Titel Hamburg Initiativen Hamburg-Termine Inland International Magazin Archiv Suchen
Inland:
Inland


Themen:
Bürger- und Zivilgesellschaft
  SeniorInnen
  Castor
Bildung • Schule • Beruf
Kinder u. Jugend
Datenschutz
Kultur
  Literatur
  Film
Mensch & Tier
Soziales • Gesundheit • Miteinander
Menschen- u. Bürgerrecht • Asyl
Gewerkschaften
Report
Umwelt & Natur
Verbraucher
  Trans Fair
Wirtschaft
Presse- u. Informationsfreiheit


Service:
Impressum
ISSN 1610-0611
Information
Intern
Newsletter
Archiv


Beteiligung von Patienten an Gesundheitsreform

Paritätischer Wohlfahrtsverband fordert Beteiligung von Patienten an
Gesundheitsreform

Selbsthilfeorganisationen müssen künftig an allen Entscheidungen im
Gesundheitswesen beteiligt werden. Dies hat die Vorsitzende des
Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Barbara Stolterfoht, bei einer Tagung
des
"Paritätischen Forums chronisch kranker und behinderter
Menschen" in Berlin gefordert. Sie kündigte an, sie werde diese Forderung
in die Rürup-Kommission einbringen, in die sie am Donnerstag von
Gesundheitsministerin Schmidt berufen worden ist.
"Eine nachhaltige und wirkungsvolle Reform des Gesundheitswesens ist erst
zu
erwarten, wenn mit der notwendigen Einbeziehung der Betroffenen Ernst
gemacht wird",
sagte Stolterfoht. Neben Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern müsse
Betroffenen-Organisationen auf einer "dritten Bank" die Mitwirkung an
Reformen im Gesundheitswesen ermöglicht werden. Obwohl es zahlreiche
engagierte Patientenverbände, Selbsthilfegruppen und Sozialverbände mit
hohem Sachverstand gebe, werde ihr Fachwissen bislang ausgeblendet,
kritisierte Stolterfoht.
Obschon die Gesetzlichen Krankenkassen bis zu 80 Prozent ihrer Ausgaben
für die Behandlung chronischer Krankheiten aufwenden, lasse die Qualität
der Behandlung zu wünschen übrig, kritisierte die Vorsitzende des
Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Ursache seien strukturelle Defizite im
Gesundheitssystem, die zu Über-, Unter- und Fehlversorgung führten und die
besonderen Bedürfnisse chronisch kranker Menschen nicht berücksichtigten.
Stolterfoht: "Das unkoordinierte Nebeneinander von ambulanter und
stationärer Versorgung, von Rehabilitation und Pflege sowie von Haus- und
Fachärzten wirkt sich ebenso kostentreibend wie qualitätsmindernd aus."
Ziel müsse es sein, dieses Nebeneinander durch die Entwicklung
integrierter Versorgungsformen zu überwinden. Dazu gehöre auch, dass die
Möglichkeiten der Kassen gestärkt werden, Verträge mit einzelnen
Leistungsanbietern abzuschließen. "Bei diesen Verträgen muss neben einer
Verbesserung der Wirtschaftlichkeit gerade auch auf die Qualität der
Leistungen abgestellt werden", mahnte Stolterfoht.
An der Fachveranstaltung nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter der
Ärzteschaft, der Krankenkassen sowie des Gesundheitsministeriums teil.
Leonhard Hansen, Zweiter Vorsitzender der Kassenärztlichen
Bundesvereinigung (KBV), räumte Defizite bei der Beteiligung von
Patientenvertretern an Entscheidungsprozessen im Gesundheitswesen ein,
verwies aber auch auf positive Ansätze wie etwa die
Kooperationsberatungsstellen für Selbsthilfegruppen und Ärzte in
Nordrhein-Westfalen. Auf Bundesebene hätten KBV und Bundesärztekammer vor
drei Jahren ein Patientenforum initiiert, in dem Dachorganisationen der
Ärzteschaft und der Selbsthilfe gleichberechtigt zusammen arbeiten.
"Patientenorganisationen können der allenthalben lauernden Gefahr der
Ökonomisierung entgegenwirken", sagte Hansen. Angesichts knapper Budgets
gebe es einen wachsenden Zwang, bei den Leistungen für gesetzlich
Versicherte Prioritäten zu setzen. Patientenvertreter, die in die Gremien
der gemeinsamen Selbstverwaltung eingebunden würden und beispielsweise mit
entscheiden müssten, welche Therapien in den Leistungskatalog der GKV
aufgenommen würden, dürften nicht als Feigenblatt zur Rationierung
instrumentalisiert werden, warnte Hansen.
Eva Walzik, Leiterin der Außenstelle Berlin des Verbands der
Angestellten-Krankenkassen (VdAK) und des Arbeiter-Ersatzkassen-Verbandes
(AEV) betonte, dass nur durch eine bessere Beteiligung der Patienten und
Patientinnen die Leistungsfähigkeit und Qualität des Gesundheitswesens
erhöht werden könne. "Überall dort, wo es um Fragen der
Leistungsbeschreibung und -beurteilung geht, sollte eine Beteiligung von
Patienten ermöglicht werden", sagte sie. Wichtiges Kriterium für eine
Beteiligung im Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen müsse die
krankheitsspezifische Betroffenheit der jeweiligen Patientenvertreter oder
-vertreterinnen sein. Nur so sei sichergestellt, dass Betroffene zu
Beteiligten würden.

Berlin/Frankfurt am Main, 22. November 2002
Dr. Ulrich Schneider,
*****************************


nach oben

--

< zurück --vorwärts > ↑ nach oben

Nicht bei Prävention und Rehabilitation sparen | 44. Aktion von „Brot für die Welt“