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Die Meistersinger von Nürnberg

D I E   M E I S T E R S I N G E R   V O N   N Ü R N B E R G 

Richard Wagner
Die Meistersinger von Nürnberg

Unterstützt durch die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper

Um Eva zu gewinnen, muss Walther Meistersinger werden. Denn

Pogner, Evas Vater, wird dem Sieger des bevorstehenden Wettgesangs seine Tocher zur Ehe geben. Auch Eva hofft auf Walthers Sieg, doch seine Sangeskunst lässt nichts Gutes hoffen. Und ausgerechnet Sixtus Beckmesser, einer der erfahrensten Meister, ist Walthers Rivale...

INSZENIERUNG: Peter Konwitschny
BÜHNENBILD UND KOSTÜME: Johannes Leiacker
DRAMATURGIE: Werner Hintze
LICHT: Hans Toelstede

Aufführungen:
7. November 2002 17:00 - 23:00 Uhr
13. November 2002 17:00 - 23:00 Uhr
17. November 2002 16:00 - 22:00 Uhr
21. November 2002 17:00 - 23:00 Uhr
27. November 2002 17:00 - 23:00 Uhr
1. Dezember 2002 17:00 - 23:00 Uhr

Ort:
Hamburgische Staatsoper

Preise:
4,- bis 77,- € (A)


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R E Z E N S I O N   V O N   C L A U D I A   G U D E R I A N 

Meistersänger aus der Dürerstadt
Peter Konwitschny zeigt sich in Hamburg in alter Form

von Claudia Guderian

Hamburg. „Wolfgang, weißt du eigentlich, was du da singst? Hörst du dir überhaupt zu?“ unterbrechen die Meister den Sänger Wolfgang Schöne in der Schlußszene der Hamburger „Meistersinger“. Und durch die Reihen der Premierengäste weht ein angenehmer Schauder: Jetzt kommt er doch noch, der erhoffte Konwitschny-Eklat. Die Musik schweigt. Der Hans-Sachs-Sänger hatte gewagt, den Wagner-Text mit seinen deutsch-nationalen Ausblühungen von „Deutscher Ehr“ so vorzutragen, wie er in der Partitur steht.
Man spürt die Seelenqualen des Regisseurs bei diesen Worten; und so erläutert er sie geschickt im Dialog der Meister, verweist auf Wurzeln und Umgang mit der eigenen Tradition, und flugs ist eine neue Sprachregelung gefunden, der auch die Forderung nach political correctness nichts anhaben kann.
„Ich hätte ja längst einen anderen Text genommen, aber wir haben leider keine dritte Strophe, wie beim Deutschlandlied!“, rechtfertigt sich Hans Sachs alias Wolfgang Schöne alias Peter Konwitschny. Als auch noch das Publikum lautstark in die Diskussion mit einsteigt, ob man das noch sagen oder singen dürfe, ergreift schließlich Ingo Metzmacher das Mikrophon und dirigiert „ab 190 mit Auftakt“ die Oper nach fast sechs Stunden zu Ende.
Damit ist Konwitschnys geglücktestes Regiewerk an der Hamburgischen Staatsoper seit „Herzog Blaubarts Burg“ zu einem guten Ende gekommen. Seit seiner Acis-und-Galathea-Inszenierung in Bad Lauchstädt 1986 in habe ich ihn nicht so entspannt und vergnüglich auf höchstem Niveau blödeln gesehen. Dazu bieten sich die „Meistersinger“ auch an, sind doch die deutschsprachigen Opernlibretti nicht eben für ihre augenzwinkernd selbstironisch verspielte Komik bekannt.
Auch in den „Meistersingern“ ist dies natürlich nur die Maske der Spießbürgerlichkeit, hinter der, welterlösend wie Parsival, der geniale Barde Wagner selbst hindurchschimmert und sich in der Gestalt des Stolzing ein Denkmal verpaßt. Doch dieses Geschehen locker in Szene zu setzen, die kunsteifrigen Handwerker als seriöse, tüchtige Techniker mit Sinn für die Bewahrung einer guten Tradition zu sehen und nicht nur als hoffnungslos beckmessernde Verseschuster, das ist ein Verdienst Konwitschnys, und es macht die Reise nach Hamburg allemal lohnenswert.
Dabei kann er auf ein Riesenensemble von Rollendebütanten zurückgreifen, die allesamt so auf der Bühne agieren, als seien sie dort und in dem Stück zuhause und hätten von Schauspielerei noch nie gehört: Ein als junger Rauschgold-Dürer in braunen Wallelocken und Bärtchen kostümierter Stolzing (John Treleaven, der mit geschmackssicherer, schlanker Stimme und pfeilgerader Projektion bestach), eine in Stimme und Figur mädchenhaft-gertenschlanke Eva (Anja Harteros, die nächstes Jahr ihr Met-Debüt feiert), ein väterlich-kunstsinniger Hans Sachs (Wolfgang Schöne), der sich trotz angekündigter Indisposition blendend behauptete, und vor allem ein Beckmesser (Hans-Joachim Ketelsen mit Theo-Lingen-Mittelscheitel), der seiner Rolle nicht nur die beckmesserischen („Fanget an!“), sondern auch die tragischen Seiten glaubhaft zu machen verstand, dazu das große Heer der Solisten, das eine hervorragende Ensembleleistung abgab.
Konwitschny setzt ganz auf ein neues Traditionsverständnis, und er tut gut daran. Im Zeichen Dürers steht nicht nur die Physiognomie Stolzings, auch das Bühnenbild zitiert den großen Nürnberger von Anfang an: Mit zwei Ritterbildern als Prospekt im ersten Akt, mit einem mittelalterlichen Nürnberg-Gemälde im zweiten, und mit Dürers „Herbarium“ als Riesenprojektion im dritten Akt auf der Festwiese, was so geschmackvoll ist wie selten und das Auge immer wieder zum geschmackvollen Weiden einlädt (Bühne und Kostüme: Johannes Leiacker). Überflüssig dagegen ist die dämliche Kostümierung sämtlicher Meister in grünem Bratenrock und Baskenmütze mit angeschneiderter Perücke als Richard-Wagnerleins, aber sie stört nicht. Die Stunden, in denen der Opernbesucher einfach nur dasitzt, die Vorstellung genießt und (durchaus hintergründig) herzlich lacht, überwiegen dagegen - immerhin hat man sich gut sechs Stunden für diese Vorstellung freizuhalten. Das Philharmonische Staatsorchester unter seinem Chef Ingo Metzmacher spielt zuverlässig und präzise, doch hätte man sich oft den Bayreuther Schalldeckel über dem allzu laut die Sänger übertönenden Orchester gewünscht.

Claudia Guderian


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