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ISSN 1610-0611
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Kein Zeuge darf überleben



Bis zu einer Million Menschen wurden 1994 in dem kleinen
zentralafrikanischen
Land Ruanda innerhalb weniger Monate getötet - und die Welt sah zu.
Der Völkermord in Ruanda war nicht nur einer der schrecklichsten des
Jahrhunderts,
er gilt auch als ein beschämendes Beispiel für das Versagen
internationaler Friedens-
und Menschenrechtspolitik.

Heute versucht Ruanda, aus dem Schatten des Genozids herauszutreten.
Der Krieg
mit den aus dem Völkermord übriggebliebenen Hutu-Milizen in der
Demokratischen
Republik Kongo ist offiziell beendet; die Einrichtung von kommunalen
Laiengerichten,
den sogenannten "Gacaca", in allen ruandischen Gemeinden soll die
überfüllten
Gefängnisse leeren und die juristische Aufarbeitung der Massaker
abschließen; eine
neue Verfassung und allgemeine Wahlen im Jahr 2003 sollen Ruandas
Politik neu ordnen.
Ruanda will das Kapitel Völkermord abschließen und sich den
Herausforderungen der
Zukunft zuwenden.

Doch die Bewältigung der Vergangenheit istnoch lange nicht
abgeschlossen.
Der Genozid war kein spontaner Ausbruch kollektiver Wut oder ethnischer
Spannungen.
Er war das Kalkül einer kleinen, modernen Elite, die ihren Machterhalt
durch die wachsende
Opposition in Ruanda gefährdet sah. Sie versuchte, sich ihrer Gegner
durch Massenmord
zu entledigen. Dabei konnte sie auf die Unterstützung von Militär und
Nationalpolizei
ebenso zählen wie auf regionale Behörden, Medien, Intellektuelle und
Geistliche.

Die politische Kultur Ruandas hat dies noch nicht abschließend
selbstkritisch verarbeitet.
Auch internationale Akteure hatten ihren Anteil am Völkermord in
Ruanda: Frankreich,
Belgien und die Vereinigten Staaten wußten ebenso wie die Vereinten
Nationen von
den Vorbereitungen für die Massaker. Ein entschlossenes gemeinsames
Vorgehen auf
politischer oder militärischer Ebene hätte das Blutvergießen
höchstwahrscheinlich
verhindern oder zumindest schnell beenden können.
Viele dieser Hintergründe sind immer noch unklar.

Dies lastet auf den internationalen Bemühungen,das Afrika der Großen
Seen zu befrieden.
In jahrelanger akribischer Arbeit hat Alison Des Forges von der
amerikanischen
Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch,
Akten aufgearbeitet und Opfer, Täter und "Zuschauer" interviewt. Ihr
Buch ist jetzt
auch in deutscher Übersetzung erschienen. Die Gäste dieses Jour Fixe
diskutieren die
Perspektiven Ruandas und erörtern am Beispiel Ruandas die Möglichkeiten
und Grenzen
internationalerMenschenrechtspolitik.

Das Buch "Kein Zeuge darf überleben. Der Genozid in Ruanda" von Alison
Des Forges ist
im Oktober 2002 in der Hamburger Edition erschienen und kostet Euro
40,-.
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Heinrich-Boell-Stiftung, Presse- und Oeffentlichkeitsarbeit,
Hackesche Hoefe, Rosenthaler Str. 40/41, 10178 Berlin;
Email PresseBoellStiftung@boell.de, Internet www.boell.de


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