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ISSN 1610-0611
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Genossenschaftsidee ernst nehmen

Banken
ver.di warnt: Genossenschaftsidee ernst nehmen - Volks- und
Raiffeisenbanken auf dem Weg zum shareholder-value

Vor "der Gefahr, ihr wichtigstes Pfund im Wettbewerb mit anderen
Institutionen zu verlieren", warnte die Vereinte
Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die Volks- und Raiffeisenbanken.
Anlässlich des heute beginnenden Verbandstages der Volksbanken
Raiffeisenbanken (BVR) erklärte Mark Roach, zuständiger Fachreferent der
ver.di-Bundesverwaltung: "Die Verankerung in der Region und die damit
verbundene Kenntnis der Kunden und ihrer Bedürfnisse ist für diese Banken
wichtiges Kapital, das nicht verspielt werden darf.

Hauptaufgabe der Volks- und Raiffeisenbanken sei nach dem Gesetz "die
Förderung des Erwerbs oder der Wirtschaft ihrer Mitglieder". Sie sollten
also zuallererst ihre Kunden bzw. insbesondere die Mitglieder vor Ort mit
preiswerten Bankdienstleistungen versorgen. Werde dagegen die Strategie
des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken
umgesetzt, entwickele sich der Genossenschaftssektor hin zu einem
"virtuellen Konzern". Viele Entscheidungskompetenzen würden dann weg vom
Ort auf die zentrale Ebene verlagert.

"Die Genossenschaftsbanken gehen in die falsche Richtung, wenn sie sich
mit Filialschließungen und der Zentralisierung qualifizierter Beratung aus
der Fläche verabschieden. Sie müssen ihr Know-how, ihre Verwurzelung und
ihre starke Marke für mehr cross-selling nutzen und so mehr Erträge
erzielen", erklärte Roach. "Die Genossenschaftsbanken sollen sich auf ihre
Stärken besinnen, statt phantasielos die Rezepte der Großbanken zu
kopieren. Ihre Stärken sind die Verankerung in der Region, die
unmittelbare Kenntnis der Kunden und deren Bedürfnisse sowie die
Möglichkeit flexibel und schnell auf Markterfordernisse zu reagieren", so
der ver.di-Bankexperte. Auch sollte für die Volks- oder Raiffeisenbank
nicht Standardisierung und Automation im Vordergrund stehen, sondern
persönliche Dienstleistung. Wachstum durch Fusion und "Zerlegung der
Wertschöpfungskette" dürften nicht wie bei den Großbanken zum Selbstzweck
werden, sondern mit viel Fingerspitzengefühl nur dort eingesetzt werden,
wo es tatsächlich dem Kunden, dem Mitglied dient.


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