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ISSN 1610-0611
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Polizei bricht Friedrichstädter "Kirchenasyl"?


Polizei bricht Friedrichstädter "Kirchenasyl"?
Schwer traumatisierte Kurdin vom Kirchengelände weg verhaftet.

Der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein protestiert gegen die am 2.
November erfolgte Verhaftung der Kurdin Mehdiye Yardimci in
Friedrichstadt. Frau Yardimci befindet sich seit einigen Monaten in
einem den zuständigen Behörden lange bekannten "Kirchenasyl" in der
Evgl.-Luth. Kirchengemeinde Friedrichstadt. Frau Yardimci ist vor ihrer
Flucht in der Türkei schwerst gefoltert worden. Sie leidet seither unter
einer fachärztlich attestierten Posttraumatischen Belastungsstörung. Mit
Frau Yardimci wurde auch ihr sechsjähriger Sohn verhaftet. Der Ehemann
und weitere vier Kinder befinden sich weiterhin in der Obhut der
Kirchengemeinde.

Offenbar ist es die für die Familie zuständige Ausländerbehörde im
niedersächsischen Nienburg/Weser, die mit dem schnellen Zugriff
versucht, Fakten zu schaffen und das erfolgversprechende
Bleiberechtsbemühen der Familie zu unterlaufen. Nach Berichten von
Augenzeugen hatte sich schleswig-holsteinische Polizei - trotz aller
landesbehördlichen Zusagen, das "Kirchenasyl" unangetastet zu lassen und
offenbar auch ohne den Husumer Landrat angemessen zu informieren - im
Auftrag der Nienburger Ausländerbehörde mit ca. 8 Mann (!) vor der
Kirchengemeinde 'auf die Lauer gelegt', um die schwer traumatisierte
Frau abzufangen.

Frau Yardimci kollabierte wenig später auf dem Polizeirevier. Sie musste
eiligst auf die Intensivstation des Krankenhauses eingeliefert werden,
wo sie sich nach unserer Kenntnis immer noch befindet. Der Sohn wurde
inzwischen frei gelassen - weil Sechsjährige nicht in Abschiebungshaft
genommen werden können? Allerdings fand sich ein Husumer Amtsrichter,
der willens war, Abschiebungshaft für die schwer erkrankte Frau Yardimci
anzuordnen.

Wir fordern die Ordnungskräfte dringend auf, das "Kirchenasyl" der
Familie Yardimci zu respektieren, anstatt sich vor den Karren einer
abschiebungswütigen Ausländerverwaltung spannen zu lassen und
infolgedessen für die verfolgte Familie, die Kirchengemeinde und das
Land Schleswig-Holstein weiteren Schaden anzurichten.

gez. Martin Link
Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e.V.
T. 0431-735 000

Mehr Informationen bei:

* Pastor Michael Jordan, Ev.-luth. Kirchengemeinde Friedrichstadt, T.
04881-937377
* Pastorin Fanny Dethloff, Flüchtlingsbeauftragter der Nordelbischen
Kirche, T/F. 0431-30620-364

In den Anlagen befinden sich Fotos und Daten der Familie Yardimci und
verschiedene Textdateien zu den Themen:
Verfolgungsgeschichte der M. Yardimci, Kurden und Yeziden in der Türkei,
Was ist "Kirchenasyl" und worum geht's beim Rechtsstreit ums
"Kirchenasyl", Asylrecht in Deutschland.

Oldenburger Str. 25, D-24143 Kiel

Kiel, 4.11.2002


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