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ISSN 1610-0611
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Verbraucherschutz unterhalb der Nachweisgrenze

Verbraucherschutz unterhalb der Nachweisgrenze

foodwatch fordert neues Konzept zur Acrylamid-Minimierung
Umfrage zeigt Defizite

Während das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft sich mit dem „Acrylamid-Minimierungs-konzept“ auf einem guten Weg sieht, vermisst foodwatch konsequenten Verbraucherschutz. foodwatch stützt sich dabei auch auf eine repräsentative Umfrage, nach der sich große Teile der Bevölkerung von den Regierungs-maßnahmen nicht geschützt fühlen. „Das ‚Minimierungskonzept’ der Bundes-regierung setzt bei den schlechtesten Acrylamid-Werten an, anstatt die je-weils Acrylamid-ärmsten Herstellungsverfahren zur Richtschnur zu erklären“, kritisiert foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode und fordert, alle verfügbaren Messwerte samt Produktnamen unverzüglich und bundesweit zu veröffentli-chen. foodwatch sieht zudem großen Spielraum für die Politik, um Nah-rungsmittelhersteller zu schnellerem Handeln zu bewegen.
In der repräsentativen Meinungsumfrage, die vom Meinungsforschungsinsti-tut INRA im Auftrag von foodwatch durchgeführt wurde1, gaben weniger als die Hälfte der Befragten (42 Prozent) an, von Acrylamid gehört zu haben. Von diesen halten mehr als zwei Drittel (68 Prozent) den Stoff für gesund-heitlich bedenklich, 15 Prozent halten ihn für nicht bedenklich. Von denen, die sich Sorgen wegen ihrer Gesundheit machen, fühlten sich weniger als ein Viertel (23 Prozent) durch die Maßnahmen der Regierung geschützt, zwei Drittel hingegen (66 Prozent) fühlen sich nicht geschützt. „Die Regierung ig-noriert ihren Schutzauftrag“, kommentiert Thilo Bode die Befragungsergeb-nisse.
Das Minimierungskonzept der Bundesregierung arbeitet mit Warengruppen-bezogenen „Signalwerten“. Bei Überschreitungen dieser – nach Einschätzung von foodwatch sehr hoch angesetzten - „Signalwerte“ werden die Hersteller 1 INRA Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung GmbH, telefonische Befragung
vom 25.-29. November 2002 von 930 Bundesbürgern ab 18 Jahre Seite 1 von 2 Seite 2 Pressemitteilung „Verbraucherschutz unterhalb der Nachweisgrenze“ 4.12.2002
und die zuständigen Behörden der Bundesländer informiert und zu Minimie-rungsschritten aufgefordert. Ebenso wird bei Acrylamid-Messwerten von über 1.000 µg/kg und bei den jeweils zehn Prozent am höchsten mit Acrylamid belasteten Produkten aus jeder Warengruppe verfahren. Da die Messwerte nicht produktbezogen veröffentlicht werden, entsteht kein Druck auf die Her-steller, sich zu beeilen. In Tierversuchen hat sich Acrylamid als krebserregend und erbgutschädigend erwiesen.
foodwatch fordert wirkungsvolle Maßnahmen
Angesichts der Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung müssen Behörden und Produzenten schnellstens handeln, foodwatch fordert:
1. Produktbezogene Veröffentlichung - wie in Schweden oder Großbritannien bereits Praxis - bzw. Etikettierung und entsprechende Kommentierung aller Messergebnisse. Dadurch entsteht effektiver Druck auf die Hersteller, die Ac-rylamid-Belastungen rasch zu senken und die Möglichkeit für Verbraucherin-nen und Verbraucher, die am wenigsten belasteten Produkte zu kaufen.
2. Die Hersteller mit den niedrigsten Acrylamid-Werten müssen zum Maßstab für das Minimierungskonzept werden. Hieran sind die Vorschriften für eine „Gute Herstellungspraxis“ auszurichten.
3. Bei der Umsetzung der Strategie muss die Bundesregierung ihre Hand-lungsspielräume konsequent nutzen. Die EU-Kontaminanten-Verordnung von 1993 sowie die „Glykol-Entscheidung“ des Bundesverfassungsgerichtes vom Juni 2002 stellen wichtige Anknüpfungspunkte dar.
„Die Verbraucher erwarten von der Bundesregierung, dass sie ihr eigenes Regierungsprogramm auch umsetzt, nach dem der gesundheitliche Verbrau-cherschutz absoluten Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen hat“, resümiert Thilo Bode.





foodwatch e.V.
Carsten Direske
direske@foodwatch.de
Berlin, 4.12.2002


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