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ISSN 1610-0611
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Saatgut muss vor Gentechnik geschützt werden

Greenpeace: Saatgut muss vor Gentechnik geschuetzt werden

Diskurs Gruene Gentechnik an kommerziellen Interessen der Gen-Industrie gescheitert

Berlin, 3. 9. 2002 - Nach Ansicht von Greenpeace scheiterte der Diskurs zur Gruenen Gentechnik, den Bundesministerin Renate Kuenast (Gruene) heute in Berlin offiziell beendet, an den kommerziellen Interessen der Gentech- und Saatgut-Industrie. Diese stritt waehrend des Diskurses dafuer, herkoemmliches Saatgut mit Gen-Konstrukten in Hoehe von einem Prozent verunreinigen zu koennen. Auch nicht genehmigte und nur zu Testzwecken freigesetzte Gen-Pflanzen sollen nach ihren Vorstellungen als Verunreinigung zulaessig sein. Zudem weigerte sich die Industrie, vor einem grossflaechigen kommerziellen Anbau von genmanipulierten Pflanzen zu regeln, wer fuer Schadensfaelle wie die gentechnische Verunreinigung von Nachbarfeldern haftet. "Die Politik muss sich entscheiden: Agrarwende oder Gentech-Landwirtschaft", sagt Henning Strodthoff, Gentechnik-Experte von Greenpeace. "Die Gen-Industrie will einen Freibrief zur Verunreinigung des Saatguts und will so Bauern und Verbrauchern die Gentechnik unterschieben. Doch die grosse Mehrheit der Verbraucher und Landwirte will keine Gentechnik auf dem Acker und im Essen. Gleichzeitig scheut die Gen-Industrie Regeln zur Haftung wie der Teufel das Weihwasser." Greenpeace hat heute Bundesministerin Kuenast auf der Abschlussveranstaltung des Diskurses zusammen mit der Zukunftsstiftung Landwirtschaft die Petition "Save our Seeds" (Rettet unser Saatgut) ueberreicht. Sie wurde von 100 Verbaenden und ueber 30.000 Einzelpersonen unterschrieben. Die Petition richtet sich gegen die von der EU-Kommission vorgeschlagene Richtlinie (SANCO/1542/02), die eine Verunreinigung von Saatgut mit gentechnisch veraenderten Organismen zulaesst. Der Vorschlag sieht vor, dass 0,3 bis 0,7 Prozent des Saatguts gentechnisch verunreinigt sein duerfen, ohne die Saatgut-Verpackung zu kennzeichnen. "Wenn schon in jedem Sack Mais-Saatgut jedes zweihundertste Korn genmanipuliert ist, besteht die Gefahr, das kuenftig alle Lebensmittel und jedes Tierfutter verunreinigt sind. Dagegen muss Ministerin Kuenast vorgehen", fordert Henning Strodthoff.



Greenpeace fordert zudem, das Verursacherprinzip einzuhalten: Wer genmanipuliertes Saatgut oder Gen-Pflanzen auf den Markt bringt, muss fuer daraus entstehende Schaeden haften. Schaeden koennen zum Beispiel entstehen, wenn durch Pollenflug benachbarte Felder verunreinigt werden. Die Firmen, die kuenstliche Gen-Konstrukte vermarkten wollen, muessen deshalb einen Fonds einrichten, aus dem Schaeden gezahlt werden koennen. Das Verbraucherministerium wollte in dem Diskurs alle beteiligten gesellschaftlichen Gruppen an einen Tisch bringen, Argumente fuer und gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft und in Lebensmitteln diskutieren und Handlungsoptionen empfehlen. Beteiligt waren ueber 30 Organisationen: die Verbaende der Gentech-Industrie, des Lebensmittelhandels, der Bauern, Gewerkschaften sowie Entwicklungshilfe-, Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen.



Henning Strodthoff,
Carmen Ulmen

Internet: www.greenpeace.de/gentechnik


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