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ISSN 1610-0611
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Deutsche Botschaft: Kriegswaisen abgelehnt

Kriegswaisen aus Tschetschenien dürfen nicht nach Deutschland kommen

Nach monatelanger Hinhaltetaktik verweigert
Deutsche Botschaft tschetschenischen
Kriegswaisen Erholungsferien in Deutschland

Nach monatelanger Hinhaltetaktik hat die
Deutsche Botschaft jetzt zwölf tschetschenischen
Kriegswaisen einen Erholungsaufenthalt in
Deutschland verweigert. "Alles war vorbereitet,
alle Dokumente, die die Botschaft angefordert
hat, haben wir geliefert. Die Gastfamilien in
Deutschland hatten Zimmer für die Kinder
eingerichtet und Spielsachen für sie gesammelt.
Wie kann ich den Kindern, die sich so große
Hoffnungen auf Ferien im Frieden gemacht haben,
noch in die Augen schauen?", beklagte sich die
prominente Menschenrechtlerin und Leiterin der
Organisation "Echo des Krieges" am Freitag
telephonisch bei der Gesellschaft für bedrohte
Völker (GfbV) in Göttingen. Die
Osteuropareferentin der GfbV, Sarah Reinke,
kritisierte die Entscheidung der Botschaft vom
Donnerstag: "Wenn Deutschland nicht einmal den
unschuldigsten Opfern des russischen Krieges
gegen Tschetschenien unbürokratisch zu Hilfe
kommt, dann ist das ein zutiefst beschämendes
Armutszeugnis für die deutsche
Menschenrechtspolitik." Die Kinder im Alter von
vier bis 14 Jahren sollten sich bei deutschen
Familien im Raum Frankfurt am Main von Krieg,
Krankheit und ständiger Angst vor Übergriffen
erholen. Die Vorbereitungen für den zweiwöchigen
Aufenthalt laufen seit August.

"Gerade jetzt, wo die Tschetschenen in der
gesamten Russischen Föderation
massiven Übergriffen ausgesetzt sind und
tschetschenische Flüchtlingskinder sich in
Moskau nicht mehr in die Schule trauen, weil sie
von ihren russischen Klassenkameraden beschimpft
und bedroht werden, hätte die Bewilligung des
Antrages selbstverständlich sein müssen, zumal
dem deutschen Staat keinerlei Kosten entstanden
wären", empörte sich Sarah Reinke. "Diese
uneigennützige Privatinitiative hätte gerade
deshalb nicht so gefühllos ins Leere laufen
dürfen, weil nach Ende des Geiseldramas in
Moskau in Tschetschenien jetzt unter Ausschluss
der Öffentlichkeit ein erneuter Feldzug gegen
die Zivilbevölkerung begonnen hat."



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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
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8.11.2002


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