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ISSN 1610-0611
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"Auschwitzlüge auf serbisch"

Untersuchungsbericht leugnet die 8.000 Toten von Srebrenica - Joschka Fischer soll Festnahme von Karadzic durchsetzen

Als eine Art "Auschwitzlüge auf serbisch" hat die Gesellschaft für bedrohte Völker International (GfbV) am Dienstag die Behauptung der bosnisch-serbischen Teilregierung bezeichnet, die Ermordung von 8.000 Bosniaken durch serbische Einsatzgruppen des Generals Ratko Mladic habe praktisch nicht stattgefunden. Während die internationale Gemeinschaft die Massenerschießungen von Srebrenica als schlimmstes Verbrechen in Europa seit Ende des Dritten Reiches bezeichnet, behauptet der neue Untersuchungsbericht der serbischen Regionalregierung in Banja Luka, von "den 2 000 ums Leben gekommenen Bosniern seien 1 800 bei Kampfhandlungen gestorben, 100 Personen aus Rache getötet worden und weitere 100 an Erschöpfung gestorben". Der Bericht soll am heutigen Dienstag (3.9.02) im bosnisch-serbischen Parlament diskutiert werden.

"Wir fordern Bundesaußenminister Joschka Fischer dringend dazu auf zu zeigen, dass seine Erschütterung über die Kriegsverbrechen in Srebrenica 1995 echt gewesen ist: Er soll sich jetzt endlich vehement für die Verhaftung der international gesuchten Serbenführer Radovan Karadzic und Ratko Mladic durch die Sfor einsetzen", erklärte der Präsident der GfbV International, Tilman Zülch, am Dienstag in Göttingen. Außerdem müsse Fischer bei der internationalen Gemeinschaft durchsetzen, dass die SDS, die nationalistische Partei von Karadzic, im serbischen Teil Bosniens verboten werde. Die SDS dominiere noch immer die serbische Teilregierung und blockiere gemäßigte Kräfte, die für die schonungslose Aufdeckung von Kriegsverbrechen wie die in Srebrenica begangenen Gräueltaten und eine Versöhnung in Bosnien eintreten.

"Die GfbV hat nicht nur einen Report mit den Namen von bisher 7 294 Knaben und Männern veröffentlicht, die nach der Eroberung der ehemaligen UN-Schutzzone von serbischen Einsatzgruppen ermordet wurden", berichtete Zülch. "Ich habe bei Exhumierungen auch an den Massengräbern gestanden. Es waren so genannte Sekundärgräber. Dort sind die Toten aus den ersten Massengräbern zum zweiten Mal verscharrt worden, in der Hoffnung sie würden nicht aufgefunden." 6.500 Opfer aus Srebrenica seien bisher exhumiert, 419 von ihnen identifiziert worden. Der Vorsitzende der Staatlichen Kommission für die Suche nach Vermissten Amor Masovic habe am vergangenen Freitag den Sacharow-Preis des norwegischen Helsinki Komitees erhalten.

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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
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