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ISSN 1610-0611
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Weißrussischer Journalistin droht Auslieferung

Deutschland
Weißrussischer Journalistin droht Auslieferung

Reporter ohne Grenzen ist besorgt wegen der vorläufigen Festnahme Natallia
Sudliankova und ihrer möglichen Auslieferung nach Weißrussland. Die
weißrussische Journalistin wurde am 7. Oktober am deutsch-tschechischen
Grenzübergang bei einer Ausweiskontrolle festgenommen. Laut Angaben von
Behörden wurde nach ihr über Interpol gefahndet. Natallia Sudliankova
arbeitet für Radio Free Europe und ist seit 1999 als Flüchtling in der
Tschechischen Republik anerkannt.

"Frau Sudlinakova ist eine erklärte Kritikerin der weißrussischen Regierung
und ihres Präsidenten Alexander Lukaschenko. Regelmäßig werden in
Weißrussland Menschenrechte verletzt und die Pressefreiheit massiv
eingeschränkt. Wir haben erst kürzlich drei Fälle von Journalisten
dokumentiert, die wegen "Beleidigung des Präsidenten" zu Zwangsarbeit
verurteilt wurden", erklärt Robert Ménard, Generalsekretär der
internationalen Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der
Pressefreiheit.

Nach unseren Informationen wurde Natallia Sudliankova am 7. Oktober 2002 am
deutsch-tschechischen Grenzübergang in Pomezi-nad-Ohri / Schinding von
deutschen Grenzbehörden vorläufig festgenommen und befindet sich seitdem in
Haft. Offiziell wird als Grund ein Festnahmeersuchen der Staatsanwaltschaft
in Weißrussland wegen vermeintlicher Wirtschaftsdelikte angegeben.

In Weißrussland ist Natallia Sudliankova eine bekannte Persönlichkeit in
Politik und Wirtschaft. Sie gründete in den 90er Jahren mehrere Firmen im
Bereich Finanzberatung und wurde im Jahre 1995 Präsidentin des
weißrussischen Finanzverbandes. Die Unternehmerin unterstützte aktiv und
finanziell die Weißrussische Nationalfront (FNB), eine oppositionelle
Bewegung, deren Mitglieder regelmäßig Repressalien von seiten der Regierung
ausgesetzt sind.
Im Dezember 1999 ist sie als Flüchtling in der Tschechischen Republik
anerkannt worden. Ihre Verfolgung wurde dort ausführlich dokumentiert.

Bereits im Januar 2002 lehnte der tschechische Innenminister eine
Auslieferung Sudliankovas nach Weißrussland mit einer ausführlichen
Begründung ab.

Reporter ohne Grenzen fordert in einem Brief an den zuständigen
Oberstaatsanwalt Schmitt die sofortige Freilassung von Natallia
Sudliankova.
Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101, 10997 Berlin
PM 17.10.2002


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