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ISSN 1610-0611
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Gen-Mais der Firma Syngenta ausser Kontrolle

Gen-Mais der Firma Syngenta ausser Kontrolle
Greenpeace deckt illegale Felder mit genmanipuliertem
Mais in Hessen auf

Frankfurt a. M./Woelfersheim, 19. 9. 2002 - Illegaler
Gen-Mais waechst nach neuen Recherchen von Greenpeace
auf mindestens drei Feldern in Woelfersheim
(Wetteraukreis/Hessen). Der Gen-Mais Bt-176 des
Saatgut-Konzerns Syngenta darf wegen
Sicherheitsbedenken nach geltendem Recht nur in
Verbindung mit begleitender Forschung angebaut werden.
Syngenta und das zustaendige Regierungspraesidium
Giessen wussten jedoch nichts ueber die
genmanipulierten Maisfelder, begleitende Forschung fand
nicht statt. Insbesondere Syngenta versaeumte zu
kontrollieren, wo ihre Gen-Saat angebaut wurde. Damit
sind die Felder illegal. Ende Juli spuerte Greenpeace
erstmals in der Region einen heimlichen und illegalen
Acker mit Syngenta-Mais auf.

"Die Gen-Industrie versagt bei der Kontrolle ihrer Gen-
Pflanzen", sagt Henning Strodthoff, Gentechnik-Experte
von Greenpeace. "Sie schert sich nicht einmal um
gesetzliche Auflagen und waelzt das Risiko auf
Landwirte, Verbraucher und die Umwelt ab. Die illegalen
Aecker zeigen erneut, dass Gen-Saatgut grundsaetzlich
nicht angebaut werden darf. Syngenta muss jetzt dafuer
sorgen, dass der Gen-Mais unschaedlich gemacht wird und
der Landwirt nicht auf dem Schaden sitzen bleibt."

Die Gen-Saat auf den hessischen Aeckern ist Teil der 50
Tonnen Gen-Saatgut, die das Bundessortenamt (BSA) in
Hannover zum Anbau in Deutschland zuliess. Der Gen-Mais
Bt-176, der in Woelfersheim waechst, stammt vermutlich
aus Restbestaenden des Saatgutes von letztem Jahr.
Bislang hat Syngenta nicht dafuer gesorgt, die
Bestaende kontrolliert zu beseitigen. Erst nach dem
letzten Skandal Ende Juli begann Syngenta, altes
Saatgut zurueckzurufen. Das Regierungspraesidium
leitete inzwischen ein Verfahren gegen die Firma ein.

"Der Konzern Syngenta vernachlaessigt seine Pflichten
straeflich. Der illegale Gen-Mais breitet sich
unkontrolliert aus und gelangt in Tierfutter und
eventuell sogar in Lebensmittel", sagt Strodthoff.
"Obwohl die grosse Mehrheit der Verbraucher und
Landwirte keine Gentechnik auf dem Acker und in
Lebensmitteln will, wird sie ihnen von der Gen-
Industrie fahrlaessig untergeschoben."

Der Mais Bt-176 bildet durch Genveraenderung ein
Insektengift, das jedoch nicht nur unerwuenschte
Insekten wie den Maiszuensler toetet, sondern zum
Beispiel auch die Raupen von Schmetterlingsarten
gefaehrdet. Zudem enthaelt der Bt-Mais ein Gen, das ihn
gegen Antibiotika widerstandsfaehig macht. Ueber
Tierfutter und Lebensmittel kommen Antibiotika-
Resistenzgene im Darm in Kontakt mit
Krankheitserregern, die ebenfalls immun gegen
Antibiotika werden koennen. Aerzte warnen davor, dass
die Behandlung von Patienten immer schwieriger wird, da
die Antibiotika durch die zunehmende Resistenzen
wirkungslos werden.



Gentechnik-Experte Henning Strodthoff
Ulrike Brendel

19. September 2002



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