 |
|
 |
 |
 |
 |
Erste Menschenrechtskonferenz in Srebrenica:
|
|
|
Erste Menschenrechtskonferenz in Srebrenica - Appell an europäische Regierungen
GESELLSCHAFT FÜR BEDROHTE VÖLKER INTERNATIONAL Offener Brief an alle Regierungschefs der Europäischen Union, der Schweiz und der EU-Beitrittskandidaten
Erste Menschenrechtskonferenz in Srebrenica: Delegierte aus sechs europäischen Ländern fordern Autonomie und Ende der Apartheidspolitik
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
wir schreiben Ihnen zum Abschluss der Jahreskonferenz der Gesellschaft für bedrohte Völker International (GfbV) in Srebrenica. Delegierte von sechs unserer Sektionen aus europäischen Ländern haben sich Anfang dieser Woche am Schauplatz der furchtbarsten Kriegsverbrechen in Europa seit Stalin und Hitler getroffen.
Wir waren Gäste jener wenigen hundert Überlebenden des Genozids, die es gewagt haben, in ihre Heimatstadt und die unwegsamen Bergdörfer der Großgemeinde Srebrenica zurückzukehren. Diese Menschen leben in täglicher angst vor den Drohungen und Schikanen der Behörden und Polizei des serbisch-bosnischen Teilstaates Republika Srpka. Sie sind fast ausnahmslos arbeitslos. Srebrenica ist eine fast tote Stadt. Darunter leidet auch die serbische Bevölkerung (früher 25 % der Einwohner). Der Hohe Repräsentant der Internationalen Gemeinschaft in Bosnien und Herzegowina hat seine Mitarbeiter ebenso zurückgezogen wie die OSZE und die meisten humanitären Organisationen. Die Sfor gewährt völlig unzureichenden Schutz täglich jeweils nurf bis um 15 Uhr. Der Abzug der Internationalen Polizei IPTF steht bevor.
In den umgebenden Bergdörfern fühlen sich die Rückkehrer von Europa verlassen. Sie vegetieren überwiegend in Zelten und Bretterverschlägen, haben kein Einkommen und in der Regel nicht einmal landwirtschaftliche Geräte und Vieh, so gut wie keine ärztliche Betreuung und keine Schulen für die Kinder.
Die Regierenden Europas haben in Srebrenica völlig versagt, obwohl europäische Truppen es ermöglicht haben, dass serbische Einsatzgruppen 1995 Männer, Frauen und Kinder selektierten und bei Massenhinrichtung mehr als 8.000 Knaben und Männern töteten. Die europäischen Regierungschefs haben ihre Verantwortung für die Miteuropäer Srebrenicas nach dem Krieg an die Täter delegiert. An den Exekutionen unter dem Kommando des General Ratko Mladic und der Verantwortung von Radovan Karadzic haben sich Hunderte an den Exekutionen beteiligt. Darüber hinaus hat Europa die Vernichtung von über 200.000 Kindern, Frauen und Männern, zu 90 % bosnische Muslime, belohnt. Genau jene Regionen, in denen der Genozid geschah, wurden zur Republika Srpska erklärt. Sie wird bis heute maßgeblich von der serbischen Extremistenpartei SDS regiert, die nach wie vor Kontakte zu ihrem Gründer Karadzic unterhält. Europas Regierung haben diesen mutmaßlichen Kriegsverbrecher nie ernsthaft verfolgen lassen.
Die Überlebenden von Srebrenica haben keine wirkliche Chance auf Rückkehr in die serbische Teilrepublik. Dort machen Nichtserben, früher 50 % der Bevölkerung, nur noch ganze 5 % aus. Die Rückkehrpolitik der so genannten Internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina ist völlig gescheitert, weil sie den Rückkehrern weder Sicherheit noch spürbare ökonomische Hilfe gewährt hat. Da helfen auch unzutreffende Erfolgsmeldungen über immer wieder neue Rückkehrströme nicht.
Serbische Militärs und Politiker, die heute vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag des Genozids in und der Aggression gegen Bosnien und Herzegowina angeklagt sind, haben die UN- Schutzzone von Srebrenica im Blute der Erschosse nen ertränkt. Das darf nicht das letzte Wort Europas sein. Deshalb bitten wir Sie, treten Sie dafür ein, nach dem Beispiel Brckos einen Autonomen Distrikt Srebrenica zu schaffen. Unterstellen Sie diesen Distrikt der Zentralregierung und stärken Sie deren Kompe-tenzen. Initiieren Sie ein internationales Wiederaufbau- und Wirtschaftsprogramm für den Distrikt, das beiden, muslimischen und serbischen Bosniern, zu gute kommt. Beenden Sie die Apartheidpolitik in Bosnien-Herzegowina. Geben Sie den Menschen Sicherheit. Entfernen Sie Extremisten und Kriegsverbrecher aus ihren Ämtern.
Niemand von uns kann verstehen, dass europäische Politik toleriert und ständig aktiv dazu beiträgt, dass in Bosnien-Herzegowina durch Gewalt ethnische Käfige aufrechterhalten werden, während in allen europäischen Ländern Menschen verschiedener Nationalität und Konfession zusammenleben.
Mit freundlichen Grüssen und der herzlichen Bitte zu handeln gez. Ihre
Gesellschaft für bedrohte Völker - International, Tilman Zülch (z.Zt. in Bosnien erreichbar unter Tel. 0172 5620 523) Sektion Bosnien-Herzegowina, Fadila Memisevic Sektion Deutschland, Francoise Geiger Sektion Italien, Wolfgang Mayer, Mateo Taibon Sektion Luxemburg, Andre Rollinger Sektion Österreich, Hans Bogenreiter Sektion Schweiz, Hanspeter Bigler
============================= Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV) Inse Geismar, Pressereferentin Postfach 2024, D-37010 Goettingen ============================= 16. Oktober 2002
|
nach oben
--< zurück
•--vorwärts >
↑ nach oben
|
EU-weiter Emissionshandel Widerspruch | Deutschland blockiert Richtlinie
|
|