 |
|
 |
 |
 |
 |
Internationaler Kaffee-Rat
|
|
|
Internationaler Kaffee-Rat tagt in London (24.-27.9.2002)
Bitterer Kaffee: Anbauboom vernichtet Existenzgrundlagen von Ureinwohnern in Vietnam und Südamerika
Anlässlich der am Dienstag in London beginnenden Jahrestagung des Internationalen Kaffee-Rates hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) Vietnam als Deutschlands zweitwichtigstem Kaffeeproduzenten vorgeworfen, die Menschenrechte der Urbevölkerung in den Kaffeeanbaugebieten massiv zu verletzen. Mit willkürlichen Verhaftungen und Folter sowie Polizei- und Militäreinsatz gingen die Behörden gegen Ureinwohner vor, die gegen die rücksichtslose Ausweitung der Kaffeeproduktion und den damit einhergehenden Landraub protestierten. "Diese katastrophale Entwicklung darf nicht länger totgeschwiegen werden", appellierte der GfbV-Asienexperte Ulrich Delius am Montag an die Delegierten des Rates, "der vietnamesische Kaffee-Boom zerstört nicht nur den Lebensraum der rund 35.000 Ureinwohner im Zentralen Hochland Vietnams. Er vernichtet auch die Existenz Hunderttausender indianischer Kaffeepflanzer und –pflücker in Süd- und Mittelamerika." Die von Frankreich und der Weltbank geförderte überproduktion in Vietnam sei für den massiven Preisverfall auf dem internationalen Kaffeemarkt entscheidend verantwortlich und dürfe nicht länger hingenommen werden.
Erst am 31. August 2002 seien mehr als ein Dutzend Angehörige des Volkes der Ede in der Provinz Daklak verhaftet worden nur aufgrund des Verdachtes, einen öffentlichen Protest gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen durch den Kaffee-Anbau zu planen, berichtete Delius. Von der öffentlichkeit kaum wahrgenommen, käme es ständig zur Verhaftung einzelner Ureinwohner. Dorfgemeinschaften würden massiv unter Druck gesetzt, ihr Land widerstandslos aufzugeben. Als es im Februar 2001 trotzdem zu einer größeren Demonstration von rund 5.000 Ureinwohnern kam, sei die Armee eingesetzt worden. Vor den Panzern seien mehr als 1.000 Angehörige indigener Völker in das benachbarte Kambodscha geflohen. Die meisten dieser Flüchtlinge wurden von den USA aufgenommen. Diejenigen jedoch, die nach Vietnam zurückgeschoben wurden, warten bis heute vergeblich auf die von den vietnamesischen Behörden versprochene Rückgabe ihres Landes.
Für den Kaffee-Anbau würden immer mehr Wälder gerodet, kritisierte Delius. Erst vergangene Woche habe die Weltbank in einer Studie festgestellt, dass die Umwelt unter der Ausweitung der Plantagen leide. So seien in den letzten zehn Jahren viele Wälder gerodet und 38 % mehr Ackerland erschlossen worden. Umweltschäden verursache auch der große Dünger- und Pestizideinsatz sowie der enorme Wasserverbrauch auf den Kaffeeplantagen. Die Weltbank dokumentiere in ihren Studien auch die Verarmung und Diskriminierung der Ureinwohner, die im Zentralen Hochland zudem aufgrund ihres protestantischen Glaubens verfolgt werden. Die 54 ethnischen Minderheiten Vietnams stellen mit mehr als zehn Millionen Menschen rund 14 % der Gesamtbevölkerung.
Die Provinz Daklak ist das Hauptanbaugebiet für Kaffee. Ohne Rücksicht auf die Ureinwohner unterstützen es die Behörden, dass sich dort immer mehr Angehörige der Mehrheitsbevölkerung der Kinh ansiedeln, um Kaffee-Anbau zu betreiben. Bis zum Jahr 2005 sollen dort allein 40.000 Siedler aus der dicht bevölkerten Provinz Thai Binh sesshaft gemacht werden.
Vietnam war im Jahr 2001 mit 13,88% Anteil am deutschen Rohkaffee-Import zweitwichtigster Kaffeeproduzent Deutschlands. Das Land hat seine Kaffeeproduktion zwischen 1996 (236.280 Tonnen) und 2001 (900.000 Tonnen) mehr als verdreifacht. über 90 % der Kaffee-Exporte sind von der minderwertigeren Sorte Robusta und werden daher meist in Mischungen verwendet.
EINE PUBLIKATION DER GESELLSCHAFT FüR BEDROHTE VöLKER Göttingen, den 23. September 2002
|
nach oben
--< zurück
•--vorwärts >
↑ nach oben
|
Christen: Opfer des AntiterrorKampfes | EU u. NATO Karadzic fassen-nicht länger schützen!
|
|