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ISSN 1610-0611
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Starker Protest gegen Castor-Transport

Starker Protest gegen Castor-Transport

„Die Auseinandersetzung um die Atomenergie ist noch lange nicht vorbei“

Gorleben/Dannenberg. Kurz nach Einfahrt des bislang größten Castor-
Transports haben AtomkraftgegnerInnen eine positive Bilanz der Proteste gezogen.
„Es ist mehr als deutlich geworden, dass der Widerstand hier in Gorleben und auch
überregional quicklebendig ist,“ erklärte Sören Janssen, Pressesprecher der
Inititiative X-tausendmal quer. Trotz Demonstrationsverbot und einer übermächtigen
Polizeipräsenz habe es so viele Aktionen wie lange nicht gegeben. „Die
Auseinandersetzung um die Atomenergie ist noch lange nicht vorbei,“ so Janssen.

Allein der Schienentransport sei durch Proteste fast 6 Stunden verzögert worden.
Durch die Sitzblockade bei Laase mit über tausend TeilnehmerInnen sei die
Straßentransportstrecke an einem noralgischen Punkt für mehr als 5 Stunden
blockiert worden. „Es ist jedoch nicht wichtig, wieviele Minuten der Transport
braucht oder verzögert wird, sondern wieviele Menschen Zivilcourage gegen eine
verantwortungslose Atompolitik zeigen,“ erklärte Sören Janssen von X-tausendmal
quer. Kreativ, entschlossenen und mit viel Humor hätten mehrere tausend Menschen
gezeigt, dass der Widerstand im Wendland ungebrochen ist. „Es ist wieder einmal
klar geworden: Der so genannte Atomkonsens ist kein gesellschaftlicher Konsens.“
Mehr als 10.000 PolizistInnen seien notwendig gewesen, um diesen Transport gegen
die Bevölkerung durchzusetzen. „Über mehrere Wochen wurde wieder einmal über eine
ganze Region der Ausnahmezustand verhängt, es wurden Grundrechte massiv
eingeschränkt und Protest kriminalisiert," erklärte Sören Janssen.

Massive Kritik übten die AtomkraftgegnerInnen an der Polizeiführung: „Die
Polizeiführung hat ihrem Motto „gut, dass wir auch anders können“, alle Ehre
gemacht - sie hat gezeigt, dass sie vielleicht anders kann, aber nicht anders
will, als den legitimen und gewaltfreien Protest von tausenden Menschen zu
diffamieren und zu kriminalisieren,“ erklärte Janssen. Dabei sei dem Einsatzleiter
Rheime offenbar jedes Mittel recht. Mehrfach habe die Polizei falsche
Informationen verbreitet und bewusst erfundene Ereignisse zur politischen
Bewertungsgrundlage gemacht. Janssen warf der Einsatzleitung erneut gezielte
Irreführung der Öffentlichkeit vor.

Kritik übten die AtomkraftgegnerInnen auch an Bundesumweltminister Trittin. Er
hatte „Verständnis für die Anti-Atom-Demonstranten“ geäußert und dies mit einer
möglichen Festlegung auf ein Endlager in Gorleben begründet. „Das Endlager ist ein
Grund gegen die Castor-Transporte zu sein, der Weiterbetrieb von Atomanlagen ist
aber der grundsätzlichere.“ Janssen warf Trittin vor, keinen wirklichen Ausstieg
aus der Atomenergie erwirkt zu haben. Die Atompolitik der Bundesregierung sichere
nur die Profitinteressen der Atomkonzerne, erklärte Janssen.

„Die kreativen und entschlossenen Aktionen der letzten Tage machen Mut, für die
weiteren Auseinandersetzungen, die uns noch bevorstehen,“ erklärte Jochen Stay,
langjähriger Anti-Atom-Aktivist aus dem Wendland. „Wir werden nicht aufgeben,
sondern uns erneut querstellen, wenn wieder ein Castor rollt. Die
Auseinandersetzung um die Atomenergie und die Atommülllager in Gorleben sind
längst nicht ausgestanden,“ so Stay. „Wir werden einen langen Atem brauchen und
wir haben wieder einmal bewiesen, dass wir den haben, so Stay. Wieder einmal
heisst es jetzt im Wendland: Nach dem Castor ist vor dem Castor.



- Sören Janssen (Pressesprecher)
- Rasmus Grobe (Pressesprecher)
x1000malquer
bw10 (14.11.2002 d)


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