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ISSN 1610-0611
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Diesel-Russfilter in Mercedes-PKW eingebaut


Greenpeace baut Diesel-Russfilter in Mercedes-PKW ein
Deutsche Autoindustrie lehnt Filter gegen Krebs erregende Abgase ab

Erstmals fuehrt Greenpeace heute an einem
gebrauchten Mercedes C 220 Diesel vor, dass Krebs ausloesender
Dieselruss schon lange aus den Abgasen deutscher PKW gefiltert werden
koennte. In Stuttgart praesentiert die Umweltschutzorganisation die
Wirkung einer nachtraeglich eingebauten Anlage, die nur noch ein
Zehntausendstel der Partikel aus dem Auspuff laesst: Auf dem
Filterpapier sind nur wenige Spuren zu sehen, das konventionelle
Vergleichsfahrzeug hinterlaesst dagegen einen schwarzen Fleck. Mit
diesem Projekt widerlegt Greenpeace die Behauptung der deutschen
Autohersteller, eine Nachruestung bereits ausgelieferter PKW sei nicht
machbar. Die Industrie weigert sich zudem, die verfuegbare Technik in
ihre neuen PKW einzubauen.

"Tausende Menschen sterben an Dieselkrebs. Die deutsche Autoindustrie
unternimmt nichts dagegen, obwohl sie die Technik kennt", sagt
Greenpeace Sprecher Wolfgang Lohbeck. "Die Autoindustrie muss alle
Diesel-Neuwagen mit Filtern auszustatten und aeltere Fahrzeuge
nachruesten. Jedes weitere Zoegern ist verantwortungslos." Die
Bundesregierung sollte die Nachruestung von Dieselfahrzeugen durch
Steuerverguenstigungen unterstuetzen.

Der Einbau in deutsche PKW wuerde keine wesentlichen Mehrkosten
verursachen. Greenpeace beauftragte den Rheinisch-Westfaelischen TUeV
(RWTUeV) in Essen, den Russfilter einzubauen. Es waren keinerlei
kostspielige Entwicklungen vonnoeten und es wurden nur handelsuebliche
Teile verwendet. Die Dosierungseinrichtung fuer den notwendigen
Kraftstoffzusatz stammt aus einem Gabelstapler, die Filteranlage von
der franzoesischen Firma PSA. Diese Filter werden bereits seit zwei
Jahren serienmaessig in einige Modelle von Citroën und Peugeot
eingebaut.

"Die Technik koennen sich die deutschen Autokonzerne von Gabelstaplern
und franzoesischen Autos abschauen. Aber schon das ueberfordert sie
offensichtlich. Stattdessen versprechen sie andere Loesungen fuer
morgen. Aber das Problem Dieselruss muss heute geloest werden", sagt
Lohbeck. Die deutsche Autoindustrie begruendet ihre Weigerung, die
Technik zu uebernehmen, mit dem Hinweis auf angeblich bessere, aber
erst zukuenftig verfuegbare Reinigungssysteme.

Deutsche Diesel-PKW stossen jedes Jahr fast 9000 Tonnen Russ aus. Er
verursacht jaehrlich mehrere tausend Todesfaelle durch Lungenkrebs und
wahrscheinlich ein mehrfaches davon an anderen Gesundheitsschaeden,
vorwiegend Herz-, Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Fuehrende
Experten, darunter der Sachverstaendigenrat der Bundesregierung,
betrachten die Partikel im Dieselruss als das wichtigste Problem der
Luftverschmutzung. Es ist die Anzahl der besonders kleinen
Russpartikel, die den Diesel so gefaehrlich macht. Diese haben in der
letzten Zeit nicht ab-, sondern zugenommen. Das liegt an einer
unvollstaendigen und teilweise hinderlichen Gesetzgebung, die nur zur
Filterung grober Russteilchen verpflichtet. Zum andern entstehen feine
Russpartikel durch hocheffektive Einspritztechniken in neueren
Dieselmodellen.



Wolfgang Lohbeck
Guenter Hubmann
Fabian Soesemann
Internet: www.greenpeace.de/auto.

26. September 2002


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