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ISSN 1610-0611
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Ein Trauerzug für den Kabeljau

WWF fordert EU-Fischereiminister auf, die Zukunft von Fischen und Fischerei zu sichern

Frankfurt a. M., 23.09.02: Der WWF trägt am heutigen Montag, den 23.09.02, den Kabeljau zu Grabe. Dem letzten Kabeljau und der Kabeljau verarbeitenden Industrie geben außer den Umweltschützern auch Poseidon und zahlreiche Trauernde von Land und Meer das letzte Geleit.

Anlass des Trauerzuges ist die Tagung der Agrar- und Fischereiminister der EU in Brüssel. Diese haben bisher ihre Chancen vertan, die Fischereigesetze zu
reformieren. Der WWF fordert, die Fischbestände schonend zu bewirtschaften, um den Fischen und der Fischindustrie langfristig das Überleben zu sichern.

Wissenschaftler berichten, dass die Zahl der fortpflanzungsfähigen Kabeljaue in der Nordsee geringer denn je ist. Von der derzeitigen Befischung kann sich die Art
hier nicht wieder erholen. Gleiches gilt für die irische See, das baltische Meer und den Kattegat. Vor zehn Jahren bereits brach der Kabeljaubestand im östlichen Atlantik vor Kanada zusammen und hat sich in diesem Gebiet nie wieder erholt.
Das Schicksal des Kabeljaus wird von anderen Fischarten geteilt. Akut bedroht sind der Schellfisch in der irischen See, die Scholle in der Nordsee, Seezunge, Stöcker, Seeteufel und andere Meerestiere.

Auf dem Weltgipfel in Südafrika hatten sich die Regierungschefs der EU im vergangenen Monat dafür ausgesprochen, für nachhaltige Fischerei zu sorgen, die
Fischbestände wiederherzustellen und Subventionen für Überfischung zu streichen. Jaques Chirac erklärte in Johannesburg, die Natur sei ausgebeutet und nicht mehr im Stande, sich zu erholen. Er versprach, dass Frankreich die Vereinbarungen von Johannesburg vorrangig umsetzen werde. Der portugiesische Premierminister Barroso sagte: „Ozeane, Ökosysteme und Ressourcen werden in alarmierender Geschwindigkeit erschöpft. Unser Umgang mit Meeren und Küsten muss dringend verbessert werden.“ Der WWF sieht aber einen krassen Widerspruch zwischen den Versprechen der Regierungschefs in und der Haltung ihrer Minister:
„Ich hoffe die Fischerei Minister hören auf ihre Regierungsführer und geben ihre ablehnende Haltung zu den sowieso schon bescheidenen Reformvorschlägen der EU Kommission auf“, sagt Tony Long, Direktor des europäischen WWF-Politikbüros in Brüssel.

Bis jetzt verabschiedeten die europäischen Regierungsführer nur eine halbherzige Zusage: In der Gothenburg Vereinbarung vom Juni 2001 erklärten sie, in der
Fischereipolitik 2002 sollte die EU die starke Befischung an den verfügbaren Ressoucen ausrichten.

Das Kabeljau-Begräbnis soll den europäischen Politikern eine klare Botschaft vermitteln: Stoppt die Überfischung oder das Ende der Fischerei ist nah.

WWF Deutschland
Rebstöcker Straße 55
60326 Frankfurt


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