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EU muss Schweigen zu Tschetschenien brechen
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EU-RUSSLAND-GIPFEL
amnesty: EU muss Schweigen zu Tschetschenien brechen
EU soll Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien in den Mittelpunkt der Beziehungen zu Russland stellen / Untersuchung der Kriegsverbrechen, mehr Schutz für Zivilisten und Zulassung internationaler Beobachter gefordert / Nach Geiselnahme neue Menschenrechtsverletzungen befürchtet / Tschetschenien auch ein Schwerpunkt neuer ai-Russland-Kampagne
Berlin/Brüssel, 8. November 2002 ? Die EU muss endlich ihr Schweigen zum Konflikt in Tschetschenien brechen. Die Menschenrechtsverletzungen in der Kaukasusrepublik müssen in den Mittelpunkt der europäisch-russischen Beziehungen rücken. Das fordert amnesty international (ai) von den Staats- und Regierungschefs der EU anlässlich ihres Gipfeltreffens mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am kommenden Montag in Brüssel.
Insbesondere soll die EU Russland drängen, Zivilisten bei den Operationen von Polizei und Armee zu schützen. Die bisherigen Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen müssen untersucht werden. Dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes, den UNO-Sonderberichterstattern zu Folter und extralegalen Hinrichtungen sowie unabhängigen Menschenrechts-Beobachtern ist voller Zugang nach Tschetschenien zu gewähren. Die russische Regierung soll ein unabhängiges Untersuchungsverfahren über die Geiselnahme im Moskauer Melnikov-Theater durchführen und die Ergebnisse veröffentlichen.
"Die dramatische Menschenrechtslage in der tschetschenischen Republik ist nur die Spitze des Eisberges: In allen Teilen der russischen Föderation sind Menschenrechtsverletzungen weit verbreitet. In ganz Russland werden Menschen Opfer von Folter und Misshandlungen und können sich nur schwer Zugang zu Gerechtigkeit verschaffen", sagte Kirsten Schönefeld, Russland-Expertin der deutschen Sektion von amnesty international.
Nach dem tödlichen Ende der Geiselnahme in Moskau befürchtet ai im Zuge der erneuten "Anti-Terror-Kampagne" der russischen Regierung neue Menschenrechtsverletzungen. Bereits jetzt werden in anderen Teilen Russlands lebende Tschetschenen trotz eines hohen Sicherheitsrisikos gezwungen, nach Tschetschenien zurückzukehren. In Moskau wurden Tschetschenen nach der Geiselkrise schikaniert. Die militärischen Operationen der russischen Armee in Tschetschenien haben sich intensiviert. Neue Gesetzesentwürfe beschränken die Pressefreiheit in Russland.
"Solange die EU bei den schweren Verletzungen der Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts in Russland wegschaut und die eklatante Straflosigkeit für diese Verstöße einfach hinnimmt, kann sie als unterstützende Kraft für mehr Reformen und rechtsstaatliche Strukturen in Russland kaum ernst genommen werden", sagte Kirsten Schönefeld. "Tschetschenien ist der Prüfstein für das Menschenrechts-Engagement der EU in Russland."
Am 29. Oktober 2002 hat ai eine weltweite Kampagne zu Menschenrechtsverletzungen in Russland gestartet. Die Lage in Tschetschenien sowie schwere Menschenrechtsverletzungen insbesondere an Frauen, Kindern und ethnischen Minderheiten in ganz Russland bilden bis Ende 2003 einen Schwerpunkt der amnesty-Arbeit.
Eine ausführliche Fassung des amnesty-Appells Human Rights in Chechnya ? A litmus test for Eu-Russia relations können Sie auf der Homepage des EU-Büros von amnesty international erhalten:
http://www.amnesty-eu.org/1/EU-Russia_Summit_Appeal_11-11-2002.doc .
amnesty international Pressestelle 10411 Berlin
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