Titel Hamburg Initiativen Hamburg-Termine Inland International Magazin Archiv Suchen
International:
International


Themen:
EU
  EP: Abtreibungen legal
Umwelt & Natur
Mensch & Tier
Report
Krieg & Frieden • Menschen- u. Bürgerrechte
  IOM-Press (deutsch)
  IOM-Press (english)
  IMK
Presse- u. Informationsfreiheit
Initiativen
  IPPNW
  GfbV
  terre des hommes
  Amnesty
  attac
  DFG-VK
  Hilfe für Kinder
  Ärzte ohne Grenzen


Service:
Impressum
ISSN 1610-0611
Information
Intern
Newsletter
Archiv


Erste Menschenrechtskonferenz in Srebrenica:

Erste Menschenrechtskonferenz in Srebrenica - Appell an europäische Regierungen

GESELLSCHAFT FÜR BEDROHTE VÖLKER INTERNATIONAL
Offener Brief an alle Regierungschefs der Europäischen Union,
der Schweiz und der EU-Beitrittskandidaten

Erste Menschenrechtskonferenz in Srebrenica:
Delegierte aus sechs europäischen Ländern
fordern Autonomie und Ende der Apartheidspolitik

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

wir schreiben Ihnen zum Abschluss der
Jahreskonferenz der Gesellschaft für bedrohte
Völker International (GfbV) in Srebrenica.
Delegierte von sechs unserer Sektionen aus
europäischen Ländern haben sich Anfang dieser
Woche am Schauplatz der furchtbarsten
Kriegsverbrechen in Europa seit Stalin und
Hitler getroffen.

Wir waren Gäste jener wenigen hundert
Überlebenden des Genozids, die es gewagt haben,
in ihre Heimatstadt und die unwegsamen
Bergdörfer der Großgemeinde Srebrenica
zurückzukehren. Diese Menschen leben in
täglicher angst vor den Drohungen und Schikanen
der Behörden und Polizei des serbisch-bosnischen
Teilstaates Republika Srpka. Sie sind fast
ausnahmslos arbeitslos. Srebrenica ist eine fast
tote Stadt. Darunter leidet auch die serbische
Bevölkerung (früher 25 % der Einwohner). Der
Hohe Repräsentant der Internationalen
Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina hat
seine Mitarbeiter ebenso zurückgezogen wie die
OSZE und die meisten humanitären Organisationen.
Die Sfor gewährt völlig unzureichenden Schutz
täglich jeweils nurf bis um 15 Uhr. Der Abzug
der Internationalen Polizei IPTF steht bevor.

In den umgebenden Bergdörfern fühlen sich die
Rückkehrer von Europa verlassen. Sie vegetieren
überwiegend in Zelten und Bretterverschlägen,
haben kein Einkommen und in der Regel nicht
einmal landwirtschaftliche Geräte und Vieh, so
gut wie keine ärztliche Betreuung und keine
Schulen für die Kinder.

Die Regierenden Europas haben in Srebrenica
völlig versagt, obwohl europäische Truppen es
ermöglicht haben, dass serbische Einsatzgruppen
1995 Männer, Frauen und Kinder selektierten und
bei Massenhinrichtung mehr als 8.000 Knaben und
Männern töteten. Die europäischen
Regierungschefs haben ihre Verantwortung für die
Miteuropäer Srebrenicas nach dem Krieg an die
Täter delegiert. An den Exekutionen unter dem
Kommando des General Ratko Mladic und der
Verantwortung von Radovan Karadzic haben sich
Hunderte an den Exekutionen beteiligt. Darüber
hinaus hat Europa die Vernichtung von über
200.000 Kindern, Frauen und Männern, zu 90 %
bosnische Muslime, belohnt. Genau jene Regionen,
in denen der Genozid geschah, wurden zur
Republika Srpska erklärt. Sie wird bis heute
maßgeblich von der serbischen Extremistenpartei
SDS regiert, die nach wie vor Kontakte zu ihrem
Gründer Karadzic unterhält. Europas Regierung
haben diesen mutmaßlichen Kriegsverbrecher nie
ernsthaft verfolgen lassen.

Die Überlebenden von Srebrenica haben keine
wirkliche Chance auf Rückkehr in die serbische
Teilrepublik. Dort machen Nichtserben, früher 50
% der Bevölkerung, nur noch ganze 5 % aus. Die
Rückkehrpolitik der so genannten Internationalen
Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina ist völlig
gescheitert, weil sie den Rückkehrern weder
Sicherheit noch spürbare ökonomische Hilfe
gewährt hat. Da helfen auch unzutreffende
Erfolgsmeldungen über immer wieder neue
Rückkehrströme nicht.

Serbische Militärs und Politiker, die heute vom
Kriegsverbrechertribunal in Den Haag des
Genozids in und der Aggression gegen Bosnien und
Herzegowina angeklagt sind, haben die UN-
Schutzzone von Srebrenica im Blute der Erschosse
nen ertränkt. Das darf nicht das letzte Wort Europas sein. Deshalb bitten wir
Sie, treten Sie dafür ein, nach dem Beispiel Brckos einen Autonomen Distrikt
Srebrenica zu schaffen. Unterstellen Sie diesen Distrikt der Zentralregierung
und stärken Sie deren Kompe-tenzen. Initiieren Sie ein internationales
Wiederaufbau- und Wirtschaftsprogramm für den Distrikt, das beiden,
muslimischen und serbischen Bosniern, zu gute kommt. Beenden Sie die
Apartheidpolitik in Bosnien-Herzegowina. Geben Sie den Menschen Sicherheit.
Entfernen Sie Extremisten und Kriegsverbrecher aus ihren Ämtern.

Niemand von uns kann verstehen, dass europäische Politik toleriert und ständig
aktiv dazu beiträgt, dass in Bosnien-Herzegowina durch Gewalt ethnische Käfige
aufrechterhalten werden, während in allen europäischen Ländern Menschen
verschiedener Nationalität und Konfession zusammenleben.

Mit freundlichen Grüssen und der herzlichen Bitte zu handeln
gez. Ihre

Gesellschaft für bedrohte Völker -
International, Tilman Zülch (z.Zt. in Bosnien
erreichbar unter Tel. 0172 5620 523)
Sektion Bosnien-Herzegowina, Fadila Memisevic
Sektion Deutschland, Francoise Geiger
Sektion Italien, Wolfgang Mayer, Mateo Taibon
Sektion Luxemburg, Andre Rollinger
Sektion Österreich, Hans Bogenreiter
Sektion Schweiz, Hanspeter Bigler



=============================
Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
Postfach 2024, D-37010 Goettingen
=============================
16. Oktober 2002


nach oben

--

< zurück --vorwärts > ↑ nach oben

EU-weiter Emissionshandel Widerspruch | Deutschland blockiert Richtlinie