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Schlechtes Berufsimage / Lehrermangel

GEW-Vorsitzende Stange:
„Schlechtes Berufsimage – verantwortlich für Lehrermangel?"

Frankfurt am Main –
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) rechnet mit einem anhaltenden Mangel an qualifiziertem Lehrernachwuchs in den Schulen. Schuld daran seien unter anderem die schlechten Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen für junge Lehrerinnen und Lehrer und das schlechte Berufsimage, erklärte die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange.

Angesichts des internationalen Weltlehrertages am 5. Oktober forderte Stange die Landesregierungen auf, alles zu tun, um "das Image des Lehrerberufes aufzuwerten und den Arbeitsplatz Schule wieder attraktiv zu machen". Wörtlich sagte Stange: "Wir brauchen die besten und motiviertesten jungen Menschen als Pädagoginnen und Pädagogen in Kitas und Schulen, wenn wir wieder an internationalen Standards in der Qualität von Bildung anknüpfen wollen."

Das Interesse an einem Lehramtsstudium müsse wieder gesteigert werden, forderte die GEW-Vorsitzende. Derzeit reichten die aktuellen Zahlen bei den Anfängern eines Lehramtsstudiums nicht aus, den Lehrerbedarf zu decken, der durch den Generationswechsel bei den Pädagogen entstehe. Bei einem jährlichen Einstellungsbedarf von nahezu 35.000 Lehrerinnen und Lehrern würden nur etwa 25.000 Studierende pro Jahr ein Lehramtsstudium aufnehmen.
"Erst wenn es in Deutschland wieder normal ist, Achtung vor Lehrerinnen und Lehrern und Anerkennung vor ihrem Beruf zu zeigen, haben wir eine Chance, die Besten für diese Aufgabe zu gewinnen".

Zugleich warnte Stange die Landesregierungen davor, "trotz der PISA-Erkenntnisse Bildungspolitik weiterhin mit dem Rotstift zu schreiben". Sie bezeichnete es als "schier unfassbar", dass einige Länder angesichts des "PISA-Desasters für Deutschland" noch immer Bildungsabbau betrieben.

Vor allem die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg, aber auch viele Flächenstaaten hätten unter anderem deutliche Arbeitszeitverlängerungen für die Lehrkräfte und einschneidende Sparmaßnahmen in Kindergärten und Schulen angekündigt.


In diesem Zusammenhang erinnerte die GEW-Vorsitzende an die „gemeinsame Erklärung“ der Kultusministerkonferenz und der Lehrerorganisation vom Oktober 2000. In dieser Erklärung hatten sich die Kultusminister, die GEW und andere Lehrerverbände zur gemeinsamen Verantwortung für die Schule bekannt. Dort heiße es u. a.: „Es ist Verpflichtung und Verantwortung von Bildungspolitik und Bildungsverwaltung für Lehrerinnen und Lehrern die erforderlichen Rahmenbedingungen zu sichern, damit sie den hohen Erwartungen gerecht werden können.“
Angesichts der dramatischen Verschlechterung im Bildungsbereich in einer Vielzahl von Bundesländern klinge dies „wie Hohn in den Ohren der Lehrkräfte“.

Stange forderte die Kultusminister auf, sich in ihren Landesregierungen gegen weitere Einsparungen in der Bildungspolitik und Verschlechterung der pädagogischen Arbeitsbedingungen in Kindergärten und Schulen zu wehren. Stattdessen sollten Konzepte für die Umsetzung von Reformen gemeinsam mit den Bildungs- und Lehrerorganisationen entwickelt werden.

Wörtlich sagte Stange: „Die Rettung des Bildungssystems ist nur mit und nicht gegen die Lehrkräfte zu schaffen. Es ist deshalb höchste Zeit, dass sich die Kultusminister ihrer Verpflichtung bewusst werden und sich als oberste Dienstherren vor ihr pädagogisches Personal stellen.“ Der internationale Weltlehrertag sei hierzu ein geeigneter Anlass.

Der internationale Weltlehrertag wurde am 5. Oktober 1994 von der UNESCO ins Leben gerufen. Ihm liegt eine "Empfehlung über die Stellung des Lehrpersonals" zugrunde, die eine Konferenz der UNESCO und der ILO am 5. Oktober 1966 in Paris angenommen hatte.
Der internationale Weltlehrertag soll weltweit an die Rolle der Pädagoginnen und Pädagogen in der Erziehung und Ausbildung der jungen Generation und den Beitrag des Berufsstandes zur Entwicklung der Gesellschaften erinnern. Der diesjährige Weltlehrertag steht unter dem Motto: "Dialog ist unser täglich Brot".


Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
Pressestelle
(
5. Oktober 2002: Weltlehrertag)


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