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GEW-Konferenz: Qualität im Bildungswesen

GEW-Konferenz: Qualität im Bildungswesen
GEW fordert Qualitätsoffensive in der Bildung

Berlin – Eine "Qualitätsoffensive und einen zweiten Anlauf in der Bildungsreform" forderte die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange zum Auftakt einer Bildungskonferenz in Berlin.

Ein Jahr nach der Veröffentlichung der ernüchternden PISA-Ergebnisse für Deutschland legte die Bildungsgewerkschaft zehn Thesen zur Qualität im Bildungswesen" (QuiB) vor. Mit ihrer Ta-gung, die von Bundespräsident Johannes Rau, Bundesbildungsminis-terin Edelgard Bulmahn und dem DGB-Vorsitzenden Michael Sommer eröffnet wird, wolle die GEW "mehr Druck in die bildungspoliti-sche Qualitätsdebatte" bringen, erläuterte Stange. Ausgangspunkt einer "neuen Bildungsreform" müsse der Auftrag des Grundgesetzes sein: Die Gewährleistung des Rechts auf Bildung und Ausbildung für alle und die Herstellung von Chancengleichheit und gleichen Lebensbedingungen.

Dazu müsse das deutsche Bildungswesen vor allem von einem "über-holten Kastendenken befreit" werden, verlangte die GEW-Vorsitzende. Stange wörtlich: "Wir müssen uns endlich von den drei Begabungsdienstgraden, den praktisch, den kaufmännisch und den theoretisch Begabten, verabschieden." Die Vorstellung, "die einen für die Fabrik, die anderen fürs Büro und die dritten für die Universität, sei der Ausdruck eines "Dogmas, das nur die Funktion habe, junge Menschen auszusortieren und das Bildungssys-tem gegen demokratische Reformen zu tabuisieren". Damit müsse Schluss gemacht werden. "Ein theoretisch nicht begabter
Gas-, Wasser- und Heizungsinstallateur wäre für die Gesellschaft ebenso katastrophal wie ein praktisch unbegabter Chirurg", sagte Stange.
Das Festhalten an der "Auslesefunktion der Schule" trage zur Spaltung der Gesellschaft bei und werde von jenen betrieben, die Angst um ihren Sozialstatus hätten.

Ebenso müsse der "Gleichschritt" aus dem Bildungswesen verbannt werden. Im Gleichschritt könne man zwar "marschieren, vielleicht auch singen, aber niemals lernen", erläuterte die GEW-Vorsitzende.

Das Lernen sei ein höchst individueller Vorgang. Deshalb müsse in den Mittelpunkt des Lernprozesses die individuelle Förderung von Anfang an gestellt werden. Nur auf diesem Wege könne das deutsche Bildungssystem international vergleichbar hohe Quoten an Absol-venten mit qualifizierten Abschlüssen hervorbringen.

Doch für ein derart grundsätzliches Umdenken in der deutschen Bildungspolitik seien keine Anzeichen zu erkennen. Es gäbe noch immer keine Perspektive, "wo Deutschland in zehn Jahren bildungs-politisch angekommen sein will", stellte die GEW-Vorsitzende fest. Bisher seien lediglich "Reparaturmaßnahmen" bekannt. Eine "bildungspolitische Linie für bessere Zeiten in Kindergärten, Schulen, Hochschulen und der Weiterbildung" fehlte bislang.

Im Gegenteil, die "anfängliche Betroffenheit und die vielen gut gemeinten Absichten" könnten zu "Lippenbekenntnissen verkommen", befürchtet Stange. Der Umgang der Bundesländer mit dem "Ganz-tagsschul-Programm" der Bundesregierung werde deshalb zur Nagel-probe für die "Ernsthaftigkeit", im Bildungswesen tatsächlich mehr Qualität sichern zu wollen.
"Wenn es die Länder nur darauf anlegen, die Bundesmittel zu nut-zen, um Haushaltslöcher zu schließen, wird es weder mehr Ganz-tagsschulen noch mehr Qualität geben", stellte die GEW-Vorsitzende fest.
Stange appellierte an Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD), in dieser Frage hart zu bleiben und kündigte dabei die Un-terstützung der Bildungsgewerkschaft an.

Voraussetzung für eine bessere Qualität sei vor allem auch eine "neue Lehr- und Lernkultur". Dazu gehöre auch, dass Lehrende mehr Zeit für den persönlichen Kontakt zu den Lernenden erhalten.

Politik, Verwaltung und Bildungseinrichtungen brauchten Menschen, die bereit seien, Verantwortung für die Ergebnisse ihrer Arbeit und Entscheidungen zu übernehmen. Dies gelinge aber nur mit Men-schen, die "respektvollen Umgang, Wertschätzung in ihrer Profes-sion und Motivation erfahren". Mit einem solchen Personal könne dann auch eine "wohldosierte Selbstständigkeit der Bildungsein-richtungen" praktiziert werden. Diese müsse "Lust auf Innovation, nicht aber Frust auf Konkurrenz und Überforderung" verbreiten.

Grundlage für all dies sei aber eine "Bildungsphilosophie des re-spektvollen fördernden Umgangs" miteinander. Auch hier gelte es, von Finnland zu lernen. Deren Grundüberzeugung sei: "Alle werden gebraucht. Niemand wird zurückgelassen oder beschämt".





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13. Dezember 2002


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