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Hamburg: Tropenholz-Siegel

Hamburger Wirtschaftsbehörde lässt über Tropenholz-Siegel diskutieren
ROBIN WOOD warnt: Hamburger Regelung muss bleiben / Malaysisches Zertifikat
ist inakzeptabel

In Hamburg gibt es offenbar Bestrebungen, die Bestimmungen zur öffentlichen
Beschaffung von Tropenholz zu lockern. Für den heutigen Mittwoch hat die
Behörde für Wirtschaft und Arbeit der Hansestadt Vertreter von Handel,
Gewerkschaften, der technischen Zusammenarbeit und von Umweltverbänden in
die Wirtschaftsbehörde eingeladen, um über das malaysische Holz-Zertifikat
MTCC zu diskutieren. ROBIN WOOD warnt davor, Tropenholz ungesicherter
Herkunft in Hamburg wieder hoffähig zu machen.

Das Zertifikat wird von der Dachorganisation der malaysischen
Forstindustrie, dem Malaysian Timber Certification Council (MTCC), vergeben.
ROBIN WOOD hält dieses Industrie-Siegel für inakzeptabel, da es nicht
unabhängig kontrolliert wird, über die Köpfe der UreinwohnerInnen hinweg
eingeführt wurde und ihre Landrechte ignoriert.

Nach wie vor ist die Forstwirtschaft in Malaysia größtenteils weder
ökologisch nachhaltig noch sozial gerecht. Nach Angaben der
Welternährungsorganisation FAO geht jedes Jahr eine Waldfläche von 237.000
Hektar verloren. Ursache dafür ist der maßlose kommerzielle Holzeinschlag,
der von Günstlingen des malaysischen Regimes betrieben wird. In einem
verzweifelten Kampf wehrt sich die indigene Bevölkerung, etwa das
Waldnomadenvolk der Penan, gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen durch
die malaysische Forstindustrie.

ROBIN WOOD hatte bereits im Juni, als Vertreter des MTCC auf Werbetour in
Hamburg waren, deutlich gemacht, dass europäische und malaysische
Nichtregierungsorganisationen aus guten Gründen dieses Industriesiegel
ablehnen. In einem offenen Brief hatten sie Bürgermeister von Beust und
Wirtschaftssenator Uldall aufgefordert, den Senatsbeschluss vom 3.12.1996
weiterhin konsequent und uneingeschränkt umzusetzen. Demnach darf in Hamburg
Tropenholz nur dann bei öffentlichen Baumaßnahmen eingesetzt werden, wenn es
mit dem von Umweltorganisationen anerkannten Gütesiegel des Forest
Stewardship Council (FSC) ausgezeichnet ist.

"ROBIN WOOD hat jahrelang dafür gekämpft, dass sich die Hansestadt am
Raubbau in den Tropen nicht mitschuldig macht", erläutert Jens Wieting,
ROBIN WOOD-Tropenwaldexperte. "Wir können nicht nachvollziehen, warum jetzt
über ein Zertifikat diskutiert werden soll, dass von Umweltverbänden und den
Ureinwohnern Malaysias so deutlich abgelehnt wird. Wir erwarten, dass Beust
und Uldall sich für den Schutz der Tropenwälder stark machen und nicht
hinter bestehende Regelungen zurückfallen."

Ute Bertrand
Pressesprecherin
Hamburg, den 11. Dezember 2002


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