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ISSN 1610-0611
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Appell an Innenminister

Appell an Innenminister:

Prominente fordern von Innenministern Schutz für
Roma und Aschkali aus dem Kosovo

Prominente Fürsprecher der Roma haben einen
Appell der Gesellschaft für bedrohte Völker
(GfbV) unterzeichnet, in dem von den
Innenministern Schutz für Roma und Aschkali aus
dem Kosovo gefordert wird.
Literaturnobelpreisträger Günter Grass, Simon
Wiesenthal, Ralph Giordano, Prof. Walter Jens,
Christian Schwarz-Schilling und Hans Koschnick
unterstützen so auch die Mahnung der
Menschenrechtsorganisation, Deutschland trage
eine doppelte Verantwortung für das Schicksal
dieser Minderheiten, deren Angehörigen im Kosovo
nach wie vor an Leib und Leben bedroht sind.
„Auch deutsche Truppen sind im Kosovo
stationiert und waren Zeugen ihrer Flucht und
Vertreibung“, heißt es in dem Appell, den die
GfbV den Politikern zum Auftakt der
Innenministerkonferenz in Bremen am Mittwoch
übermittelte. „Deutschland ist den Roma
historisch verpflichtet, weil sie auch Opfer des
Holocaust waren.“ Deshalb müssten die
Innenminister von Bund und Ländern dafür sorgen,
dass Roma, Aschkali und „Ägypter“ aus dem Kosovo
so lange in Deutschland bleiben könnten, bis
ihnen keine Gefahr durch extremistische Albaner
mehr drohe und sie in Sicherheit und Würde
zurückkehren könnten. Konkret sollte den
Vertriebenen eine Duldung von jeweils einem Jahr
erteilt werden, damit diese traumatisierte
Gruppe zur Ruhe komme.

In Deutschland haben rund 30.000 Roma, Aschkali
und „Ägypter“ aus dem Kosovo Zuflucht gesucht.
Unter den Augen der KFOR-Truppen, wurden etwa 80
Prozent der Angehörigen dieser Minderheiten
indischer Abstammung etwa 100.000 Menschen -
gewaltsam vertrieben: Sie wurden von
extremistischen Albanern beschimpft, geschlagen,
misshandelt, gefoltert, ermordet oder
verschwanden für immer. Die Überlebenden
flüchteten in Panik in die Nachbarländer
Mazedonien, Montenegro, Serbien, Bosnien-
Herzegowina und nach Mitteleuropa. Nach
Erhebungen der GfbV wurden 75 Siedlungen der
Roma, Aschkali und „Ägypter“ und etwa 14.000 von
19.000 ihrer Häuser zerstört.

Auch die internationale Verwaltung des Kosovo
lehnt die Rückkehr der Vertriebenen bis heute
ab. Nach Auffassung von Hilfs- und
Menschenrechtsorganisationen, darunter auch die GfbV, können Roma, Aschkali und
„Ägypter“ im Kosovo ihre Ghettos ohne Gefahr für Leib und Leben nicht
verlassen. Menschen mit dunklerer Hautfarbe müssten in vielen Regionen mit t
ätlichen Angriffen rechnen, sagte der GfbV-Generalsekretär Tilman Zülch. Angeh
örige dieser Minderheiten bekämen keine Arbeit
und könnten sich ohne humanitäre Hilfe nicht
ernähren. In den Krankenhäusern der albanischen
Mehrheitsbevölkerung würden sie nicht ohne
weiteres behandelt und vielfach werde ihren
Kindern die Einschulung verweigert. Ihre
Grundstücke und Häuser seien fast immer in den
Händen albanischer Besetzer und die Mehrheit der
albanischen Bevölkerung zeige keine erkennbare
Aufnahmebereitschaft.

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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
Postfach 2024, D-37010 Goettingen
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Bremen/Berlin/Göttingen, den 4.12.2002


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