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TROTZ GESETZESREFORM KEIN ENDE VON FOLTER
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TÜRKEI / EU-BEITRITT
TROTZ GESETZESREFORM KEIN ENDE VON FOLTER
Schwere Misshandlungen in Polizeigewahrsam werden durch neues Reformpaket nicht verhindert / EU muss Türkei auf Abschaffung der Haft ohne Kontakt zur Außenwelt drängen / amnesty international legt neuen Bericht zu systematischer Folter in der Türkei vor
Berlin, 18. September 2002 - Die neuen türkischen Gesetzesreformen klammern das Problem von Folter in türkischem Polizeigewahrsam aus. Schwere Misshandlungen finden weiterhin statt, kritisiert amnesty international (ai) heute anlässlich der Vorstellung eines neuen Berichts über Folter in der Türkei. Die EU stellt derzeit ihren Jahresbericht über die Fortschritte der Beitrittskandidaten fertig. ai ruft die Europäische Union auf, der Türkei ein Ultimatum zur Abschaffung der Haft ohne Kontakt zur Außenwelt zu setzen.
In dem in Brüssel veröffentlichten ai-Bericht werden anhand von über 60 Fällen Folter und Misshandlungen in der Türkei zwischen Januar und Juni 2002 dokumentiert. Zu den gängigen Foltermethoden gehören Elektroschocks und sexueller Missbrauch. Die Mehrzahl der Misshandlungen ereigneten sich während der in der Türkei nun zwar verkürzten, aber weiterhin legalen Haft ohne Kontakt zur Außenwelt. Die Behörden gehen Foltervorwürfen gar nicht oder nur unzureichend nach.
"Die türkische Regierung muss sich vehement dafür einsetzen, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden und damit der Straflosigkeit eine Ende setzen", sagte Julia Duchrow, Türkei-Expertin von ai. "Solange die Türkei Polizeihäftlingen keinen Kontakt zur Außenwelt gewährt, werden auch Folter und Misshandlungen nicht wirksam verhindert."
ai hat den Bericht mit dem Titel "Turkey: Systematic Torture Continues in 2002" und eine Auswertung der jüngsten Gesetzesreformen in der Türkei EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen und Repräsentanten aller Mitgliedsstaaten zukommen lassen. "Die Europäische Union muss die praktische Wirksamkeit von Gesetzesreformen überprüfen. Dies betrifft sowohl die Türkei als auch die anderen EU-Beitrittskandidaten. Bei der Gestaltung des zukünftigen Europas dürfen bei Menschenrechtsstandards keine Abstriche gemacht werden", so Julia Duchrow.
Zum Bericht Turkey: Systematic Torture Continues in 2002
http://web.amnesty.org/ai.nsf/Index/EUR440402002
Zum Bericht mit den ai-Anliegen zu den übrigen Beitrittskandidaten Concerns in Europe January-June 2002
http://web.amnesty.org/ai.nsf/Index/EUR010072002
amnesty international Pressestelle
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