Titel Hamburg Initiativen Hamburg-Termine Inland International Magazin Archiv Suchen
Inland:
Inland


Themen:
Bürger- und Zivilgesellschaft
  SeniorInnen
  Castor
Bildung • Schule • Beruf
Kinder u. Jugend
Datenschutz
Kultur
  Literatur
  Film
Mensch & Tier
Soziales • Gesundheit • Miteinander
Menschen- u. Bürgerrecht • Asyl
Gewerkschaften
Report
Umwelt & Natur
Verbraucher
  Trans Fair
Wirtschaft
Presse- u. Informationsfreiheit


Service:
Impressum
ISSN 1610-0611
Information
Intern
Newsletter
Archiv


Das Osterinsel-Syndrom

D A S   O S T E R I N S E L - S Y N D R O M 

Hans-Dieter Striening: "Das Osterinsel-Syndrom". Leben im 21sten Jahrhundert.
Die ZukunftsBibliothek. Metropolitan Verlag, Düsseldorf 2002,
352 S., 24,95 Euro, ISBN 3-89623-278-9

"Die Weltwirtschaft steuert unausweichlich auf ein Zeitalter ohne Arbeit zu. Erfahrungen verlieren ihren Wert als Orientierungshilfe für die Zukunft." Wen solche Sätze nicht schrecken, wer keine einfache Abendlektüre erwartet, sondern Spaß daran hat, komplexe Sozial-, Öko-, und Wirtschaftssysteme und so manche Theorie in ihren geschichtlichen Dimensionen zu betrachten, der verkraftet das neueste Buch von Striening. Und erfährt viele Zusammenhänge und aktuelle Trends und Diagnosen der heutigen Zeit.

Das Buch ist der recht gelungene, wenn auch an manchen Stellen etwas schulmeisterhaft klingende Versuch der Aufklärung. Wir werden unterrichtet über die komplexen Zusammenhänge zwischen Bevölkerungswachstum, Armut, Arbeit und Wohlstand, Ressourcenvernichtung und Effizienz.

Das Buch beginnt mit der Schilderung der Ressourcenausbeutung der Osterinsel im 19. Jh., wo sich, wie in einem Brennglas gebündelt, nachvollziehen lässt, was uns unter den heutigen Bedingungen als ein globales Desaster für die Zukunft droht.
Dann holt Striening zu einem Rundumschlag aus: Mehr Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit ist nur um den Preis von
Effizienzeinbußen zu gewinnen, das ist die Crux, findet er. Die Aktie hat sich als ein am Markt nachgefragtes Gut verselbstständigt. Nicht der Wert des Unternehmens, sondern die Aktie als Gut wird zum Handelsobjekt. Striening bewertet diesen Umstand als höchst brisante und riskante Umkehrung von Ursache und Wirkung. Die Höhen und Tiefen von DAX, NEMAX und Dow Jones werden an anschaulichen Beispielen jüngster Vergangenheit erläutert und Ursachen benannt. Striening fragt die Leserschaft entrüstet, wann denn endlich in allen Schichten der Gesellschaft die Botschaft angekommen sei, dass Deutschland
ein Einwanderungsland ist. Er ruft auf, sich auf den alten Leibnitz zu besinnen, der in Übereinstimmung mit der Bevölkerungspolitik der Merkantilisten in der Zahl der Menschen den Reichtum des Staates sah. Er verschweigt aber nicht die Schwierigkeit, dass sich die Migrationsrichtung von fortgeschrittenen hin zu weniger fortgeschritteneren in unserem Zeitalter umgekehrt hat: die Mehrzahl der Armutsflüchtlinge sind heute beruflich unausgebildet und unerfahren und stehen nur für unqualifizierte Arbeiten zur Verfügung. Trotzdem prophezeit der Autor die Wiederholung der Schmelztiegelbildung der USA für den Rest der Industrienationen. Wir brauchen keine Angst vor der Vermischung der Rassen und Religionen als vielmehr vor der Überbevölkerung an sich zu haben. Die Schlüsselfrage des 21sten Jahrhunderts, so der Autor, ist die Stabilisierung des Bevölkerungswachstums. Sein Credo: Globalisierung, schnellster technischer Fortschritt und Bildung für die Entwicklungsländer,
dann hört die Massenvermehrung auf und wir sind - vielleicht - zu retten.

Die demografische Apokalypse und der Appell, diese abzuwenden, zieht sich durch das gesamte Buch und gleicht einem Hilferuf.

"Die Chance für alle Menschen auf der Welt, ein Leben in Gesundheit, befreit von sozialem und ökonomischem Elend führen zu können, das muss das Ziel sein!", so der Appell des Autors, mit dem er den Leser der industrialisierten Welt weglocken will von der Gier nach 150 langen, genmanipulierten und dennoch kümmerlichen Lebensjahren.

Es sei dem Autor und uns allen gewünscht, dass einige der vielen Appelle und Aufklärungsanstrengungen etwas zur echten Reflexion und zum gesellschaftlichen Umsteuern beitragen! Das Buch meidet keine Fremdwörter und keine Herleitungen komplexer Sachverhalte. Eine ausführliche und nach Kapiteln gegliederte Dokumentation der den Argumenten zugrunde liegenden Quellen sowie ein umfangreiches Literaturverzeichnis geben reichlich Stoff, sich noch näher mit dem Thema zu beschäftigen. Das Stichwortverzeichnis ist gut, ein kleines Fremdwörterlexikon würde nicht schaden. Die Leserschaft
begrenzt sich daher wohl eher auf das Bildungsbürgertum. Die Texte eignen sich allerdings auch hervorragend für Schüler der gymnasialen Oberstufe, die damit gleichzeitig in Geschichte, Erdkunde, Werte und Normen,Gesellschaftskunde und Deutsch getrimmt würden.

Aut.: Dr. Corinna Hoelzer
GreenMediaNet. Medienagentur für ökologisch tragfähige Entwicklungen.
www.greenmedianet.de
www.sozial-info.de
www.dritter-sektor.de
Copyright (c) 2002 by H-Dritter-Sektor (H-Net), all rights reserved. This work may be copied for non-profit educational use if proper credit is given to the author and the list. For other permission, please contact <redaktion@dritter-sektor.de>


nach oben

--

< zurück --vorwärts > ↑ nach oben

"Zivilgesellschaft" - eine vielschichtige Debatte | Marketing für Verbände und andere