Ina Mierig

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Premèr:
Allgemeine Aufforderung zu Rudern, der erste Schlag, der das Boot in Bewegung setzt.

Die Zeit steht still. Sämtliche Betriebsamkeit auf den Kanälen ist plötzlich eingeschlafen, die Bars sind überfüllt und wer es dort nicht aushält der wandert mit einem kleinen Radio am Ohr an einer Fondamenta entlang, ketterauchend und konzentriert. Auf der Isola di S.Elena, der einzigen Insel Venedigs mit einem Sportplatz, spielt der Fußballverein Venedig gegen Mestre . Vier Stunden später wird der Schalter plötzlich umgelegt. Lärmend befahren, eifrig buhlen Taxifahrer. Vaporetti, die Wasserbusse, fahren vor, legen an, drängen mit Ihren quengelnden Hupen alles aus dem Hauptfahrwasser. Nachdem die Koffer verstaut und ein Einreihen an Bord stattgefunden hat, läßt man den Blick kreisen und entdeckt sehr schnell das, was neben einigen Attributen ein besonders einzigartiges für die schon oft
beschriebene Göttin, die Serennissima ist: Die Gondeln. Eingereiht an Pfählen liegen da und dort, zehn bis zwanzig nebeneinander. Manchmal stößt eine, unvermutet rückwärts, schnell aus Ihrem Parkplatz, der Gondoliere behende und geübt, dreht das Boot in Fahrtrichtung und rudert, parallel zum Vaporetto. Das beide sich nicht besonders mögen, ist historisch bedingt und bis heute nicht vergessen. Als 1881 das erste Vaporetto auf dem Canal Grande fuhr, protestierten die Gondolieri laut und heftig. Seit dieser Zeit haben Sie und Ihre Boote sich deutlich mehr weiter entwickelt, als Ihre motorisierten ,,Partner“. Sie lernten, Ihre Rudertechnik auf den Schwell umzustellen und die Gondelbauer richteten die Steigung von Bug und Heck auf den neuen Wellengang ein.

Um Seine Gondel proberudern zu dürfen, treffe ich Fabio, am traditionellem Treffpunkt zwischen den beiden Säulen auf dem Markusplatz. Fabio ist die einzige Ausnahme der Zunft, denn er ist sowohl Führer eines schnittigen Wassertaxi‘s und ebenso Gondoliere. Nach dem Passieren der Rialtobrücke ruft er einem Gondoliere zu: »Beeil Dich gefällig und schone das Boot« und zu dem Nachfolgenden» Steh nicht so da, wie ein nasser Sack«. Grinsend erklärt er mir, das der erste Sein Schwager mit Seiner neusten Gondel, der zweite Sein Neffe und Seine zweite Gondel waren. Wir fahren zu seiner dritten und wenn ich wollte könne er mir auch noch andere zeigen. Die als offiziell in Venedig genannte Zahl der 420 registrierten Gondeln kann also durchaus in Frage gestellt werden.
Eines voraus, denn der genaue Beobachter und Liebhaber von Booten entdeckt es schnell: Gondeln haben Vorfahrt ! Ehrfürchtig stoppt jedes motorisierte Boot, eben auch Fabio und selbst die Ambulanz verringert Ihr Tempo, wenn in einem der engen Kanäle das Aufblitzen des imposanten Bugbeschlages, der ,,Ferro“ wahrgenommen wird.

Ina Mierig

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