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ISSN 1610-0611
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Christen: Opfer des AntiterrorKampfes

Pakistans Christen werden zu Opfern des AntiterrorKampfes

Christen werden in Pakistan immer häufiger Opfer eines
Stellvertreterkrieges, mit dem muslimische Extremisten
die USA und die westliche Welt treffen wollen. Darauf
hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am
Mittwoch hingewiesen. "Wenn die Gewalt weiter anhält,
ist ein Exodus von Christen aus Pakistan zu befürchten",
warnte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius nach dem
jüngsten Überfall schwerbewaffneter muslimischer
Extremisten auf eine christliche Hilfsorganisation in
Karachi. Dabei waren am Mittwochmorgen drei Christen
und drei Muslime getötet worden. In den vergangenen
sechs Monaten seien in Pakistan durch Terroranschläge
bereits 33 Christen zu Tode gekommen und mehr als
einhundert verletzt worden. Zuletzt waren am 9. August
2002 vier Krankenschwestern in Islamabad durch die
Explosion von Handgranaten getötet und 25 Personen
verletzt worden. Vier Tage zuvor seien sechs Menschen
bei einem Anschlag auf eine christliche Schule in der
Nähe der pakistanischen Hauptstadt zu Tode
gekommen.

Nach diesen Terrorüberfällen hätten die pakistanischen
Behörden den Schutz christlicher Einrichtungen
verstärkt, berichtete Delius. Nachdem bei verhafteten
muslimischen Extremisten Pläne von zwei Kirchen und
einer christlichen Schule gefunden worden seien, habe
die Polizei am Montag Embleme von öffentlichen
christlichen Einrichtungen sowie von Gebetssälen in
Privatwohnungen entfernt. Noch seien keine Kreuze von
Kirchen demontiert worden. Führende Persönlichkeiten
der christlichen Minderheit hätten die vermeintliche
Schutzmaßnahme als weitere Diskriminierung kritisiert
und erklärt, dass sie sich durch die Entfernung der
Embleme nicht sicherer fühlten. "Die Behörden wollen
nur unsere Gotteshäuser verstecken", klagte Shehbaz
Bhatti, der Führer der Allianz der Minderheiten
Pakistans.

Die Diskriminierung der Christen in Pakistan halte
weiter an, kritisierte Delius. Zwar habe Präsident
Musharraf im April 2000 eine Reform der umstrittenen
Blasphemie-Gesetze angekündigt, um einen
Missbrauch der Gotteslästerungsparagraphen durch
eifersüchtige oder streitbare Nachbarn zu verhindern.
Seine Reformpläne zugunsten der drei Millionen im
Land lebenden Christen habe er jedoch wenige Wochen
später unter dem Druck muslimischer Extremisten
zurückgezogen. Radikale muslimische Parteien hätten
bereits weitere Gesetzesverschärfungen nach den
Parlamentswahlen am 10.Oktober angekündigt. Führer
der Christen, Sikh und Hindu hätten daraufhin ein
Wahlbündnis
geschlossen, um der Stimme ihrer Minderheiten im
Parlament mehr Gewicht zu geben.

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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
25.09.2002



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