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ISSN 1610-0611
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Wal-Sensation in der Ostsee

WWF fordert Meeresschutzgebiet für die Schweinswale im Seegebiet zwischen Rügen und Bornholm

Die für die Ostsee als äußerst selten geltenden Schweinswale wurden in diesem Frühjahr in erstaunlich großer Zahl auf den flachen Meeresgebieten Adlergrund und Oderbank zwischen Rügen und Bornholm geortet. Wissenschaftler haben bei der Untersuchung der Umweltverträglichkeit für den Windpark Adlergrund mehr als zehn Tiere in diesem kleinen Gebiet beobachtet, obwohl Schweinswale in diesem Teil der Ostsee als vom Aussterben bedroht gelten. Nur noch auf 600 Tiere wird die Population für die gesamte Ostsee östlich Rügens geschätzt. Forscher im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz haben auf der benachbarten Oderbank sogar über 100 Tiere gesichtet. Für Dr. Henning von Nordheim, Leiter des Fachgebietes Meeres- und Küstennaturschutz des Bundesamtes, ist dies eine Sensation.
Der WWF Deutschland hat im Rahmen seiner jüngsten Kampagne einen Rettungsplan zum Schutz unserer einzigen heimischen Walart entwickelt. Er sieht unter anderem die Einstellung der Treibnetzfischerei, für Schweinswale sicherere Fischereimethoden und den Schutz der Wal-Lebensräume vor.

Der WWF fordert nun die Bundesregierung auf, von ihren Kompetenzen aus dem neuen Bundesnaturschutzgesetz Gebrauch zu machen und die Gebiete Adlergrund
und Oderbank zu einem Meeresschutzgebiet zu machen sowie bei der Europäischen Union als FFH- Schutzgebiet zu melden. Dieses ca. 2000 Quadratkilometer große Gebiet mit den ausgedehnten Unterwasser-Sandbänken, Riffstrukturen und einer äußerst reichen Bodentierwelt ist gleichzeitig eines der zwei bedeutendsten Winterlebensräume für Wasservögel der Ostsee und wichtiger Lebensraum für Fische. Das nun festgestellte Schweinswalvorkommen ist ein weiteres Indiz für die hohe Bedeutung dieses Meeresteiles zwischen Deutschland, Polen und Dänemark.
Bundesumweltminister Jürgen Trittin und seine Kollegin Renate Künast hatten zugesagt die Schutzpläne des WWF für den Schutz des Schweinswales zu unterstützen. Jochen Lamp , Leiter des WWF-Projektbüros Ostsee in Stralsund fordert die Einlösung des Versprechens. „Mit der Ausweisung des Schutzgebietes muss die Bundesregierung dafür sorgen, dass hier keine Genehmigung für die vier dort beantragten Offshore Windparks erteilt wird und dass der Kiesabbau beendet wird. Das Vorsorgeprinzip gebietet es, für eine Pilotanlage ein für den Naturschutz weniger bedeutsames Gebiet auszuwählen. Solche gibt es auch in der Ostsee.“

WWF Deutschland
Rebstöcker Straße 55

10.10.02:


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