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ISSN 1610-0611
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Geiselnahme in Moskau

Geiselnahme in Moskau
Tschetschenien: "Völkermord ist für Kanzler Schröder ein Fremdwort"

Die deutsche Bundesregierung trägt nach
Auffassung der Gesellschaft für bedrohte Völker
(GfbV) Mitverantwortung für die Eskalation der
Gewalt im Tschetschenienkrieg. Anlässlich der
verbrecherischen Geiselnahme in einem Moskauer
Theater durch tschetschenische Kämpfer erklärte
der GfbV-Generalsekretär Tilman Zülch am Freitag
in Göttingen: "Völkermord ist für Bundeskanzler
Gerhard Schröder trotz der deutschen
Vergangenheit offensichtlich ein Fremdwort. Denn
anders ist es nicht zu erklären, dass die
Bundesregierung die mörderische Politik Wladimir
Putins gegen Tschetschenien so kritiklos
toleriert." Wer die Zusammenarbeit mit einer
Armee intensiviere, die an der tschetschenischen
Zivilbevölkerung unter Ausschluss der
Öffentlichkeit fortgesetzt Völkermord begeht,
der müsse sich vorwerfen lassen, auch
verbrecherische Akte tschetschenischer
Terroristen mit provoziert zu haben, kritisierte
der Menschenrechtler. Auch die Zurückweisung des
verhandlungsbereiten moderaten tschetschenischen
Präsidenten Aslan Maschadow durch die
Bundesregierung habe dazu beigetragen, dass
radikalere Kräfte an Einfluss gewannen.
Maschadow hat die Geiselnahme ausdrücklich
verurteilt.

"Hatte Joschka Fischer der damaligen
Bundesregierung unter Helmut Kohl 1995 noch
vorgeworfen, durch Stillschweigen
Mitverantwortung für den Genozid in
Tschetschenien zu tragen, so muss er sich jetzt
als amtierender Außenminister umso mehr härtere
Kritik gefallen lassen", sagte Zülch. Um sich
mit dem russischen Geheimdienst über
"Terrorismusbekämpfung" auszutauschen, war eine
Delegation des Bundesnachrichtendienstes im
Frühjahr 2000 in das völlig zerstörte Grosny
entsandt worden. Am Tages des angeblichen
Kriegsendes, am 29. Februar 2000, habe der
damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping
mit der russischen Armeeführung 33 gemeinsame
militärische Projekte vereinbart.

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Gesellschaft fuer bedrohte Voelker e.V. (GfbV)
Inse Geismar, Pressereferentin
Postfach 2024, D-37010 Goettingen
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25.10.2002


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