser Menschen gibt, der trotz vorhandener Hilfsangebote ein Leben auf der Straße jeder anderen Lebensform vorzieht. Diese Menschen sind mit sozialpädagogischen Maßnahmen nicht zu erreichen.

Die rund 100 Seiten umfassende Untersuchung ist gegen Einsendung eines frankierten (1,53 Euro) und adressierten Briefumschlags (DIN A4) erhältlich bei der

Behörde für Soziales und Familie
Amt für Soziales und Rehabilitation
Planung der Wohnungslosenhilfe
- SR25 –
Hamburger Straße 47
22083 Hamburg

Die Untersuchung wird in Kürze auch im Internet unter www.bsf.hamburg.de erhältlich sein.

Pressestelle der Behörde für Soziales und Familie
Anika Wichert


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