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Veranstaltungen im HIS im Januar 2003

Veranstaltungen im HIS im Januar 2003

InstitutsMontag am Montag, 6. Januar 2003, 20 Uhr

Dr. Ulrich Bielefeld: *Unterdrückte Panik"

Die alte Bundesrepublik war ein relativ kleiner aber ökonomisch relativ
starker Nationalstaat innerhalb der Europäischen Union. Gemeinsam mit
Frankreich konnte sie europäische Politik formulieren und durchsetzen.
Die neue Bundesrepublik ist im Vergleich relativ groß, ökonomisch aber
relativ schwach. Kaum ein souveräner Staat waren die klassischen Formen
der Selbstbestimmung nicht mehr durchzusetzen. Zwar waren die Grenzen
nun relativ eindeutig, eine Grenzkontrolle aber nur innerhalb der
Europäischen Union möglich; zwar konnte man bestimmen, wer
dazugehören sollte, die stattgefundenen Einwanderungsprozesse und die
ökonomischen Anforderungen aber ließen wenig Spielraum; zwar konnte man
eine einheitliche Verwaltung über das vergrößerte Gebiet errichten, aber
die ökonomischen Kräfte zur Eingliederung der ehemaligen DDR wurden und
werden dabei sehr strapaziert und es sind keineswegs einheitliche
Lebensbedingungen erreicht.
Mit Globalisierung und Transnationalisierung öffnet sich die
Gesellschaft, ihre immer schon vorhandenen nicht nationalen Teile werden
gestärkt. Neue Unsicherheiten kommen zu den alten sozialen hinzu und in
der Gesellschaft werden Zeichen sichtbar, die sich als Äußerungsformen
einer meist verdeckten Panik des Mittelstandes deuten lassen.

Dr. Ulrich Bielefeld ist Leiter des Arbeitsbereichs *Nation,
Ethnizität, Fremdenfeindlichekei" am Hamburger Institut für
Sozialforschung.

Moderation: PD Dr. Bernd Greiner



Vortrag am Donnerstag, 9. Januar 2003, 20 Uhr

Avi Rybnicki: Die Rückkehr der Verdrängten.
Einige Gedanken zum israelisch-arabischen Konflikt

Im israelisch-arabischen Konflikt bringen sich fast jeden Tag Israelis
und Palästinenser um. Die existentielle Radikalisierung eines Kampfes
auf Leben und Tod leugnet die Tatsache, dass beide Kollektive eine
Gemeinsamkeit haben - eine aus jeweiligen Traumata resultierende
Existenzangst. Der Vortrag beleuchtet aus der persönlichen Perspektive
eines selbst von dieser Konstellation betroffenen Psychoanalytikers die
seelischen Vorgänge einzelner Individuen sowie Motive und Beweggründe
der beiden in den Konflikt verwickelten Parteien. Die Tragik der
Auseinandersetzung und die oft selbstzerstörerischen Verhaltensweisen
werden unter dem Gesichtspunkt der Freudschen Begriffe "Rückkehr des
Verdrängten" und "Wiederholungszwang" interpretiert.


Aus der traumatischen Rolle, die die Shoah in der israelischen
Identität einnimmt, wird der Andere stets als Aggressor gesehen und
die eigene Aggression als Notwehr begriffen. Ähnliches gilt für die
Palästinenser. Für sie hat die *Nakbha", insbesondere die
Vertreibung, eine kaum weniger prägende Wirkung. Auch sie identifizieren
den Anderen ausschließlich als Aggressor und leiden unter einer geringen
Selbsteinschätzung. Im hundert Jahre währenden Konflikt können beide
Seiten kaum verstehen, warum sie sich von der jeweils anderen bedroht
fühlen. Diese Konstellation macht es für den Einzelnen sehr schwer,
seine Individualität im Sog der Gruppenidentität und ihrer
unverarbeiteten Traumatisierungen zu finden.

Avi Rybnicki ist Klinischer Psychologe, Psychoanalytiker (IPV) und
korrespondierendes Mitglied der an Jacques Lacan orientierten
*Assoziation für die Freudsche Psychoanalyse". Er arbeitet in
freier Praxis, ist Ausbildungslehrbeauftragter des Israelischen
Psychoanalytischen Instituts, Lektor im Programm für psychoanalytische
Psychotherapie der Bar-Ilan-Universität in Tel Aviv und Leiter des
dortigen *Freudian-Jaffa-Zentrum für Psychoanalyse und Kultur".

Moderation: Dr. Wolfgang Kraushaar, Historiker und Politologe;
Mitarbeiter im Arbeitsbereich *Die Gesellschaft der Bundesrepublik".



Für beide Veranstaltungen gilt:
Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung,
Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: frei


______________________________
Hamburger Institut für Sozialforschung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mittelweg 36
D - 20148 Hamburg


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