12.08.2002 WHO befürchtet Gesundheitsschäden durch hormonelle Schadstoffe
WWF fordert endlich mehr Schutz für Verbraucher Gefährliche hormonell wirksame Chemikalien, die zu Missbildungen bei Tieren führen, können auch die menschliche Gesundheit schädigen. Zu diesem Ergebnis kommt ein heute veröffentlichter Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO).Viele in der letzten Zeit festgestellten Gesundheitsschäden und Erkrankungen sind wahrscheinlich auf hormonelle Schadstoffe zurückzuführen, so der WHO-Bericht.
„Nicht nur Lebensmittel, sondern auch viele Konsumartikel wie z.B. Elektronikartikel, Plastikflaschen, Konservendosen, Wegwerfwindeln oder Gartenschläuche enthalten Zusatzstoffe wie bromierte Flammschutzmittel oder Weichmacher, die in das Hormonsystem von Mensch und Tier eingreifen können. Sie schädigen insbesondere die Fortpflanzung und die Entwicklung des Kindes im Mutterleib“, sagte Patricia Cameron vom WWF.
Viele beim Menschen auftretende Schäden werden vermutlich durch hormonelle Schadstoffe hervorgerufen. Hierzu zählen Geburtsfehler, Erkrankungen des Eierstocks (wie z.B. Endometriose), Schädigungen der Gehirnentwicklungen, Brust-, Hoden- und Prostatakrebs sowie Beeinträchtigungen des Immunsystems. Außerdem gehören dazu Fortpflanzungsstörungen, wie z.B. ein verändertes Geschlechterverhältnis bei Neugeborenen (weniger Jungen), verminderte Spermienqualität und verringerte Spermienzahlen. Es kann jedoch noch viele Jahre dauern, bis man sich über die zugrunde liegenden Mechanismen im klaren ist und Beweise für einen direkten Zusammenhang vorliegen. Dennoch bestätigt der WHO-Bericht, dass die vielerorts festgestellten Veränderungen der menschlichen Gesundheit zu großer Besorgnis Anlass geben, so dass die Forschung auf diesem Gebiet dringend verstärkt werden muss.
„Wir können nicht so lange warten, bis auch der letzte wissenschaftliche Beweis für die Schädigungen durch hormonelle Schadstoffe erbracht wird und die zugrunde liegenden Mechanismen restlich aufgeklärt werden. Wir fordern ein Verbot für den Einsatz hormoneller Schadstoffe, strenge Kontrollen bei der Zulassung von neuen Chemikalien auf hormonelle Wirksamkeit und die Anwendung des Vorsorgeprinzips“, sagte Patricia Cameron. Es lagen schon viele Jahrzehnte lang Beweise dafür vor, dass Rauchen Krebs verursacht, bevor man wusste, wie dieses zustande kommt. Noch immer weiß man nicht genau, warum DDT bei Vögeln dünnere Eischalen verursacht und erliess dennoch eine weltweites Verbot.
Der WHO-Bericht geht detailliert auf diverse Schäden im Tierreich ein, die durch hormonell wirksame Chemikalien hervorgerufen werden. Hierbei werden das Imposex-Phänomens bei verschiedenen Schneckenarten (den Weibchen wachsen Penisse), die Zwittrigkeit bei Fischen (Männchen produzieren Eier oder in den Hoden wächst Eierstockgewebe), die verkleinerten Penisse bei Alligatoren, sowie Effekte auf das Immunsystem und die Fortpflanzungsfähigkeit von Säugetieren benannt.
Patricia Cameron, WWF Deutschland
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