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Erdogan in Berlin - Bundestagsabgeordnete sollen EU-Beitritt der Türkei blockieren
GESELLSCHAFT FÜR BEDROHTE VÖLKER OFFENER BRIEF...Berlin/ Göttingen, 19. 11. 2002 An die Abgeordneten des Deutschen Bundestages
Recep Tayyip Erdogan in Berlin erwartet Verfolgung und Vertreibung beenden! Blockieren Sie den EU-Beitritt der Türkei! Zustimmung von Kanzler Schröder ist Schlag gegen demokratisches Europa!
Sehr geehrte Damen und Herren, heute wird der Vorsitzende der regierenden Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung in der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, zu einem Gespräch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin erwartet.
Mit Erschrecken beobachtet die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), dass die vier deutschen parteinahen Stiftungen - die Konrad-Adenauer-, die Friedrich-Ebert-, die Friedrich-Naumann- und die Heinrich-Böll-Stiftung - durch Behörden und Justiz der Türkei politisch verfolgt werden. Dieses willkürliche Vorgehen eines europäischen Landes, Mitglied der NATO, der OSZE und des Europarates, verhöhnt alle demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien der Europäischen Gemeinschaften.
Unter diesen Umständen erscheint es nicht verwunderlich, dass Frau Leyla Zana, ein demokratisch gewähltes kurdisches Mitglied des türkischen Parlaments, seit acht Jahren im Staatsgefängnis in Ankara sitzt. Die "Verbrechen" Ihrer europäischen Kollegin: Mit einem Haarband in den kurdischen Farben Grün-Rot- Gelb leistete sie ihren Eid auf die türkische Verfassung auch in kurdischer Sprache. Der Staatsanwalt forderte die Todesstrafe. Frau Zana erhielt 15 Jahre Gefängnis. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte belegte die Türkei wegen der zu Unrecht erfolgten Verurteilung von Leyla Zana und ihrer Kollegen zu einer Strafe von 700 000 Euro.
Noch in Freiheit hatte die Abgeordnete internationale Medien über die Zerstörung der Kurdenregion der Türkei und die Zwangsumsiedlungen informiert. Anfang November 2002 hat unsere Menschenrechtsorganisation eine Kampagne für die Rückkehr dieser 2,5 Millionen kurdischen Vertriebenen und den Wiederaufbau ihrer 3.428 zerstörten kurdischen Dörfer in der Türkei begonnen. Es ist eine unerträgliche Provokation europäischer Humanität, dass in einem europäischen Land Hunderttausende Kinder am Rande der Großstädte in Notquartieren und Bretterverschlägen hausen, hungern und arbeiten müssen, keine Schulen besuchen können und so gut wie keine medizinische Betreuung erhalten.
Angesichts dieser Situation halten wir die Politik des Bundeskanzlers, die T ürkei in die EU holen zu wollen, für einen Schlag gegen das demokratische Europa. Wir bitten die Mitglieder des Deutschen Bundestages dringend, die Aufnahme der Türkei in die EU so lange zu blockieren, bis die Verfolgung der deutschen parteinahen Stiftungen eingestellt wird, Ihre Parlamentskollegin Leyla Zana ihre Freiheit erhält und der türkische Nationale Sicherheitsrat die R ückkehr seiner 2,5 Millionen vertriebenen kurdisch-stämmigen Bürger und den Wiederaufbau ihrer Dörfer endlich zulässt.
Wir beenden unser Schreiben mit der Bitte: Laden Sie Frau Leyla Zana in den Bundestag ein und erlauben Sie ihr, zu Ihnen zu sprechen.
Mit freundlichen Grüßen gez. Tilman Zülch, Generalsekretär
------------------------------------------------- OFFENER BRIEF...Berlin/ Göttingen, 19. 11. 2002
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