Appell an Innenminister:
Prominente fordern von Innenministern Schutz für Roma und Aschkali aus dem Kosovo
Prominente Fürsprecher der Roma haben einen Appell der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterzeichnet, in dem von den Innenministern Schutz für Roma und Aschkali aus dem Kosovo gefordert wird. Literaturnobelpreisträger Günter Grass, Simon Wiesenthal, Ralph Giordano, Prof. Walter Jens, Christian Schwarz-Schilling und Hans Koschnick unterstützen so auch die Mahnung der Menschenrechtsorganisation, Deutschland trage eine doppelte Verantwortung für das Schicksal dieser Minderheiten, deren Angehörigen im Kosovo nach wie vor an Leib und Leben bedroht sind. „Auch deutsche Truppen sind im Kosovo stationiert und waren Zeugen ihrer Flucht und Vertreibung“, heißt es in dem Appell, den die GfbV den Politikern zum Auftakt der Innenministerkonferenz in Bremen am Mittwoch übermittelte. „Deutschland ist den Roma historisch verpflichtet, weil sie auch Opfer des Holocaust waren.“ Deshalb müssten die Innenminister von Bund und Ländern dafür sorgen, dass Roma, Aschkali und „Ägypter“ aus dem Kosovo so lange in Deutschland bleiben könnten, bis ihnen keine Gefahr durch extremistische Albaner mehr drohe und sie in Sicherheit und Würde zurückkehren könnten. Konkret sollte den Vertriebenen eine Duldung von jeweils einem Jahr erteilt werden, damit diese traumatisierte Gruppe zur Ruhe komme.
In Deutschland haben rund 30.000 Roma, Aschkali und „Ägypter“ aus dem Kosovo Zuflucht gesucht. Unter den Augen der KFOR-Truppen, wurden etwa 80 Prozent der Angehörigen dieser Minderheiten indischer Abstammung etwa 100.000 Menschen - gewaltsam vertrieben: Sie wurden von extremistischen Albanern beschimpft, geschlagen, misshandelt, gefoltert, ermordet oder verschwanden für immer. Die Überlebenden flüchteten in Panik in die Nachbarländer Mazedonien, Montenegro, Serbien, Bosnien- Herzegowina und nach Mitteleuropa. Nach Erhebungen der GfbV wurden 75 Siedlungen der Roma, Aschkali und „Ägypter“ und etwa 14.000 von 19.000 ihrer Häuser zerstört.
Auch die internationale Verwaltung des Kosovo lehnt die Rückkehr der Vertriebenen bis heute ab. Nach Auffassung von Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen, darunter auch die GfbV, können Roma, Aschkali und „Ägypter“ im Kosovo ihre Ghettos ohne Gefahr für Leib und Leben nicht verlassen. Menschen mit dunklerer Hautfarbe müssten in vielen Regionen mit t ätlichen Angriffen rechnen, sagte der GfbV-Generalsekretär Tilman Zülch. Angeh örige dieser Minderheiten bekämen keine Arbeit und könnten sich ohne humanitäre Hilfe nicht ernähren. In den Krankenhäusern der albanischen Mehrheitsbevölkerung würden sie nicht ohne weiteres behandelt und vielfach werde ihren Kindern die Einschulung verweigert. Ihre Grundstücke und Häuser seien fast immer in den Händen albanischer Besetzer und die Mehrheit der albanischen Bevölkerung zeige keine erkennbare Aufnahmebereitschaft.
============================== Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV) Inse Geismar, Pressereferentin Postfach 2024, D-37010 Goettingen =============================== Bremen/Berlin/Göttingen, den 4.12.2002
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