Gesundheit:
ver.di lehnt die Ausweitung der Selbstbeteiligung der Patienten ab
"Eine Sanierung der Einkommen der Lobbyisten durch verstärkte Selbstbeteiligung von Patientinnen und Patienten wird von ver.di abgelehnt", kommentierte das zuständige ver.di-Bundesvorstandsmitglied Beate Eggert die Vorschläge, die am 12. September unter anderem vom Hartmannbund, der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung auf einer Pressekonferenz vorgelegt wurden. Diese Vorschläge träfen vor allem die chronisch Erkrankten, also Menschen, die auf ein solidarisches Gesundheitssystem besonders angewiesenen seien. Die Behauptung, nur mit mehr Geld könne eine menschliche Medizin garantiert werden, verzerre die Problematik und sei der falsche Ansatz für eine zukunftssichere Reform des Gesundheitswesens.
Auch die grundsätzliche Akzeptanz einer Einführung von Wahl- und Pflichtleistungen, die der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Hoppe, betonte, stößt auf die strikte Ablehnung von ver.di. "Wahlleistungen sind Zahlleistungen, die sich dann nur noch Reiche leisten können. Es ist nicht hinzunehmen, das wieder einmal nur die Armen, Alten und chronisch Kranken ihren Beitrag zu einer Gesundheitsreform leisten sollen", erklärte Beate Eggert. Chronisch Kranke könnten eben nicht einfach Abstriche an Gesundheitsleistungen vornehmen. "Die Absicht des Ärztekammerpräsidenten, Kranke durch Beitragsrückerstattungen erziehen zu wollen, ist zynisch", meinte Beate Eggert. "80 Prozent der Gesundheitsausgaben werden für chronisch Erkrankte aufgewendet. Sie sind auf die Leistungen einer starken gesetzlichen Krankenversicherung angewiesen."
"ver.di fordert dagegen den Abbau der Über-, Unter- und Fehlversorgung im Gesundheitssystem", erklärte Eggert. "Wenn eine qualitative Verbesserung unseres Systems erfolgt, ist für die Gesundheitsversorgung aller genug Geld vorhanden." Das Problem des deutschen Gesundheitswesens sei nicht eine mangelnde Finanzierung, sondern ein nur mittelmäßiges Ergebnis trotz der höchsten Ärztedichte weltweit. "Daher muss die Qualitätsverbesserung in das Zentrum einer künftigen Reform gestellt werden", forderte Eggert.
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