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ISSN 1610-0611
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Jetzt die Abschaffung der Wehrpflicht vornehmen



Wehrpflicht: DFG-VK-Bundessprecher kritisiert Hang zum Zwang
"Jetzt die Abschaffung der Wehrpflicht aus dem persönlichen Leben vornehmen!
"

"Auch die Wehrpflicht hat ein Ende: Dieser Einsicht scheint sich die
rot-grüne Bundesregierung nicht mehr in dogmatischer Weise verweigern zu
wollen", erklärt Erwin Eisenhardt, Bundessprecher der DFG-VK, zum heute
vorgestellten Koalitionsvertrag. Darin heißt es, die Wehrpflicht solle bis
zum Ende der Legislaturperiode überprüft werden.

Bei dieser Überprüfung stehe die DFG-VK gerne hilfreich zur Seite, so
Eisenhardt. "Allerdings finden wir es unverständlich, dass sich die
Regierung so schwer damit tut, das Mittel der Zwangsrekrutierung endlich
abzuschaffen." Unter den west- und mitteleuropäischen Nato-Ländern trage die
Bundesrepublik mit ihrer Wehrverfassung bereits die Rote Laterne.

Gründe für dieses Zögern seien nicht zu erkennen, so Eisenhardt: "Die
Hunderttausenden von jungen Männern, die alljährlich zur Musterung gehen,
wollen eine Ausbildung oder ein Studium beginnen. Sie hinsichtlich einer
etwaigen Dienstpflicht nun noch jahrelang im Unklaren zu lassen, kommt ihrer
Verachtung gleich".

Dass der Zwang, sich zum Tötungshandwerk ausbilden zu lassen, von der
Mehrzahl der Jugendlichen nicht mehr akzeptiert wird, wissen viele
DFG-VK-Aktive aus ihrer Beratung für Kriegsdienstverweigerer.
Offenbar befürchtet die Bundesregierung, ohne Wehrpflicht nicht mehr
genügend Nachwuchs für die zahlreichen Kriegseinsätze in aller Welt zu
erhalten. Dieser "Hang zum Zwang" sei auch in den Vorschlägen der
Weizsäcker-Kommission zu erkennen, welchen der Koalitionsvertrag nun
Priorität zugesteht: "Die darin geforderte Beschränkung der Wehrpflicht auf
eine ,Auswahlwehrpflicht' für nur 30.000 Betroffene ist das Ende der
allgemeinen Wehrpflicht und in unseren Augen ein klarer Verfassungsbruch, da
es eine Wehrgerechtigkeit dann nicht einmal ansatzweise gäbe", so
Eisenhardt.

Die DFG-VK rät allen tauglichen jungen Männern, die Abschaffung der
Wehrpflicht aus ihrem persönlichen Leben nun selbst vorzunehmen: Aufgrund
des Überangebots an Wehrpflichtigen werden heute mehr als ein Drittel aller
Tauglichen nicht mehr zur Bundeswehr einberufen. Wir empfehlen daher, mit
einem Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer zu warten und
stattdessen mit Ausbildung oder Studium zu beginnen. Die Beratungsstellen
der DFG-VK geben Tipps und Hilfeleistungen, wie man die Wehrpflicht ganz
legal umgehen kann.



Frank Brendle
16.10.02


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