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ISSN 1610-0611
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11.11.02 CASTOR-Alarm


CASTOR-Alarm!
ROBIN WOOD-AktivistInnen unterstützen Widerstand im Wendland

Voraussichtlich heute Abend wird ein CASTOR-Zug von der Plutoniumfabrik in
La Hague losfahren, um seine giftige Fracht ins Atommülllager nach Gorleben
zu bringen. Mit zwölf Behältern vom Typ CASTOR HAW 20/28 CG wird dies der
größte Transport aus Frankreich sein, den es je gegeben hat. ROBIN WOOD
fordert erneut, den Transport wegen des Skandals um nicht-bruchsichere
Behälter abzusagen. Außerdem kritisiert die Umweltorganisation die massive
Einschränkung von Grundrechten sowie das Demoverbot entlang der Strecke im
Wendland.

"Tausende Menschen haben am vergangenen Wochenende friedlich gegen den
bevorstehenden CASTOR-Transport ins Wendland demonstriert. Gewaltprognosen,
wie sie die Bezirksregierung Lüneburg abgegeben hat, haben sich als
Verunglimpfung der Protest-Bewegung erwiesen", so Jürgen Sattari,
Vorstandssprecher von ROBIN WOOD. "Auch AktivistInnen von ROBIN WOOD
unterstützen gewaltfrei den Widerstand vor Ort."

Triftige Gründe für den Protest gibt es allemal. Kürzlich war bekannt
geworden, dass die Berechnungen zur Störfallsicherheit der CASTOR-Behälter
grobe Fehler aufweisen. Damit ist zweifelhaft, ob die Behälter bei einem
Sturz tatsächlich dicht halten. Würden die Behälter undicht, könnte dies
verheerende Folgen haben. Denn in jedem Behälter steckt rund ein Fünftel des
radioaktiven Inventars, das bei der Katastrophe von Tschernobyl Menschen und
ganze Landstriche auf Jahrzehnte verseucht hat.

Anstatt Transporte mit den Risiko-Behältern zu stoppen, reagierten die
Behörden auf die falschen Sicherheitsnachweise mit Flickschusterei. Fortan
dürfen die Behälter im Zwischenlager maximal 25 Zentimeter angehoben werden,
was einer Aufprallgeschwindigkeit von vier Kilometern pro Stunde entspricht.
Außerdem müssen im Umkreis des Abladekrans Holzstoßdämpfer ausgelegt werden.
Politiker und Behörden wissen, dass dies bestenfalls ein Provisorium ist. So
räumte Niedersachsens Umweltminister Jüttner ein, die eingeleiteten
Nachbesserungen seien nur als "vorübergehende Maßnahme des Betreibers" zu
betrachten, bis weitere Prüfungen abgeschlossen seien.

Nach Angaben von Jüttner war dem Bundesamt für Strahlenschutz bereits im
vergangenen Jahr bekannt, dass die Methodik für die Störfallberechnungen
nicht mehr dem Stand von Wissenschaft und Technik entspräche. Zeit genug, um
Konsequenzen auch für den Transport der Behälter zu ziehen. Doch
Fehlanzeige. Der Zug mit dem Strahlenmüll wird wie im vergangenen Jahr mit
einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 80 Kilometer pro Stunde durch Städte
und Dörfer in Frankreich und Deutschland rasen. Kein Experte kann glaubhaft
versichern, dass bei einem Unfall Menschen und Umwelt nicht verstrahlt
würden. Denn die Sicherheit der Behälter existiert allenfalls auf dem
Papier. Tests in der Realität hat es nie gegeben.

Informationen zum CASTOR-Transport auch unter:
http://www.robinwood.de/CASTOR

Dannenberg und Hamburg, den 11.11.02


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