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ISSN 1610-0611
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Trinkwasser als Ware?

Trinkwasser als Ware?

NABU lehnt Privatisierung der Hamburger Wasserwerke entschieden ab

Der NABU Hamburg lehnt die vom Senat geplante Privatisierung der Hamburger
Wasserwerke (HWW) entschieden ab. Die Trinkwasserversorgung muss nach
Ansicht des NABU in staatlicher Hand verbleiben, da Wasser existenziell
notwendig für die Grundversorgung der Menschen ist. Außerdem gewährleiste
die öffentliche Wasserversorgung den Schutz der Natur in den
Wasserfördergebieten. Die Privatisierung ehemals staatlicher Wasserwerke,
wie z.B. in England, zeige, dass das Trinkwasser danach erheblich an
Qualität eingebüßt hat und teurer geworden ist. Der NABU fordert daher den
Hamburger Senat auf, die Hamburger Wasserwerke nicht zu verkaufen.

„Der Hamburger Senat riskiert mit der Privatisierung ganz bewusst englische
Verhältnisse in Hamburg“, sagt Stephan Zirpel, Geschäftsführer des NABU
Hamburg, „wir rechnen infolge einer Privatisierung der HWW mit schlechter
Trinkwasserqualität und höheren Preisen für die Hamburger Verbraucher.“ Der
NABU sieht in dem Gedanken, Wasser als marktgängige Ware einzuführen und
den Gesetzen des Wettbewerbsmarktes auszusetzen, eine kaum abweisbare
Gefahr für die Einhaltung der zurzeit sehr hohen Trinkwasserqualität.
Zirpel: „Nur eine öffentliche Wasserversorgung ist bestrebt, die
Schadstoffbelastung unseres Trinkwassers weit unterhalb der Grenzwerte zu
minimieren. Nur sie ist verbraucherfreundlich.“ Die privaten
Wasserversorger würden dagegen eine Schadstoffbelastung bis an die
Grenzwerte zulassen, um Kosten zu sparen. „Wir befürchten außerdem, dass
auch der Anspruch an einer nachhaltigen Wasserversorgung, von denen auch
die kommenden Generationen profitieren, sehr stark leiden wird“, so Zirpel,
„denn die privaten Wasserversorger werden nur das Ziel der maximalen
Gewinnausschüttung verfolgen und nicht zukunftsträchtig in das
Versorgungsnetz investieren.“ Diese Befürchtung sei in England schon heute,
13 Jahre nach der Privatisierung der Wasserversorgung, eingetreten.
Der NABU betont, dass die deutschen Wasserversorger vielfach aktive
Gewässerschützer sind. Durch Flächenkäufe in Wassergewinnungsgebieten,
durch Auflagen für extensive oder sogar ökologische Landwirtschaft auf
eigenen Flächen und durch Ausgleichszahlungen an Landwirte, die
Gewässerschutz aktiv praktizieren, tragen sie zum Schutz unserer Natur bei.
Eine private Wasserversorgung nach rein wirtschaftlichen Kriterien hätte
demnach nicht nur für die Menschen, sondern auch für Tiere und Pflanzen
fatale Folgen. „Wir fordern daher den Senat auf, sofort öffentlich von der
Privatisierung der Hamburger Wasserwerke Abstand zu nehmen“, verlangt
Zirpel, „diese Schnapsidee gehört endgültig in den Papierkorb.“

Bernd Quellmalz (V.i.S.d.P.)
Pressesprecher
Naturschutzbund Deutschland (NABU)
Landesverband Hamburg e.V.

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