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Leben wie in der Legebatterie
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Leben wie in der Legebatterie
Kaninchen werden in vielen Familien als Haustiere gehalten. Kaum ein Mensch weiß jedoch, dass in Deutschland jährlich zwischen 24 und 32 Millionen Kaninchen auf dem Speiseteller landen und dass ein großer Teil dieser Tiere aus der Massenhaltung stammt.
In der kommerziellen Kaninchenhaltung leben die Tiere wie Hennen in der Legebatterie. Die engen Drahtgitterkäfige lassen auf Grund ihrer Größe und Beschaffenheit ein artgemäßes Verhalten der Kaninchen nicht zu. Die Tiere leiden, viele werden krank und verenden noch vor dem Schlachttermin.
Kommerzielle Kaninchenmast
Drei bis sechs Mastkaninchen stecken in einem engen Käfig. In der letzten Phase der Mast, steht jedem Tier eine Fläche von maximal 0,08 Quadratmetern bei einer Käfighöhe von 35 Zentimetern zur Verfügung. Ein Aufrichten zur vollen Größe und das gleichzeitige Hinlegen aller Kaninchen ist unmöglich. Vom Herumhoppeln, Hakenschlagen oder Buddeln wie in freier Natur können die Tiere nicht einmal träumen. Die Käfigböden bestehen meist aus Drahtgitter. Da es keine Einstreu gibt, verletzen die harten Drähte die empfindlichen Läufe der Tiere. Gefüttert wird mit gepresstem Futter, sogenannten Pellets, die teilweise schon vorbeugend mit Medikamenten versetzt sind. Das Kraftfutter führt oft zu Darmerkrankungen. Die gleichzeitige Beigabe von Arzneimitteln (Kokzidiostatika) soll diesen Erkrankungen direkt entgegen wirken. Eine artgemäße Fütterung mit vielen Rohfasern wie Heu und Stroh würde die Sterberate durch Kokzidiose deutlich vermindern.
Fruchtbarkeit als Fluch
Kaninchen sind für ihre Fruchtbarkeit bekannt. Jeden Monat bringt ein Zuchtkaninchen etwa neun Junge zur Welt. Üblicherweise werden die Muttertiere nach einer Geburt sofort wieder gedeckt oder künstlich besamt. Ihren Wurf säugt die Kaninchenmutter bis zu 28 Tage. Dann werden die Jungtiere abgesetzt. Wenige Tage später gebiert die Zibbe den nächsten Wurf.
Weibliche Kaninchen erreichen mit drei bis vier Monaten die Geschlechtsreife. Zuchthäsinnen werden in der Regel nicht älter als ein Jahr. Entweder sterben sie innerhalb dieses Zeitraums vor Erschöpfung, oder sie werden geschlachtet, sobald sie nicht mehr monatlich werfen.
Die meisten gewerblichen Kaninchenzüchter orientieren sich an den völlig unzureichenden Empfehlungen der World Rabbit Science Association (WRSA: Welt-Kaninchen- Wissenschafts-Verband). Danach steht einem Zuchtkaninchen eine Fläche von lediglich 0,2 bis 0,4 Quadratmetern und eine Käfighöhe von bis zu 40 Zentimetern zu. Eine zusätzliche kleine Nistbox ist meist von außen an dem Gitterkäfig befestigt. Nach zehn bis vierzehn Tagen sind die Jungtiere in der Lage, die Nistbox zu verlassen. In dem viel zu kleinen Käfig entsteht drangvolle Enge. Die Mutter hat keine Gelegenheit, sich von den Jungen zurückzuziehen. Deren ständige Suche nach den Zitzen führt zu Dauerstress beim Muttertier.
Nach der Trennung von der Mutter werden die Tiere entweder selbst zur Gebärmaschine, oder sie werden zur Mast mit mehreren Tieren in noch kleinere Käfige gepfercht.
Krankheiten und hohe Sterberate sind an der Tagesordnung
Die übliche Art der Haltung in der gewerblichen Kaninchenzucht und -mast wird von Experten in etlichen Untersuchungen als nicht artgemäß und nicht tiergerecht beurteilt.
Kaninchen reagieren empfindlich auf die schlechten Haltungsbedingungen. Zu den gravierendsten Folgen zählen Pfotenverletzungen, Wirbelsäulenverkrümmungen, Gesäugeschäden, Stoffwechselstörungen, Verhaltensabweichungen und haltungsbedingte „Ausfälle“ von bis zu 50 Prozent.
All diese Schäden und Verluste sind im Sinne des deutschen Tierschutzgesetzes zu vermeiden. Unter optimalen Bedingungen sterben ca. 15 Prozent der Jungen unmittelbar vor, während und nach der Geburt, bis zum Absetzen weitere fünf Prozent und nach dem Absetzen nochmals zehn Prozent. In der praktizierten Massenhaltung betragen die Verluste allerdings mehr als das Doppelte. Bei keiner anderen Nutztierart werden so hohe Verlustraten als „normal“ hingenommen. Größtenteils sind die Todesursachen unklar. Die hohe, ungeklärte Verlustrate, die auch die Wirtschaftlichkeit der Kaninchenproduktion empfindlich berührt, scheint deutlich darauf hinzuweisen, dass diese Art der Kaninchenhaltung nicht artgemäß sein kann.
Alternative Haltungsformen
Eine tiergerechtere Alternative bietet z.B. die Gruppenhaltung am Boden, bei der den Tieren die sozialen und bewegungsfreudigen Kaninchen zumindest einige ihrer Grundbedürfnisse befriedigen. So können die meisten Verhaltensstörungen und anatomischen Schäden vermieden werden. Die einzig artgemäße Haltungsmethode aber ist die Freilandhaltung. Nur im Freiland können Kaninchen ihre natürliche Bedürfnissen ausleben und ausgiebig weiden, nagen, buddeln und Höhlen graben. Bislang konnte sich die Freilandhaltung aber auf Grund des relativ höheren Betreuungsaufwandes sowie ungeklärter Probleme im Management und Tierverhalten noch nicht etablieren. Hier besteht intensiver Forschungsbedarf.
Wildkaninchen
Hauskaninchen stammen vom heimischen Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) ab und verfügen bis heute über nahezu die gleichen Verhaltensweisen. Ein Blick in die freie Natur kann deshalb die Ansprüche an eine tiergerechte Kaninchenhaltung untermauern.
Wildkaninchen leben in Familiengruppen von je drei bis fünf Zibben und ein bis drei männlichen erwachsenen Tieren. Sie haben eine enge soziale Bindung. Die meiste Zeit verbringen die Tiere in unterirdischen Bauen mit verschiedenen funktionellen Höhlen und Röhren. Die Baue werden ständig erweitert. Während der Aktivitätsphasen wird regelmäßig Futter gesucht. Kräuter, Gräser, Wurzeln und Rinde gehören zur normalen Nahrung. Kaninchen sind dämmerungsaktiv und eher des Nachts als am Tage aktiv. Fress- und Ruhepausen wechseln sich häufig ab, so dass über den ganzen Tag verteilt rund 60 bis 90 Mahlzeiten eingenommen werden.
Die Rangordnung wird durch Rangkämpfe festgelegt. Später kommt es nur noch selten zu Auseinandersetzungen. Kaninchen sind sehr soziale Tiere: Gemeinschaftliches Graben, Weiden, Ruhen und Körperpflege nehmen einen großen Teil des Tages ein. Auch das Sonnenbaden gehört zum Verhaltensrepertoire. Das Tageslicht steuert die Sexualhormone. Bei natürlichem Tageslicht wird im Hochsommer und im Winter eine Wurfpause eingelegt. Dann gibt es keine kühle Rückzugsmöglichkeiten oder eine gleichmäßige Eiweißversorgung ist nicht gewährleistet.
Die Zibben graben Neströhren, die zum Schutz gegen Feinde nach dem täglichen Säugen verschlossen werden. Bei guter Futtergrundlage werfen Kaninchen alle 31 bis 33 Tage. Für die zunächst nackten und blinden Jungen wird ein Nest aus trockenem Pflanzenmaterial und Fell gebaut. Nach dem täglichen Säugen und Verschließen der Neströhre hält sich eine Zibbe in der Regel nicht mehr in der Nähe des Nestes auf. Nach zwei bis drei Wochen verlassen die Jungtiere immer öfter das Nest und nehmen außerhalb feste Nahrung auf. Der Nesteingang wird nur noch unvollständig verschlossen. Wenn die Zibbe wieder trägt, werden die Jungtiere mit ca. 28 Tagen abgesetzt.
Mit Eintreten der Geschlechtsreife im Alter von drei bis vier Monaten, dehnen die Jungtiere ihren Aktionsradius immer weiter aus. Bis sie sich einer anderen Familiengruppe anschließen oder eine neue Gruppe bilden. Das Revier einer Familiengruppe beträgt je nach Futtergrundlage einige hundert Quadratmeter.
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Jährlich etwa 50.000 Arten ausgerottet | Pelzaktion vor Peek&Cloppenburg
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