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Jeder zweite Seehund ist tot
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Jeder zweite Seehund ist tot
Frankfurt,Mehr als 20.000 tote Seehunde - das ist die traurige Bilanz der Seehundstaupe, die in diesem Sommer in Nord- und Ostsee wütete. Seit Juni waren Seehundjäger und die Mitarbeiter verschiedener Behörden und Naturschutzverbände im Einsatz, um tausende Tier-Kadaver einzusammeln. Allein im deutschen, dänischen und niederländischen Wattenmeer starben etwa 10.000 Tiere fast die Hälfte des Bestands. Mit dem Beginn der herbstlichen Witterung ist die weitere Ausbreitung der tödlich endenden Krankheit nach Auffassung der Umweltstiftung WWF offensichtlich abgeklungen. Grund für die Entwarnung: Die Seehunde verteilen sich in der kalten Jahreszeit zunehmend auf das offene Meer, die Ansteckungsgefahr durch das enge Nebeneinanderliegen auf den Sandbänken nimmt stark ab. „Zurzeit werden fast nur noch stark verweste Seehunde, die schon längere Zeit tot sind, gefunden“, stellt Hans-Ulrich Rösner, Wattenmeerexperte des WWF, fest. „Wir hoffen, dass die Seuche nun endlich zu Ende ist.“ Sicher könne man sich jedoch nicht sein - die Seuche könne nächstes Jahr erneut aufflammen, warnt Rösner. Dies sei jedoch nicht wahrscheinlich, denn viele der überlebenden Seehunde dürften inzwischen Antikörper gegen das Virus gebildet haben. Bereits 1988 kam es schon einmal zu einem ähnlich großen Seehundsterben: Damals erlagen etwa 18.000 Seehunde dem auch jetzt aufgetretenen Staupevirus PDV (Phocine Distemper Virus). Der Bestand erholte sich im Anschluss an die Epidemie sehr schnell, sodass es zu Beginn des Jahres 2002 sogar weit mehr Seehunde gab als vor dem Seehundsterben von 1988. Bei der Seehundstaupe handelt es sich um eine natürlich auftretende Krankheit. Ob sie, aus der Arktis kommend, die Seehunde in Nord- und Ostsee auf natürliche Weise erreichte, ist jedoch völlig unklar. Vor allem die hohe Todesrate unter den infizierten Seehunden ist nach Auffassung des WWF alarmierend und unter anderem auf eine vom Menschen verursachte Schädigung des Immunsystems zurückzuführen: Seehunde gleichen schwimmenden Schadstoffdeponien. Nach dem ersten Seehundsterben 1988 wurde nachgewiesen, dass bestimmte Schadstoffe das Immunsystem der Tiere beeinträchtigen, sodass sie wesentlich empfindlicher auf das Seehundstaupe-Virus reagieren. Sowohl 1988 als auch in diesem Jahr konnte man beobachten, dass Seehunde in den weniger mit Schadstoffen belasteten Gewässern vor Schottland und Norwegen nur in geringem Maße der Seuche zum Opfer fielen. Hans-Ulrich Rösner vergleicht die beiden Seehundepidemien von 1988 und 2002 vor allem unter dem Aspekt der Schadstoffbelastung: So sei die Belastung des Wassers mit Schadstoffen seit 1988 in der südlichen Nordsee und im Wattenmeer zurückgegangen. „Die Tatsache, dass 1988 noch rund 60 Prozent aller Seehunde im Wattenmeer hinweggerafft wurden, während in diesem Jahr ‚nur‘ knapp die Hälfte des Bestands starb, werten wir als Anzeichen für eine leichte Verbesserung der Schadstoffbelastung unserer Meere.“ Die bisherigen Tendenzen seien jedoch auf keinen Fall zufriedenstellend. Nach Meinung der Umweltschützer gelangen noch immer viel zu viele organische Schadstoffe wie PCBs , TBT oder bromierte Flammschutzmittel ins Meer.
WWF Deutschland 30. Oktober 2002 -
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