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"Wirtschaftspartnerschaftsabkommen"
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Entwicklung statt Freihandel
Nichtregierungsorganisationen fordern sozial und oekologisch nachhaltige Wirtschaftsabkommen zwischen der EU und den AKP-Staaten
Am 27. September 2002 nehmen in einer offiziellen Feierstunde in Bruessel die EU und die 77 Laender Afrikas, der Karibik und des Pazifiks (die AKP- Staaten) Verhandlungen ueber neue Handels- und Investitionsliberalisierungsabkommen, die sog. “Wirtschaftspartnerschaftsabkommen”, auf. Das entwicklungspolitische Kinderhilfswerk terre des hommes und die Organisation WEED (Weltwirtschaft, Oekologie & Entwicklung) setzen sich dafuer ein, dass neue Handelsregeln dazu beitragen, eine oekologisch nachhaltige und sozial gerechte Entwicklung in den AKP- Staaten durchzusetzen. Das vorliegende Verhandlungsmandat der europaeischen Kommission ordnet allerdings das Ziel der Armutsbekaempfung dem Primat gegenseitiger Handelsliberalisierung unter und dient damit in erster Linie der Durchsetzung der wirtschaftlichen Eigeninteressen der EU. Dazu erklaert Dr. Klaus Schilder, WEED-Projektreferent fuer EU-Nord-Sued-Politik: “Es ist zu bezweifeln, dass der Vorschlag der EU, bis Ende 2007 regionale Freihandelsabkommen mit den AKP-Staaten zu schliessen, den AKP- Staaten nuetzen wird. Ganz im Gegenteil: Produzenten und Exporteure in der EU werden erheblich profitieren, da die neuen Freihandelsabkommen ihnen zollfreien Zugang zu den Maerkten der AKP-Staaten sichern.”
terre des hommes und WEED fordern, dass die Verhandlungsparteien jetzt klare Prinzipien und Zielvorgaben formulieren, anhand deren im weiteren Verlauf der Verhandlungen ueberprueft werden kann, ob die angestrebten Abkommen tatsaechlich die genuin entwicklungspolitischen Zielvorgaben des Cotonou-Abkommens unterstuetzen. Dazu zaehlt insbesondere, dass die EU sich verpflichten sollte, allen AKP-Staaten bereits waehrend der Verhandlungen zoll- und quotenfreien Marktzugang fuer alle Waren zu gewaehren, unterstuetzt von zielgerichteten und umfassenden Programmen zur Staerkung der Produktions- und Angebotskapazitaeten, deren Fehlen einer schnellen wirtschaftlichen Entwicklung in vielen Staaten entgegensteht. Beide Organisationen fordern zudem, endlich die externen Folgen der Reform der europaeischen Agrarpolitik (GAP) fuer die kleinbaeuerlichen Produzenten in den AKP-Staaten zu beruecksichtigen. “Die dramatischen Auswirkungen der perversen Subventionspolitik in der europaeischen Landwirtschaft auf die AKP- Produzenten muessen endlich ein Ende haben. Neue und faire Handelsabkommen sollten die regionalen Maerkte der AKP-Staaten vor der unfairen Konkurrenz aus Europa schuetzen, bis diese konkurrenzfaehig sind”, urteilt Dr. Peter Eisenblaetter von terre des hommes.
Um die Kohaerenz mit entwicklungspolitischen Zielen zu gewaehrleisten, sollten zudem vor Beginn der Detailverhandlungen umfassende Nachhaltigkeitsstudien erstellt werden, die die finanziellen, oekologischen und sozialen Konsequenzen neuer Handelsliberalisierungen untersuchen und Loesungsansaetze praesentieren. Besonders die aermsten AKP-Staaten, in denen 60% der Bevoelkerung leben, sind kaum auf die OEffnung ihrer Maerkte fuer Waren, Investitionen und Dienstleistungen aus der EU vorbereitet. Zudem ist noch unklar, in welcher Form die im Cotonou- Abkommen vorgesehene zivilgesellschaftliche Beteiligung umgesetzt werden kann. “Es sind vor allem die Menschen in den Entwicklungslaendern, die unter wirtschaftlichen und oekologischen Fehlentwicklungen leiden. Die Regierungsverhandlungen muessen daher so transparent und offen gefuehrt werden, dass betroffene Bevoelkerungsgruppen in den AKP-Staaten ein Mitspracherecht erhalten. Ausserdem sollte die parlamentarische Kontrolle der Regierungsgespraeche durch regelmaessige Konsultationen mit der gemeinsamen parlamentarischen Versammlung der AKP und EU sichergestellt werden”, erklaert Dr. Klaus Schilder weiter.
Die Handelskooperation zwischen EU und AKP wurde im Jahr 2000 im Rahmen des Cotonou-Abkommens neu geregelt. Es sieht den Abschluss von regionalen Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der EU und regionalen AKP-Laendergruppen vor, die spaetestens im Januar 2008 in Kraft treten sollen. In einer anschliessenden 12-jaehrigen Uebergangphase soll die vollstaendige Handelsliberalisierung umgesetzt werden.
Weitere Informationen zur EU-AKP-Kooperation: Internet: www.weedbonn.org/eu
Dr. Peter Eisenblaetter terre des hommes Deutschland e.V. Pressereferat 26. September 2002
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