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SPD-Parteitag beschließt neues Bildungsprogramm
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SPD-Parteitag beschließt neues Bildungsprogramm "Chancengleichheit und Leistungsförderung - untrennbar in sozialdemokratischer Bildungspolitik"
Mit einem Bekenntnis zu Leistung, mit der Forderung nach Chancengleichheit und Kritik am Kurs von Bildungssenator Rudolf Lange hat die Hamburger SPD am Sonnabend ihren Landesparteitag Bildung abgeschlossen. Die Delegierten des Landesparteitages verabschiedeten mit großer Mehrheit ein neues Bildungsprogramm. Es sieht unter anderem obligatorische Sprachtests für Fünfjährige vor, fordert eine Pflicht zur Bildung schon in Kindertagesstätten und Vorschule und schreibt die Einführung eines zehnten Schuljahres in Hauptschulen fest. "Wir haben nach über sechs Monaten intensiver Diskussion die Weichen in der Bildungspolitik gestellt. Der Parteitag hat neue Perspektiven für sozialdemokratische Bildungspolitik in der Hansestadt entworfen", sagte der SPD-Landesvorsitzende Olaf Scholz nach Ende des zweitägigen Treffens in Wilhelmsburg. Dazu gehöre auch das Festhalten an einem dreigliedrigen Schulsystem neben den Gesamtschulen.
Scholz und zahlreiche Delegierte übten in der Aussprache heftige Kritik an Bildungssenator Rudolf Lange: "Er setzt auf Ausgrenzung. Er verunsichert Lehrer, Eltern und Schüler. Er streicht Lehrerstellen. Er tut nichts dagegen, dass die soziale Herkunft über den Schulabschluss entscheidet, nicht die Leistungsfähigkeit der Kinder." Während die SPD das Ziel verfolge, Schwächere fördern, heiße es bei Lange "zurück, marsch marsch!"
Scholz kritisierte in diesem Zusammenhang besonders die Schließung der Fachoberschulen. Hier habe der Bildungssenator die Chancen und Hoffnungen von jungen Leuten mit einem Federstrich zunichte gemacht. "Lange will nicht, dass diese Menschen die Chance haben, zu einem besseren Schulabschluss zu kommen. Er betreibt auf diesem Wege eine Auslese, wie ich sie mir für dieses Land nicht mehr hätte vorstellen können."
Das neue SPD-Bildungskonzept betont, bei aller Leistungsorientierung werde für die SPD Chancengleichheit wichtiges und gleichwertiges Ziel bleiben. "Chancengleichheit und Leistungsförderung sind in sozialdemokratischer Bildungspolitik untrennbar miteinander verbunden", sagte Scholz. Schwächeren werde individuelle Hilfe angeboten. "Wir wollen die Schwächeren nicht aufgeben, und hier unterscheiden wir uns von Senator Lange, der die Schwächeren durch den Rost fallen lässt."
Auch in Hauptschulen soll nach einer Regierungsübernahme der SPD bis zur 10. Klasse unterrichtet werden. Menschen sollen in Hamburg einen Rechtsanspruch bekommen, den Hauptschulabschluss nachzuholen. "Das ist das mindeste, was man braucht, wenn man im zukünftigen Berufsleben eine gute Chance haben will." Es sei, so Scholz, "ein Skandal, dass in einem Land wie der Bundesrepublik jährlich tausende junger Menschen die Schule verlassen müssten, ohne irgendeinen Schulabschluss in der Tasche zu haben. Weitere Punkte aus dem Beschluss:
* Die SPD will das Bildungs- und Schulsystem durchlässiger machen. Auch von der Hauptschule muss es einen direkten Weg zum Gymnasium geben - ohne lange Umwege. * Chancengleichheit muss gewahrt sein. Jeder Schüler und jede Schülerin muss - unabhängig vom genauen Verlauf der schulischen Laufbahn - die Möglichkeit haben, das Abitur zu machen. Die Schullaufbahn muss immer den Weg zu höheren Abschlüssen offen halten. Eine frühe Festlegung auf den Bildungsweg und den höchstmöglichen Schulabschluss ist falsch. * Das nur in Deutschland übliche Sitzen bleiben wird durch gezielte und individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern so weit wie möglich vermieden. * An integriertem Unterricht und einem integrierten Schulsystem wird festgehalten. Integrierte Systeme sind unverzichtbar, denn hier wird der Bildungsgang länger offengehalten. Gleichzeitig bleibt das Elternwahlrecht unangetastet. Der Parteitag lehnte eine "Zwangsbeglückung" weiter ab. * Vergleichsarbeiten, zentrale Elemente in Prüfungen und stärkere Standards bei stärkerer Autonomie der Schulen legen die Ziele der Schulen fest. * Im Kampf gegen das Schulschwänzen müssen verschiedene Ansätze verfolgt werden. Auch z. B. der Einzelhandel soll verstärkt in die Pflicht genommen werden. Bußgelder für Eltern sind das letzte von einer ganzen Reihe von Mitteln, um das Schwänzen einzudämmen. * Bildung schon vor Beginn der Grundschule - in den Kindertagesstätten und Vorschulen - sowie eine möglichst gute Förderung von Kindern in der Grundschule sind die Basis für erfolgreiches Lernen während der weiteren Schulzeit. Das betrifft vor allem das Erlernen der deutschen Sprache. * Das Erlernen der deutschen Sprache soll schon vor Beginn der Schullaufbahn gefördert werden. Kinder, die nicht ausreichend gut deutsch sprechen, sollen an einer gezielten Förderung in der Vorschule teilnehmen. * Das Angebot an Ganztagsschulen wird - mit massiver Unterstützung der Bundesregierung - auch in Hamburg erheblich erweitert. Gleiches gilt für die Ganztagsbetreuung in Krippen und Horten. Mehr Zeit zum Lernen und zum Vertiefen des Gelernten sind Schlüssel für bessere Schulleistungen aller Kinder.
Ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen sei wichtiges Element, um Familie und Berufstätigkeit miteinander vereinbaren zu können. Scholz betonte: "Allen Eltern, die beide berufstätig sind, wollen wir einen Ganztagsbetreuungsplatz für ihre Kinder garantieren." Der Bundeskanzler habe im Haushaltsentwurf 2003 umgesetzt, dass in der nächsten Legislaturperiode insgesamt vier Millionen Euro in Ganztagsschulen investiert werden. Für Hamburg bedeute das, dass in den nächsten vier Jahren über 150 zusätzliche Ganztagsschulen entstehen. Scholz verwies darauf, dass der Hamburger Senat mit der Schaffung von drei pro Jahr zufrieden sei.
Scholz sagte abschließend, die bildungspolitische Debatte in der SPD habe wieder begonnen. Sie sei nicht ausschließlich Sache von Experten, sondern habe die gesamte Partei über sechs Monate lang intensiv beschäftigt. Die über 50 Anträge zum Parteitag zeigten darüber hinaus, "dass bei uns die Politik gemacht wird, die wichtig für Hamburg ist. Wir sind die Hamburg-Partei."
Hamburg, den 3. November 2002
Für Rückfragen: Christoph Holstein SPD Hamburg - Presse und Kommunikation -
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Regierung lenkt von eigenem Scheitern ab | Bildungspolitischen Beschlüssen der Hamburger SPD
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