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ISSN 1610-0611
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Fritz-Bauer-Preis der HU für Dieter Schenk.

Fritz-Bauer-Preis der HU für Dieter Schenk.
HUMANISTISCHE UNION ehrt Publizisten und Polizeiexperten.



Die Bürgerrechtsorganisation HUMANISTISCHE UNION (HU) verleiht den
Fritz-Bauer-Preis für herausragendes Engagement um Demokratie und
Bürgerrechte an den Publizisten, Forscher und Polizeiexperten Dieter Schenk.
Ort und Zeitpunkt der Preisverleihung stehen noch nicht fest; hierzu wird
gesondert eingeladen.

Der frühere Kriminaldirektor im Bundeskriminalamt Dieter Schenk (geb. 1937)
war nach langjährigem Polizeidienst u.a. Berater des Auswärtigen Amtes zur
Sicherheit des diplomatischen Dienstes im Ausland. 1989 schied er auf
eigenen Antrag aus dem Polizeidienst aus. Als freier Publizist arbeitet er
seither zu Themen der Inneren Sicherheit, der Menschenrechte und des
Nationalsozialismus und schrieb hierzu Sachbücher, Romane, Jugendbücher,
Drehbücher und Hörspiele, Kommentare und Aufsätze. Basierend auf großem
Sachwissen und geradezu kriminalistischer Recherche forscht er zum
Schwerpunkt Nationalsozialismus und dessen Kontinuitäten bis heute.

Maß gebend für die Entscheidung der HU, Dieter Schenk auszuzeichnen, sind
seine Verdienste im Geiste ihres Mitbegründers, des früheren hessischen
Generalstaatsanwaltes Dr. Fritz Bauer (1903-1968), sein ausgeprägtes Gespür
für und sein entschiedenes Engagement gegen institutionelle und personelle
Kontinuitäten zum Nationalsozialismus in der Entwicklung der bundesdeutschen
Sicherheitsorgane. Hiermit führt Dieter Schenk ein Anliegen und eine Aufgabe
fort, die zentrale Elemente der beruflichen und politischen Existenz Fritz
Bauers gewesen sind.

Dieter Schenk hat das BKA im Jahre 1989 wegen unüberbrückbarer Gegensätze
verlassen, insbesondere wegen der behördlichen Ignoranz gegenüber
Menschenrechtsverletzungen in Folterregimen. In drei Bänden beschrieb er
seitdem eine minutiös dokumentierte Geschichte des Bundeskriminalamtes: Dem
Tatsachenroman "BKA - Die Reise nach Beirut". (1990) folgten: "Der Chef
Horst Herold und das BKA" (1998) und "Auf dem rechten Auge blind Die
braunen Wurzeln des BKA" (2001) zum Aufbau der Behörde durch Vasallen des
NS-Staates. Mit diesen Büchern hat sich Dieter Schenk beim BKA unbeliebt
gemacht; trotz Genehmigung durch den Bundesminister des Innern Otto Schily
erhielt der Autor keine Akteneinsicht im BKA.

Darüber hinaus erwarb Dieter Schenk große Verdienste um die Förderung der
polnisch-deutschen Beziehungen durch die Aufklärung und historische
Aufarbeitung des Leides und des Unrechts, das dem polnischen Volk durch den
kriminellen NS-Staat und seine Sicherheitsorgane zugefügt worden waren.

Aus dem engen Kontakt Dieter Schenks zu polnischen Archiven und
Gewährsleuten entstanden seine Bücher "Die Post von Danzig - Geschichte
eines deutschen Justizmordes" und die hierdurch erreichte Rehabilitation
polnischer Widerstandskämpfer vor deutschen Gerichten sowie "Hitlers Mann in
Danzig Gauleiter Forster und die NS-Verbrechen in Danzig-Westpreußen"
(2000). Für seine Aufklärungsarbeit im Interesse der Versöhnung und eines
Miteinander beider Länder und Völker wurde er in Polen und in Deutschland
mehrfach mit hohen Auszeichnungen geehrt. Seit 1998 ist Schenk
Honorarprofessor an der Universität Lodz mit einem Lehrauftrag für
Geschichte des Nationalsozialismus. Nach Günter Grass (1997) gewinnt die
HUMANISTISCHE UNION in Dieter Schenk einen weiteren Träger des
Fritz-Bauer-Preises, mit dem die besonderen Bemühungen und Verdienste um die
Verständigung mit dem polnischen Nachbarvolk gewürdigt werden.

Der ideelle Bürgerrechtspreis wird im Gedenken an Dr. Fritz Bauer, den 1968
verstorbenen hessischen Generalstaatsanwalt und Mitbegründer der
HUMANISTISCHEN UNION verliehen. Die Reihe der prominenten Preisträger,
darunter Gustav Heinemann (1970), Lieselotte Funcke (1990), Regine
Hildebrandt (2000) oder die 28 Pazifistinnen und Pazifisten, die gegen den
Kriegseinsatz im Kosovo aufgerufen hatten (2001), zeichnet Zivilcourage und
unbequemes Eintreten für Gerechtigkeit und Menschlichkeit aus.

Mit der Preisverleihung an Dieter Schenk verspricht sich die HU einen
Beitrag gegen die Tendenz einer die Freiheit bedrohenden staatlichen
Sicherheitsaufrüstung und zum Wiedererstarken des kritischen Blicks auf die
Vorgänge innerhalb der Polizei sowie der sonstigen Organe der inneren und
äußeren Sicherheit. Nur ganz wenige "Insider" wie Dieter Schenk haben einen
Blick für die Gefahren und Irrtümer entwickelt, die sich aus solchen
Tendenzen für das soziale und freiheitliche Zusammenleben in unserer
Gesellschaft ergeben.

Die HUMANISTISCHE UNION möchte mit der Preisverleihung zugleich die
Sensibilität und Wachsamkeit gegenüber den politisch geschürten
gesellschaftlichen Sicherheitsbedürfnissen schärfen.

HUMANISTISCHE UNION e.V.
Bürgerrechtsorganisation seit 1961

HU-Bundesgeschäftsstelle:
Haus der Demokratie und Menschenrechte
5.11.02


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