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ISSN 1610-0611
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Das deutsche Gesundheitssystem ist krank

Das deutsche Gesundheitssystem ist krank

Wir investieren in das deutsche Gesundheitssystem immer mehr Geld und dieses System wird immer mehr krank. Werden wenigstens die Menschen gesünder bei immer mehr Geld für die Krankenkassen? Die Deutschen geben bereits 14 Prozent dessen, was sie verdienen, für Krankheiten aus, sind aber nur mittelmäßig gesund.

Die neue und alte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt versucht in dieser Krise eine Notoperation: Nullrunde für Ärzte und Krankenhäuser, Rationalisierung bei den Krankenkassen, Rabatte auf Arzneimittel. Es wird nicht viel nützen. So kriegen wir den Patienten Gesundheitssystem nicht aus der Intensivstation. Sind die Ärzte schuld am kranken System oder machen uns gar die Krankenhäuser krank?

Viele Ärzte in Krankenhäusern sind übermüdet, ausgebrannt und schlecht bezahlt, hauptsächlich die jüngeren. Die Krankenhausbedingungen sind zum Teil schon so schlecht, dass der Marburger Bund, Europas größte Vertretung von Klinikärzten, bereits von Ausbeutung spricht. Ärztemangel in Krankenhäusern ist keine Seltenheit mehr. Gute Ärzte machen ihrer eigene Praxis auf und schielen auf lukrative Privatpatienten.



Unser früher ganz gut funktionierendes Gesundheitssystem ist - wie andere Bereiche auch - zu einem System von Partikularinteressen verkommen. Assistenzärzte werden häufig von hochbezahlten Chefärzten ausgebeutet, es wird viel zu viel und viel zu schlecht geröngt, es gibt viel zu viele Maschinen und viel zu wenig Handarbeit im deutschen Medizinsystem. Behandlung kommt aber von Hand und nicht von Maschine. Ärzte nehmen sich zu wenig Zeit für ihre Patienten und verschreiben zu schnell teure und oft nicht effiziente, sondern eher noch schädliche Arznei, wobei ernsthafte Nebenwirkungen einfach ignoriert werden. Millionen Pillen landen in Deutschland Jahr für Jahr zu Recht im Müll, nachdem die Patienten zu Hause die Beipackzettel studiert haben. Aber auch dieser Pharma-Müll muss bezahlt werden. Die Folgen vieler Schein-Innovationen sind kostspielig. Altbewährtes heilt oft besser. Patienten ahnen das und haben zu Naturheilverfahren häufig größeres Zutrauen als in modische Apparatemedizin.

Am meisten Mitschuld am kranken Gesundheitssystem und an der Kassenmisere sind freilich wir Patienten selbst. Wir rauchen zu viel, essen zu viel und trinken zu viel Alkohol. Alterdiabetes wird immer häufiger bei Kindern diagnostiziert. Schon jedes dritte zehnjährige Kind benötigt Psychopharmaka. Was machen Eltern und Lehrer falsch, wenn immer mehr immer jüngere Kinder psychisch krank werden? Oder viel zu dick? Zu viel Schokolade und Limonade macht zuckerkrank. In jeder Coca-Cola sind 12 Zuckerwürfel versteckt. Gesundheitlich wächst hier eine ähnliche





Katastrophe wie durch die fortschreitende McDonaldisierung. In deutschen Familien wird immer weniger selbst gekocht. Billiges Fastfood kommt uns teuer zu stehen. Im Jahr 2000 mussten in Deutschland 148 Milliarden Mark wegen falscher Ernährung aufgewendet werden. Eine solche Gesundheitsblase muss platzen. Sie ist zu teuer, sie macht krank und sie ist schon gar nicht zukunftsfähig.



Es ist überhaupt nicht einzusehen, dass die sich verantwortungsvoll Ernährenden die Krankheitskosten der verantwortungslosen Kettenraucher, Bierbäuche und Fastfood-Esser weiterhin mitfinanzieren sollen. Wie lange noch drücken sich Politiker um diese Wahrheiten? Wann endlich wird offen und ehrlich gesagt, dass das alte Gesundheitssystem gescheitert ist, weil es unehrlich, ja sogar unsozial ist? Es ist eher asozial, den Wählern vorzugaukeln, dass sie treiben können, was sie wollen, denn letztlich zahlt alles die Gemeinschaft.

Eine Sozialpolitik und eine Gesundheitspolitik, die diesen Namen verdienen, müssen endlich auf viel mehr Eigenverantwortlichkeit setzen und den Wählern die Wahrheit zumuten, dass wir für unsere Gesundheit oder für unsere Krankheit in erster Linie selbst verantwortlich sind. In dem wir zu viel essen, zu viel rauchen und uns zu wenig bewegen, richten wir nicht nur uns selbst zugrunde, sondern auch das gesamte Gesundheitssystem. Franz Alt
www.sonnenseite.com





Franz Alt hat das Buch geschrieben "Agrarwende jetzt - gesunde Lebensmittel für alle" (Goldmann Taschenbuch)





Am 13. November 2002 moderiert Franz Alt in 3Sat die "Grenzenlos"-Sendung:
"Machen Krankenhäuser krank?"



GRENZENLOS - DAS Drei-Länder-Magazin mit Franz Alt,
Mittwoch, 13.November 2002 , 20.15 - 21.00 in 3SAT





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