Ina Mierig

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Tirär agua:
Der Riemen wird freihändig vertikal zum Körper hin gezogen, der Bug bewegt sich nach rechts.

Der eilige Besucher Venedigs wird selten zu Gesicht bekommen, daß Gondeln mit bis zu sechs Ruderern zügig an der Kaimauer vorbeiziehen, dennoch sind solche Bilder öfter Wochen vor der Regatta Storica, immer am ersten Wochenende im September und der legendären Demo gegen Motorboote, immer im Mai zu sehen. Die ,,Vogalonga" nennt man diese Demonstration und da kann jeder mitmachen. Artig kleiden sich die ,,schönsten Männer Venedigs", denn diesen legendären Ruf haftete jedem Gondoliere an, in traditionelle Kleidung, der weißen Hose und dem Hemd in Vereinsfarben. Zum Angedenken tragen einige weiße runde Mützchen mit Pompons oben auf, die alten Gondolierehüte. Wagen Sie nie zu lächeln, sollte Ihnen ein schwer beleibter Venezianer erzählen, er gehöre immer noch zu den besten Ruderern. Denn auf dem Boot verwandelt sich der dicke Klops zum fast eleganten Schwan und das jugendliche Lächeln verdrängt

siegreich die sonst typisch italienischen Art der Ubertreibung. Die 35 Kilometer lange Strecke bewältigen aber nicht nur ,,altgediente Hasen", auch Ausländer, die es manchmal spät zur Liebe zum ,,Voga alla Veneta" trieb, dürfen mit. Eine Freundin aus Holland, Judith, mit Ihrem achtzehn Jahre altem Sandolo, dessen marode Bordwände sich beim kräftigem Ruderschlag einbogen, bewältigte die Strecke in Rekordzeit. Und meine Mitbewohner Massimo, Luca, Tiberio und Tommi haben ebenfalls ein Diplom für die Teilnahme erhalten. Nach zwei Forcolebrüchen und dem Verlust eines Riemens, bat man Seitens der Wettbewerbsleitung um die Aufgabe, da man bereits in den frühen Abendstunden anderes geplant hatte. Sie schossen als allerletzte nach dem Sonnenuntergang ins Ziel «Des Spaßes und der Ehre halber». Wohl zurecht besteht der Stolz auf eine wunderschöne Rudertechnik und die Liebe zu all den eigenwilliaen Bootstypen, wie eben auch die zu einer venezianischen Gondel.

Ina Mierig

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