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Verbrechen des "Henkers von Bagdad" dokumentiert


Irak: Verbrechen des "Henkers von Bagdad" dokumentiert

Über eine Million Tote im Irak - Dokumentation der Verbrechen Saddam Husseins: "Henker von Bagdad"

"Saddam Hussein - der Henker von Bagdad" ist der Titel der soeben erschienenen Dokumentation der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) über die furchtbaren Verbrechen unter dem irakischen Diktator und seinem Baath-Regime. In dieser "Chronik des Schreckens" werden Jahr für Jahr die unvorstellbaren Grausamkeiten festgehalten, die sich in ununterbrochener Folge seit Machtergreifung der Baath-Partei 1968 aneinanderreihen. Saddam Hussein hat Verbrechen an allen ethnischen und religiösen Gemeinschaften des Irak verübt. Die Zahl der Toten wird inzwischen auf über eine Million geschätzt.

Allein im Nordirak sollen in den vergangenen 34 Jahren rund eine halbe Million Kurden - unter ihnen auch assyrisch-aramäische Christen, Yeziden und Turkmenen - vernichtet worden sein, wird in der Dokumentation bilanziert, die als Schwerpunkt der neuesten Ausgabe der GfbV-Zeitschrift "bedrohte Völker" (ehemals pogrom) veröffentlicht wird. 182.000 dieser 500.000
Opfer starben bei der so genannten Anfal- Offensive 1987/88 entweder durch den Einsatz chemischer Kampfstoffe einen qualvollen Tod oder sie wurden - wenn sie den Giftgaseinsatz überlebt hatten - bei Massenerschießungen von Einsatzgruppen getötet. Unter diesen Toten wiederum waren allein 8.000 Männer und Knaben des Barzani-Stammes. Der Organisator der Anfal-
Offensive, der Cousin Saddam Husseins, Ali Hassan Al-Majid, hat 100.000 Opfer eingestanden. Diesen Genozid haben Administration, Armee und Einsatzgruppen Saddams in allen Einzelheiten registriert und akribisch festgehalten. 14 Tonnen des Materials wurden in den USA von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch gesichtet und analysiert.

Organisationen der Schiiten im Südirak beklagen 300.000 Tote seit 1991, unter ihnen 9.000 Geistliche. Diese Angaben werden von Menschenrechtlern bestätigt. Nach der planmäßigen Austrocknung der Marschen des Euphrat- und Tigris-Deltas wurden etwa 500.000 so genannte Marscharaber vertrieben. Zehntausende kamen bei Bombardements, durch Exekutionen und auf der Flucht ums Leben. Bereits Mitte der 70-er Jahre hatte die Baath-Partei die ohnehin nur noch 3.000 Mitglieder zählende jüdische Gemeinschaft nach öffentlichen Hinrichtungen und Verfolgungen fast ausnahmslos aus dem Lande gejagt.

Weiteren Massakern, Einzel- und Massenhinrichtungen fielen Vertreter aus allen Oppositionsparteien, Intellektuelle und Angehörige der Arbeiter- und Frauenbewegung zum Opfer. Zahlreiche Emigranten wurden in ihrem Gastland von irakischen Agenten ermordet. Saddam Hussein ließ Tausende Angehörige des Regimes, darunter Diplomaten, Geheimdienstler, Mitglieder
des Offizierkorps und sogar seiner Republikanischen Garden sowie seiner Familie liquidieren.

Die GfbV kritisiert in ihrer Dokumentation, dass die westeuropäischen Staaten, die USA, die damalige Sowjetunion und ihre Satelliten, insbesondere die DDR, viele dieser Verbrechen durch Lieferungen von Waffen und militärischem Know-how, durch enge diplomatische, ökonomische und politische Zusammenarbeit erst ermöglicht haben. Die GfbV bedauert, dass die Vereinigten Staaten die kurdischen Tragödien 1975 (Zusammenbruch der Widerstandsbewegung und Flucht von 300.000 Menschen in den Iran) und 1991 (Aufforderung an die Kurden zum Widerstand, Flucht von zwei Millionen Menschen in die Türkei) mitverschuldet habe. Die USA haben sich jedoch auch gemeinsam mit Großbritannien Verdienste um die Menschenrechte der Kurden und der assyrisch-aramäischen Christen im Nordirak erworben und dort die Schaffung einer Schutzzone durchgesetzt, die zur sicheren Heimat von rund vier Millionen Menschen geworden ist.

Unentschuldbar aber ist, heißt es in der GfbV-Dokumentation, dass eine Reihe von deutschen und europäischen Persönlichkeiten enge Verbindungen zu dem Terrorregime unterhalten, dessen Führung dringend vor ein internationales
Tribunal gestellt werden muss, unter ihnen sind Jamal Karsli, Jürgen W. Möllemann, Horst Mahler, Jörg Haider, Jean-Marie Le Pen, die deutsche NPD, die deutsche Nationalzeitung des Herrn Frey, der Ghaddafi-Freund Alfred Mechtersheimer, verschiedene antiimperialistische Gruppen in Deutschland und Österreich, radikale Zeitungen wie "Junge Welt" und "Junge Freiheit" sowie dogmatische Teile der deutschen Friedensbewegung und Mitarbeiter des Deutschen Orientinstitutes wie Aziz Alkazaz, privat auch Generalsekretär und Vizepräsident des baathistischen "Kongresses der Auslandsiraker".

GfbV-Generalsekretär
Tilman Zülch
GESELLSCHAFT FÜR BEDROHTE VÖLKER
Göttingen, den 23.07.2002



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