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Niedriglohn ungeeignetes Instrument
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Niedriglohn ungeeignetes Instrument für ostdeutschen Arbeitsmarkt
Niedriglöhne taugen nach Ansicht von Prof. Burkart Lutz vom Zentrum für Sozialforschung Halle (zsh) nicht für den ostdeutschen Arbeitsmarkt. In einem Kommentar für die neueste Ausgabe der WSI-Mitteilungen 11/2002 der Hans-Böckler-Stiftung schreibt der Wissenschaftler, für den westdeutschen Arbeitsmarkt seien „Überlegungen keineswegs à priori abwegig, durch eine Kombination von Druck auf wenig arbeitswillige Erwerbslose und zeitweilige Lohnsubventionen bzw. gezielte Reduzierung der Lohnnebenkosten für einfache Tätigkeiten das Beschäftigungsniveau insgesamt zu erhöhen. Bei Überlegungen dieser Art ist freilich stets zu bedenken, dass der deutsche Arbeitsmarkt nach wie vor geteilt ist. In Ostdeutschland, wo ja immerhin ein rundes Drittel der Arbeitslosen und ein noch größerer Teil der Klientel arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen leben, greift diese Diagnose nicht.“ Deshalb hätte eine auf ihr gründende Therapie, die vielleicht in größeren Teilen Westdeutschlands Sinn macht, kaum nennenswerte Beschäftigungseffekte, jedoch möglicherweise gravierende nichtintendierte Folgewirkungen.“
Erhebliche Teile der ostdeutschen Wirtschaft seien bereits seit der Wiedervereinigung Niedriglohngebiet. Dennoch sei es den ostdeutschen Unternehmen nicht gelungen, daraus Wettbewerbsvorteile zu ziehen. Zudem seien die meisten Ostdeutschen weder bereit noch in der Lage, nennenswerte Teile ihres Einkommens für mehr einfache Dienstleistungen aufzuwenden – ein Bereich, für den Niedriglöhne häufig reklamiert werden, um hier mehr Arbeitsplätze zu schaffen.
Lutz warnt vor unerwünschten Folgewirkungen, unter anderem mit Blick auf junge Menschen: „Schließlich ist offenkundig, dass in Ostdeutschland von Niedriglohnpolitik nicht zuletzt die große Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen betroffen wäre, denen nach dem Abschluss ihrer Ausbildung aus strukturellen Gründen der Einstieg in eine stabile Beschäftigung nicht gelungen ist und die sich schon heute in Billigjobs oder in ‚Maßnahmekarrieren‘ mit Wechsel zwischen Arbeitslosigkeit, Qualifizierung, ABM und Aushilfstätigkeiten über Wasser halten. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass hierdurch die bereits heute rasch und nachhaltig steigende Abwanderung junger Menschen weiter verstärkt würde.“
Der vollständige Text kann im Internet nachgelesen werden. Mit dem Thema Arbeitsmarkt befasst sich auch das diesjährige WSI-Herbstforum am 28. und 29. November in Düsseldorf. Auf verschiedenen Podien diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter dem Titel „ Mehr Markt auf dem Arbeitsmarkt?“. Das Programm steht ebenfalls im Internet unter www.boeckler.de.
Margitta Reicharz Hans-Böckler-Stiftung Abt. Öffentlichkeitsarbeit Hans-Böckler-Straße 39 40476 Düsseldorf 27.11.2002
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