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Eklat in Innendeputation
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Subject: SPD: Eklat in Innendeputation
Sozialdemokratische Partei Deutschlands Landesorganisation Hamburg - die SPD-Deputierten der Behörde für Inneres -
SPD-Deputierte verließen unter Protest Innendeputationssitzung: "Bürgermeister von Beust muss Senator Schill über seine Pflichten in Kenntnis setzen"
Aus Protest gegen die ihrer Ansicht nicht hinnehmbaren Umgangsformen der Leitung der Innenbehörde mit der Deputation haben die SPD-Deputierten am Dienstag Nachmittag unter Protest die Deputationssitzung verlassen. "Der Sinn der Hamburger Verfassung wird durch das Treiben von Senator Schill und Staatsrat Wellinghausen ins Gegenteil verkehrt. Wir lassen uns das nicht bieten und werden Bürgermeister von Beust auffordern, seinen Innensenator über seine Dienstpflichten in Kenntnis zu setzen", sagte der Sprecher der SPD-Deputierten, Konny G. Neumann.
1. Missachtung und Aushöhlung der Rechte der Deputierten
Bereits auf der Deputationssitzung im November hatte Neumann eine verfassungsgemäße Beteiligung der Innendeputation entsprechend der Gesetzes- und Beschlusslage der Innendeputation eingefordert. Gleichzeitig hat er hatte die neue Praxis der Behördenleitung unter Senator Schill kritisiert, die in keiner Weise der langjährigen Tradition der Zusammenarbeit in der Innenbehörde folge, sondern unter anderem durch Presse- und Geheimpolitik das Recht der Behördenleitung in Gänze - also auch der Innendeputation - permanent einschränke und verletzte.
Die erst nachträgliche "Beteiligung" der Innendeputation an den Prozessen "Reform der Führungsstrukturen in der Polizei" - mit Auflösung der Polizeidirektionen - und "Reform der Aus- und Fortbildung" mit den damit verbundenen Personalentscheidungen sind dabei nur zwei Beispiele aus der jüngsten Zeit. Die ebenfalls erst nachträgliche Beteiligung der Deputation bei der Auflösung der Feuerwehrdirektionen, die bisherige Nichtbeteiligung am neuen Konzept der Struktur der Fachhochschule, die erst nachträgliche Inkenntnissetzung der Deputation bei der Ausarbeitung des Konzeptes "Cop4U" sind weitere Beispiele für die eindeutige Missachtung des Sinnes der Hamburger Verfassung, des Fachbehördenverwaltungsgesetzes, der Geschäftsordnung der Innendeputation sowie der seinerzeit einstimmig gefassten Beschlüsse über Verfahren zum Umgang mit Sach- und Personalfragen in der Innendeputation.
"Mit dem Auszug der Deputation haben wir ein deutliches und notwendiges Zeichen gesetzt: Der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg muss seinen Stellvertreter auf seine Pflichten hinweisen. Er muss einer Aushöhlung der Hamburgischen Verfassung und der verfassungsrechtlichen Stellung der Deputationen Einhalt gebieten. 2. Paradigmenwechsel bei Senator und Staatsrat der Innenbehörde hinsichtlich der Zusammenarbeit in der Innendeputation
Zum nicht akzeptablen Umgang des Zweiten Bürgermeisters und seines Staatsrates mit ihrer Behördenleitung führt Konny G. Neumann weiter aus: "Als langjähriges und dienstältestes Mitglied der Innendeputation empfinde ich es als empörend, dass Senator Schill und Staatsrat Wellinghausen das Angebot der SPD-Deputierten zu sachlicher und konstruktiver Zusammenarbeit in letzter Zeit aus prinzipiellen Erwägungen oder aufgrund von Unvermögen desavouieren."
Die Mahnung, dass insbesondere eine Informierung der Deputation mit Hilfe von (bereits veröffentlichten) Pressemitteilungen undemokratisch sei und eine drastische Verletzung der Rechte der Deputation darstelle, wurde quittiert mit dem wenig hilfreichen Satz: "Dann erhalten die Deputierten eben diese Presseerklärungen nicht mehr." Anfragen von Deputierten zu aktuellen Themen und Vorfällen werden abgetan etwa mit dem Hinweis: "Das können Sie ja in unseren schriftlichen Veröffentlichungen nachlesen."
3. Sachliche Fehlentscheidungen als Folge
Die gute Zusammenarbeit mit der Opposition bis zum Regierungswechsel 2001 war nicht nur aus Fairnessgründen und überzeugtem Demokratieverständnis erfolgt, sondern auch, weil in Gesprächen und der offiziellen Befassung der Innendeputation inhaltliche Verbesserung erlangt und Personalfragen noch einmal überdacht (und auch geändert) werden konnte. Da entsprechende Gespräche nun ausfallen, besteht zu sachlicher Diskussionen kaum noch Gelegenheit. Fehlentscheidungen insbesondere in der Personalpolitik sind die Folge: * Der kompetente Staatsrat Dirk Reimers wurde von Senator Schill - auch wenn dieser anderes behauptet - aus seinem Amt vergrault. * Der anerkannte ehemalige Leiter des LKA und stellvertretende Polizeipräsident Wolfgang Sielaff hat den erstmöglichen Termin für seine Pensionierung wahrgenommen. * Polizeipräsident Nagel kennt Hamburg kaum, noch weniger die gewachsenen Strukturen der Hamburger Polizei. Nur so ist es zu erklären, dass er heute der Auflösung der Polizeidirektionen zustimmt, was er - wie die Polizeiführung insgesamt - vor einem halben Jahr noch für unsachgemäß hielt und deshalb verhindern wollte. * Während im Polizeipräsidium hochdotierte Beamten zusammengezogen werden, fehlen in der Fläche Stellen und Personal. Auch die aktuellen angeblichen Reformen der Polizei-Ausbildung wird sich schon bald negativ für Bürger auswirken: Statt - wie geplant - 19 werden nur 16 neue Lehrgänge eingestellt. Weniger gut ausgebildete Berliner Polizisten sollen nach Hamburg geholt werden - mit der Konsequenz, dass Hamburger Bewerberinnen und Bewerber keine Anstellung mehr finden werden.
4. Missachtung der Deputation passt zu Umgang mit Verwaltungspersonal
Die Stimmung bei den Beschäftigten in der Innenbehörde ist so schlecht wie die in der Innendeputation: Noch nie hat es eine derart schlechte Stimmung gegeben. Umsetzungsanträge mit dem Ziel, die Innenbehörde zu verlassen, einhellige Kritik von allen beteiligten Personalräten bis zur massiven Kritik der Polizeigewerkschaften sind Folgen des Umgangs der Behördenleitung mit den Beschäftigten.
In einem Schreiben wurde die Deputation um Verständnis dafür gebeten, das erst die Presse und dann die Innendeputation - also die verfassungsmäßige Behördenleitung - mit relevanten Themen befasst wird. Dass ein Entschuldigungsschreiben an die Innendeputation vom Staatsrat und nicht etwa vom Senator geschrieben wurde, ist bemerkenswert. Nachdem Herr Schill durchgesetzt hatte, dass sein Büroleiter, dessen Stellenbeschreibung eindeutig eine BAT II Ausweisung zeigt, weiterhin nach A16, also drei Stufen höher besoldet werden kann, nachdem er auf mysteriöse Weise zu einem Waffenschein kam ("dadurch können wir die Polizei entlasten") scheint sich Herr Schill jetzt ausschließlich auf Treffen mit dem Stardesigner Colani oder auf seine Parteiarbeit zu konzentrieren. Möglicherweise ist das auch gut für Hamburg, denn so wird schlimmeres vermieden.
"Die SPD-Deputierten fordern die Leitung der Innenbehörde auf, eine vernünftige Form der Kooperation anzustreben. Wir wissen, dass unsere Deputationskollegen von CDU, FDP und Schill-Partei ebenfalls ihren Unmut über den Umgang der Behördenleitung mit der Deputation zu Papier gebracht haben. Der Ball liegt jetzt bei Senator Schill und Staatsrat Wellinghausen."
Hintergrundinformation
Der Sprecher der SPD-Deputierten, Konny G. Neumann, ist seit beinahe zwanzig Jahren in der Innenpolitik und der Innendeputation aktiv. Seine Berichte an die jeweiligen Innensenatoren zum Beispiel zur Situation während der Probleme mit der Hafenstraße an den damaligen Revierwachen 15 (Davidwache) und 16 (Lerchenstraße) führten zu konstruktiven Maßnahmen: zusätzliche Schichten für die betroffenen Wachen; ein auch schon aus der Polizei selbst angemahntes Funkkonzept; erste Ansätze für den PC-Einsatz bei der Polizei; eine Aufstockung der Bereitschaftspolizei als Antwort auf die vermehrte Einstellung von Frauen in die Polizei als Ausgleich für Mutterschaftsbeurlaubungen; Einstellung von Ausländern in den Polizeidienst; verbesserte Zusammenarbeit von Polizei, Zoll und BGS bei der Drogenbekämpfung und OK; Zusammenarbeit von Polizei und Schulen bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität; Zusammenarbeit von auszubildenden Polizeilehrern und öffentlichen Schulen, etc.
4. Dezember 2002
Christoph Holstein SPD Hamburg - Presse und Kommunikation -
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