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ISSN 1610-0611
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Hunderttausende Kinder armutsbedingt krank

Gesundheit
Einschulungsuntersuchungen werden unterlaufen
ver.di PUBLIK: In Deutschland sind hunderttausende Kinder armutsbedingt
krank
Zwanzig Prozent der knapp drei Millionen sozial benachteiligten deutschen
Kinder und Jugendlichen sind krank. Aufgrund ihrer schlechten Versorgung
leiden sie vermehrt an Fehlernährung, Infektionskrankheiten und psychischen
Erkrankungen. Das berichtete die Gewerkschaftszeitung ver.di PUBLIK in ihrer
neuen Ausgabe. "Wir haben lange Zeit geglaubt, armutsbedingte Krankheiten
sind ein Problem des Auslands. Aber auch bei uns erkennt man, ob ein Kind in
einer sozialen Randlage groß wird", sagte Klaus Gritz, Präsident des
Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte der Gewerkschaftszeitung. Damit
diese Kinder nicht durch das soziale Netz fallen, fordert der Berufsverband
der Kinder- und Jugendärzte nun verstärkt Reihenuntersuchungen an
Kindertagesstätten und Schulen durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst.
Diese jedoch werden nach Recherchen von ver.di PUBLIK zunehmend abgebaut.
Laut Klaus Walter, Vorsitzender des Bundesverbandes der Ärzte des
Öffentlichen Gesundheitsdienstes, sei der Grund hierfür der Personalabbau
und eine Aufgabenverschiebung bei den Gesundheitsämtern. So seien in Bremen
seit 1998 zehn Prozent des Personals eingespart worden. Weiterer Abbau sei
geplant - schwerpunktmäßig in der kinderärztlichen Abteilung. Inzwischen
seien die Reihenuntersuchungen in Kindertagesstätten in vielen Bundesländern
weggefallen, zum Beispiel in Berlin. "Wir würden regelmäßige und
flächendeckende Reihenuntersuchungen ab dem Kindergartenalter zusätzlich zu
den jetzigen Untersuchungen begrüßen, doch angesichts unseres
Personalschlüssels wäre das leider gar nicht zu leisten", so Walter.
Hartmut Schirm von der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in
Göttingen verweist in ver.di PUBLIK auf die alarmierende Tendenz in
verschiedenen Bundesländern, sogar die Einschulungsuntersuchungen zu
unterlaufen: In Bayern würden sie nicht mehr von Ärzten allein, sondern in
der Regel von sozialmedizinischen Assistentinnen durchgeführt. Und in
Leverkusen solle der Check nur noch von niedergelassenen Ärzten gegen
Bezahlung angeboten werden - erst auf Nachfrage der Eltern untersuche das
Gesundheitsamt. "Der Abbau des schulärztlichen Dienstes bedeutet eine
massive Diskriminierung von sozial benachteiligten Kindern", so Schirm.

VER.DI
10.11.2002


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